Polizeikontrolle von E-Scooter-Fahrern am 16.7. in Berlin (Bild: dpa)
Video: Abendschau | 17.09.2019 | Jacobs / Widell | Bild: dpa

Zwischenbilanz der Berliner Polizei - E-Scooter-Fahrer werden oft betrunken erwischt

Seit drei Monaten sind E-Scooter in Berlin erlaubt, die Polizei hat jetzt eine Zwischenbilanz gezogen: Viele Nutzer fahren alkoholisiert, sie bauen Unfälle mit Schwerverletzten. In 19 Fällen wird sogar wegen Fahrerflucht ermittelt.

Die Berliner Polizei registriert auffallend viele betrunkene Fahrer von E-Tretrollern. Das geht aus ihrer Bilanz für die ersten drei Monate seit der Erlaubnis für die Roller hervor.

Seit dem 15. Juni registrierte die Polizei demnach 74 Unfälle von Rollerfahrern. Dabei wurden 16 Menschen schwer- und 43 leicht verletzt. In 65 der 74 Fälle waren die Fahrer der E-Scooter nach Feststellung der Polizei schuld an dem Unfall. Das entspricht rund 88 Prozent. In 19 Fällen wird wegen Unfallflucht ermittelt. Die häufigsten Ursachen der Unfälle waren nach Angaben der Polizei Fehler beim Fahren, unzulässige Benutzung von Gehwegen und Alkohol.

Höchstwert: 2,78 Promille

Die Polizei leitete 87 Ermittlungsverfahren gegen Fahrer ein. In 65 Fällen ging es um Trunkenheit im Straßenverkehr. Besonders bei Kontrollen am Abend und in der Nacht seien die Fahrer "überdurchschnittlich oft alkoholisiert" gewesen. "Der festgestellte Höchstwert lag hier bei rund 2,78 Promille", so die Polizei.

Außerdem wurden 233 Verkehrsordnungswidrigkeiten geahndet. Dazu zählten laut Polizei "das unzulässige Befahren von Gehwegen, das Fahren mit mehreren Personen oder die Mobiltelefonbenutzung während der Fahrt".

Die Polizei wies darauf hin, dass der eigene Führerschein bei einem verursachten Unfall bereits ab einem Wert von 0,3 Promille in Gefahr sei. Für Personen unter 21 Jahren gilt hier grundsätzlich die Promillegrenze 0,0. E-Scooter dürfen nur auf Radwegen fahren, wo keine sind, müssen sie auf die Straße ausweichen. Busspuren sind dabei tabu. Benutzt werden dürfen E-Scooter ab einem Alter von 14 Jahren - dass es keine Helmpflicht gibt, sehen gerade Unfallärzte kritisch.

Dunkelziffer von Verletzten höher

Die Dunkelziffer der Verletzten dürfte nach rbb-Recherchen höher liegen, als die offiziellen Zahlen. Anfragen bei Berliner Notaufnahmen hatten ergeben, dass deren Zahlen und die Zahlen der Polizei weit auseinanderlagen. Das liegt daran, dass viele Betroffene Unfälle nicht melden. "Wer sich selbst auf die Klappe legt, wird uns nicht anrufen", hatte eine Polizeisprecherin rbb|24 gesagt.

Nach rbb-Informationen stehen in Berlin derzeit insgesamt rund 9.000 E-Tretroller zur Ausleihe bereit. Alleine im Bezirk Mitte sind es 3.800 Stück. 

Im gesamten vergangenen Jahr registrierte die Polizei in Berlin 144.325 Verkehrsunfälle [berlin.de/polizei]. 15.630 Menschen wurden dabei leicht und 2.542 Menschen schwer verletzt. In gut 68 Prozent der Unfälle waren Pkw-Fahrer die Verursacher, in gut 13 Prozent Lkw-Fahrer, in knapp vier Prozent Radfahrer und in 1,2 Prozent Fußgänger. Radfahrer waren an 7.971 registrierten Unfällen beteiligt.

Sendung: Inforadio, 17.09.2019, 11:20 Uhr

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24 Kommentare

  1. 24.

    Verstehe zwar was Sie meinen, doch „Rasende Rennfahrer“ finde ich einfach übertrieben auf belebten Gehwegen. Beides finde ich einfach nur nervig und aufreibend als Fußgänger. Besonders bei ältere Personen.

  2. 23.

    Geschäfte gemäß des Taschengeld Paragrafen beinhalten Kleinstgeschäfte, die keinerlei Verantwortung mit sich ziehen. Das ist beim Mieten eines E-Scooters anders. Hier besteht immer die
    Möglichkeit einer Schädigung von Dritten. Und gleichzeitig kommt ein Vertrag mit Vertragsbedingungen zustande. Diese weitreichenden Bedingungen, an die sich ein Kind bezw. Jugendlicher dann wie ein Erwachsener halten müßte, schließt der Taschengeld Paragraf (zu Recht) nicht mit ein.

  3. 22.

    Guten Abend Herbert Poli,

    eine Geschwindigkeit von ca 5,5 m je Sekunde nennen Sie umhertuckern? Ich möchte nicht von einer Masse von 80 kg (angenommenes Gewicht E-Roller Fahrer/in plus angenommene 10 kg E-Roller - was wahrscheinlich zu wenig ist), die sich mit dieser Geschwindigkeit über den Gehweg bewegt, getroffen werden. Natürlich gilt das auch für einen rasenden Rennradfahrer.
    Gruß, Hajakon.

  4. 21.

    Die Tram taucht nicht als Unfallverursacher auf. Wenn sie an Unfällen beteiligt ist, ist es meistens so, weil der Bremsweg zu lang ist. Durch meinen Bruder, der Straßenbahnfahrer ist, weiß ich, dass ihm TÄGLICH Leute vor die Bahn laufen, weil sie ins Handy starren und/oder Kopfhörer aufhaben. Ih bin auch für den weiteren Ausbau; jedoch nur dort, wo auch eigene Bahnkörper möglich sind. Dort, wo ich wohne, dürfte wegen eines Trinkwasserschutzgebietes gar kein Bus fahren.

  5. 20.

    Auch falsch. Auch Minderjährige haben Kreditkarten: https://www.taschengeldkonto.org/prepaid-kreditkarte.html
    Ebenso haben sie eigene Konten.
    Wir leben nicht mehr im vorigen Jahrhundert.
    Als Mieter eines EScooters kann man also über die App per Kreditkarte oder Lastschrift bezahlen.

    Ihre Einschätzung zu EScootern teile ich uneingeschränkt. Dieser Herr Scheuer sollte sich ganz schnell aus dem Amt verabschieden. Ich denke dabei auch an die Maut-Sache.

  6. 19.

    Viel aufregung um nichts diese Verstöße die von E scootern ausgehen, passieren ohnehin täglich mit Fahrradfahrern nur fallen die nicht so auf, da das Auge sich daran schon gewöhnt hat jetzt wo es was neues gibt wird verstärkt darauf geachtet ganz ehrlich ich wohne in einer Großstadt und habe mit E scooter Fahrern nicht mehr Probleme als mit Fahrradfahrer also vielleicht einfach mal halblang machen.
    Hab lieber einen E scooter der mit 20 kmh umher tuckert als einen Rasenden Rennradfahrer ...

  7. 18.

    Der § 110 BGB stellt jedoch auf die eigenen bzw. von den Eltern überlassenen Geldmittel ab. Soweit ich weiß, braucht man eine Kreditkarte für dieses „Spielzeug“. Die hat ein Minderjähriger wohl eher nicht. Also melden die Eltern sich an und überlassen es dann den Kids, sich in Gefahr zu begeben, oder?
    Insgesamt finde ich die Zulassung der Scooter im Straßenverkehr für beScheuert, wie so manches andere aus dem gleichen Hause. Freie Fahrt für freie Andys...

  8. 17.

    Ja, das sehen Sie falsch. Es gibt nämlich den Taschengeldparagraphen. Auch ein 14jähriger kann sich einen EScooter mieten. Einfach mal googeln.

  9. 16.

    Bedankt euch bei denen, die ihre Wählerstimmen mit so nem Unsinn erkaufen.

  10. 15.

    Bitte nicht die Dinger auch noch umwerfen! Stört weder Betreiber noch die Nutzer groß, aber für alle anderen sind sie dann noch größere Stolperfallen und Hindernisse

  11. 14.

    Ja, ab 14 darf man E-scooten Aber einen rechtsgültigen Vertrag darf man erst mit 18 eingehen.

    Wenn also kein Erziehungsberechtigter vor Ort den 14-17jährigen die APP frei schaltet und diese es dann selbst tun, ist hier bereits der Tatbestand eines Betruges vollzogen -oder sehe ich das falsch? Es müsste hier dem Betreiber von Seiten des Erziehungsberechtigten das schriftliche Einverständnis mit original Unterschrift vorliegen. Alles andere läßt sich in der App leider fälschen. Bereits ab 14 ist der nunmehr Jugendliche strafmündig. Gesetzgeber, Justiz und Polizei verAPPeln sich hier selbst. Und das kann ihnen doch nicht schnurzpiep egal sein!?

  12. 13.

    ein kleiner Stups reicht und son Ding fällt um, selbst getestet am WE!

  13. 12.

    Aber immerhin werden die EScooter eingesammelt, so dass man als Fußgänger beim Straße überqueren wieder den Bürgersteig erreichen kann.
    Gestern z.B. stand ein Kleintransporter mit laufendem Motor (!) und sammelte gemächlich alle Scooter ein. Wenn das mal kein praktizierter Umweltschutz ist.

  14. 11.

    Und nochmal zum Thema: Verkehrswende / Nachhaltigkeit:

    Ich habe gelesen (ja ok, etwas gefährliches Halbwissen), daß die E-Scooter nach 3 (!!!) Monaten ausgetauscht werden, da sie entweder zu stark beschädigt und/oder abgenutzt sind bzw. der Akku tot ist > SONDERMÜLL

    @ rbb online: Haben Sie dazu Fakten vorliegen?

  15. 10.

    Ja, stimmt. Und gerne zu zweit und fast immer auf dem Fußweg. Am Wochenende waren wir viel zu Fuß in der Innenstadt unterwegs. Da waren es aber hauptsächlich junge Erwachsene, zwischen 20 bis 30. Diese nicht zu zweit, aber auch fast ausnahmslos auf dem Fußweg. Gerne gesehenes Accessoire: 'Ne Pilsette in der Hand. Ich bin froh, dass bei uns am Stadtrand wenig Scooter zu finden sind. Ich würde ausflippen, weil diese Typen machen was sie wollen, hauptsächlich, weil sie genau wissen, dass nichts passiert. Und wir Fußgänger machen ja auch immer Platz, aus Angst vor Aua...Dafür wird bei uns viel gebleifußt. Sieht ja auch keiner :-(

  16. 9.

    "Bedankt Euch beim Senat, der diesen Wahnsinn zuläßt."

    das liegt nicht am Senat, sondern am Verkehrsministerium und der Bundesregierung

    Der noch sehr viel größere "Wahnsinn" sind übrigens die so nebenbei erwähnten 81% der Unfallverursacher: nämlich Auto- und LKW Fahrer.

  17. 8.

    Gestern am Wittenbergplatz. 3 EScooter, 6 Benutzer, Gehweg.

    Finde den Fehler.

  18. 7.

    Ich bin der Meinung, dass jeder Verkehrsteilnehmer, der mit seinem
    Gefährt -manuell oder elektrisch angetrieben- NICHT mehr den Gehweg befahren darf, auf jeden Fall einen Verkehrskurs mit erfolgreichem Abschluss absolvieren muss!
    Wenn dann noch Polizei und Ordnungsamt personell aufgestockt werden, um flächendeckende Kontrollen durchzuführen, sowie die Bußgelder abschreckend erhöht werden - hätten wir alle die besten Chancen, wieder sicherer unterwegs zu sein.

    Was, schon so spät?
    ...Ich muss wohl geträumt haben...

  19. 6.

    Aber die Verleihfirmen dürfen die Verträge eigentlich nur mit Personen über 18 abschließen. Das wird offensichtlich auf diversen Wegen umgangen...

  20. 5.

    Nur mal zur Erinnerung: Nach Ansicht des Bundesverkehrsministers und anderer Herrschaften, die die Zulassung dieser Spielzeuge mit Nachdruck betrieben, sollten die Dinger ein ganz wichtiger Teil der "Verkehrswende" sein und umweltfreundliche (!) Mobilität fördern, insbesondere auch die Nutzung des öffentlichen Personenverkehrs.

    Und ein P.S. nicht nur für alle Straßenbahnhasser: Die Tram taucht in der Statistik der Unfallverursacher mit NULL Prozent auf.

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