Akten aus dem Prozess gegen einen Berliner Ex-Jugend-Feuerwehrwart (Quelle: rbb24)
Video: Abendschau | 17.09.2019 | Kerstin Breinig | Bild: rbb24

Urteil in Berlin - Ex-Jugendfeuerwehrwart muss wegen Missbrauchs in Haft

Ein ehemaliger Berliner Jugend-Feuerwehrwart ist wegen Kindesmissbrauchs zu zwei Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden.

Zu dem Schuldspruch führten 43 Übergriffe auf einen Jungen in der Zeit von 2008 bis 2013, begründete das Amtsgericht Tiergarten am Dienstag. An das Opfer soll der 60-Jährige zudem ein Schmerzensgeld von insgesamt 25.000 Euro zahlen. Im Strafmaß sei auch berücksichtigt wurden, dass der Angeklagte aus dem Beamtenverhältnis entlassen werden wird, hieß es vom Gericht.

"Nicht den notwendigen Abstand gehalten"

Im Prozess hatte der Mann weitere sexuelle Übergriffe seit Mitte der 1980er-Jahre zugegeben, die aber schon verjährt sind. Im Laufe der Ermittlungen hatten sich auch mehrere, inzwischen erwachsene Männer als Geschädigte gemeldet.

Der langjährige Feuerwehrbeamte hatte erklärt, er habe die "bestehende Nähe" für sexuelle Handlungen ausgenutzt und "nicht den notwendigen Abstand gehalten". Die Anklage war zunächst von 48 Übergriffen auf einen zur Tatzeit neun- bis 14-jährigen Jungen sowie von einem Missbrauch im Fall eines damals 13-Jährigen ausgegangen. Eine sexuell motivierte Berührung des 13-Jährigen sei allerdings nicht zweifelsfrei nachgewiesen worden, so das Gericht.

Staatsanwaltschaft forderte höhere Haftstrafe

Der Mann war im Hauptberuf Feuerwehrmann und zuletzt ehrenamtlich Jugend-Feuerwehrwart der Freiwilligen Feuerwehren Berlins. Im März 2018 trat er von seinem Ehrenamt als Landesjugend-Feuerwehrwart zurück - kurz zuvor war gegen ihn Strafanzeige erstattet worden. Der Angeklagte sei nach Bekanntwerden der Vorwürfe sofort suspendiert worden, hieß es am Rande des Prozesses.

Die Staatsanwaltschaft forderte in der teilweise nicht öffentlichen Verhandlung eine Haftstrafe von dreieinhalb Jahren, die Anwältin des Opfers verlangte fünf Jahre. Die Verteidiger forderten eine Bewährungsstrafe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Die Leitung der Berliner Feuerwehr zeigte sich am Dienstag in einer Mitteilung betroffen. "Die Berliner Feuerwehr wird alles daran setzen, damit sich derartige Taten und Geschehnisse nicht wiederholen werden", teilte Landesbranddirektor Karsten Homrighausen mit. Die Informationen aus dem Strafprozess würden auch in die Präventionsarbeit einfließen. Gegen den Beschuldigten wolle die Feuerwehr alle möglichen disziplinarrechtlichen Maßnahmen nutzen. Zudem seien verschiedene Organisationen und Verbände informiert worden, damit sie mögliche Auszeichnungen des 60-Jährigen wieder aberkennen.

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1 Kommentar

  1. 1.

    Das Urteil ist viel zu Milde. Die Täter bekommen milde Strafen für abscheuliche Verbrechen an Kinderseelen. Die Opfer leiden ein Lebenlang und werden vom Staat in Stich gelassen. Großartige Versprechungen der Verantwortlichen des Staates , dass den Opfer des Missbrauchs unbürokratisch geholfen werden sollte. Leider warten noch viele Opfer auf Hilfe. Was ist aus dem Fond Sexueller Missbrauch geworden ? Meines Erachtens sind die 100 Millionen immer noch nicht vollständig eingezahlt worden. Man spart lieber bei den Opfer und verweigert denen die Hilfe.

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