Neugebohrenes Panda-Baby im Berliner Zoo. (Quelle: imago images/Lindongwuyuan)
Video: Abendschau | 02.09.2019 | Andreas Knieriem | Bild: imago images/Lindongwuyuan

Interview | Zoodirektor über Panda-Babys - "Meng Meng kann sich nicht alleine kümmern, wir helfen ihr"

Auf dem Ultraschall war es nicht sichtbar und deshalb selbst für den Zoo Berlin eine Überraschung: Panda-Dame Meng Meng ist nicht nur einfache Mutter geworden, sondern zweifache. Über doppelte Freude und Arbeit spricht Zoodirektor Knieriem im Interview.

rbb: Sie waren bei der Entbindung dabei und wurden vom zweiten Baby fast überrascht, oder?

Andreas Knieriem: Wir haben nicht damit gerechnet, aber es gehofft. Die Wahrscheinlichkeit liegt bei Pandas bei 50 Prozent, dass sie Zwillinge bekommen. Wir haben es aber vorher nicht im Ultraschallbild gesehen, deshalb war es wirklich eine Überraschung. Sie kamen zügig nach 45 Minuten und nicht nach drei bis fünf Stunden. Insofern waren wir guter Dinge.

Und die Chinesen waren dabei und gemütsruhig, weil sie erfahren im Umgang mit Panda-Geburten sind?

Gemutsruhig waren die auch nicht. Aber sie sind sehr versiert und professionell, sie wussten sofort nach der Geburt, was sie zu tun haben. Wir waren sehr erstaunt, dass das wie an der Charité vor sich geht. Wir sind sehr glücklich, dass wir die Experten bei uns haben.

Meng Meng hat sich rührend um das Jungtier gekümmert. Jedoch nicht um beide Junge gleichzeitig. Ist das so, dass die Pandas nur ein Tier annehmen können?

Das ist das Dramatische in der Wildbahn: In der Regel können sie sich nur von Bambus ernähren, das bietet Pandas in der Regel nicht genügend Energie, um zwei Jungtiere aufzuziehen und die Natur ist rational und brutal und deswegen negieren die Muttertiere eins. Deshalb waren wir sofort gefordert, erst einmal das eine an uns zu nehmen und dann zu prüfen, ob Meng Meng überhaupt genügend Milch hat. Aber ihr Verhalten war absolut hervorragend, obwohl sie gar kein Buch zum Anlernen hat, das muss alles instinktiv kommen. Aber das bedeutet jetzt eben auch, dass wir auch doppelt Arbeit haben. Meng Meng kann sich nicht allein kümmern, sondern wir helfen ihr. Und es wird immer ausgetauscht, eins bei ihr, eins im Inkubator - und dann wird gewechselt.

Die beiden sind sehr lebhaft und laut. Gibt es eigentlich einen Punkt, an dem man sagen kann, dass die Panda-Babys über den Berg sind und es schaffen, große starke Pandas zu werden?

Wichtig ist tatsächlich die Geburt, dann sieht man, ob sie mit viel Leben geboren werden. Dann ist ganz wichtig: Passt alles, ist alles regelgerecht? Maul ist da? Atmung ist in Ordnung? Tatsächlich auch die Frage, ob sie Pipi machen können und Kot absetzen. Also: Sind alle Körperöffnungen da und auch geöffnet? Das ist schon sehr wichtig, deshalb überprüft man das eben. Und so wenn das alles dabei ist und funktioniert und wir sehen, dass ihr Verhalten stimmt und die Mutter sich hervorragend kümmert und sie schützt und zur Brust führt, dann wissen wir schon mal, dass alles stimmt. Jetzt heißt es Daumen drücken, dass sie organisch gesund sind – wir gehen davon aus – und dass keine Infektionserreger an sie herankommen, deswegen halten wir sie fast steril, zumindest keimarm.

Das Interview führte Eva-Maria Lemke in der rbb-Abendschau. Das Gespräch ist eine gekürzte  und redigierte Fassung – das gesamte Interview können Sie sehen und hören, wenn Sie auf das Abspielsymbol im Titelbild klicken.

Sendung: Abendschau, 03.09.2019, 19:30 Uhr

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Antwort auf [leonie ] vom 03.09.2019 um 15:05
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17 Kommentare

  1. 17.

    Lieber Herr Schaftlich,
    Ich habe meine Meinung geäußert und geschrieben das man sich schämen sollte ,wenn man sagt das es den Chinesen nur um Profit geht und nicht um die Erhaltung der Art. Ob nun in Gefangenschaft oder nicht. Meine Meinung....Ihre Meinung ist eine ganz andere. Auch gut. Aber warum akzeptieren Sie nicht, das es User gibt, die vielleicht im weiteren Sinne mal meiner Meinung sind und dies auch äußern? Auch Sie sollten unbedingt lernen, die Meinung anderer zu respektieren und nicht stets zu versuchen sie zu belehren.

  2. 16.

    Verehrte @Schwester...,
    ich hatte schon einmal erwähnt, dass ich niemandem einen Vorwurf machen darf, wenn er sich an dem Funktionsprinzip einer zoologischen Einrichtung richtig erfreuen kann und sich ergötzt am Anblick der dort lebenden tierischen Insassen.
    Ihre patriotische Verteidigung der Userin @Heike in allen Ehren aber ich habe nicht reklamiert, dass sich alle schämen müssen, die meine Meinung nicht teilen..
    Mein "kleiner Tipp nur so am Rande" für Sie: Ich bedarf weder Ihrer Belehrungen noch habe ich Interesse an Ihren Empfehlungen zu irgendwelchen Zoogeschichten.
    Versuchen Sie doch einfach mal, andere Meinungen zu respektieren und holen Sie nicht ständig die "Unwissen"-Keule o.ä. heraus..

  3. 15.

    Zu der Geschäftslage des Zoos können sich Interessierte und Kritiker gerne einlesen

    https://www.zoo-berlin.de/de/ueber-uns/investor-relations

    Zum Thema China und Pandas. China betrachtet alle Pandas als Staatseigentum, gilt auch bei Geburten. Anderenfalls würde kein Zoo der Welt Pandas haben. Pandas gibt es nunmal nur in China. China bestimmt alles.

    Glückwunsch an den Zoo.

  4. 14.

    Wurde denn das Gehege überhaupt vollständig von Steuern finanziert? Abgesehen davon geht es hier auch um politische Belange. Da man sich ja mit China nicht so ganz toll versteht, hat man mit den Pandas aber immer noch einen Grund, miteinander zu reden. Vielleicht könnte man sogar von "Pandadiplomatie" reden... ;-) Willy Brandt hätte es wohl gefallen.

  5. 13.

    Zuersteinmal, ein Zoo wäre kein Zoo, wenn dieser nicht auch wirtschaftliche Interessen verfolgen muß. Alles „muß“ seinen „geordneten Weg“ gehen Herr Schaftlich. Sämtliche Angestellte des Zoos, einschließlich Direktor beziehen ein festes ( tariflich ausgehandeltes ) Gehalt. Ansonsten gäbe es auch keine Zoos. Zudem ist Ihr Kommentar einseitig und besagt nur Ihr Unwissen über die in Gefangenschaft gehaltenen und zur Arterhaltung dort lebenden Tiere. Kleiner Tipp nur so am Rande: schauen Sie sich mal im Deutschen TV diese einzigartigen Zoogeschichten an. Übrigens von einem „Ossie“ Carsten Schwanke erfunden. Hier lernen und sehen Sie sehr deutlich, wie liebevoll sämtliche Tierpfleger und Ärzte sich um das Wohl ihrer Tiere kümmern. Zudem werden der Berliner Zoo und der Tierpark Berlin gerade grundsätzlich neu gestaltet. Ersterer wegen der Enge und der Tierpark wegen seiner Flächenmäßigen Größe.

  6. 10.

    Auch mir wäre es viel lieber, Wildtiere auch weiterhin in seiner angestammten Umgebung völlig frei leben zu lassen, ohne Fremdeinwirkung. Am Beispiel der Pandas sieht man aber ganz deutlich, wie notwendig ein rechtzeitiges Eingreifen ist. Ansonsten gäbe es vermutlich schon keine mehr.

  7. 9.

    Na klar, alle, die nicht die Meinung der verehrten Userin @Heike vetreten, "sollten sich schämen" und auch nie wieder die Vermutung äußern, dass ein Zoo auch wirtschaftliche Interessen verfolgen muss.
    Ich find´s schon etwas vermessen, so zu argumentieren aber der Hype um ein in Gefangenschaft befindliches, künstlich befruchtetes Panda-Weibchen muss wohl auch solche Blüten teiben.

  8. 8.

    Ist schon komisch, wenn man Pandas aus China holt um Nachwuchs zu zeugen und dann den Nachwuchs nicht behalten darf, stattdessen gibt eine chronisch arme Stadt über 10millionen Euro für das Gehege aus, 250000 Euro, jetzt wohl das doppelte für Futter aus und zahlt einige Millionen Euro Leihgebühr an China, um ein paar touris in den Zoo zu bewegen, was soll das, man hätte doch die kleinen vertraglich behalten können oder wieder gegen andere tauschen, wenn diese ausgewildert werden, aber Berlin hats ja.

  9. 7.

    Natürlich kann sich eine Mutter nicht alleine im ihr Kinder kümmern. (Ironie) Im Zoo sollen sie einfach möglichst intensiv an Menschen gewöhnt werden, deswegen die "Hilfe". Ist nicht unüblich in Gefangenschaft. Und ja, mir wäre auch eine Welt lieber, in der Tiere einfach in Freihheit leben ohne von uns Menschen bedroht zu sein.

  10. 6.

    Wieso werden die Kleinen nicht ihrem Schicksal überlassen ? In der freien Wildbahn hilft Ihnen auch keiner !!! Aber nein der Mensch muss sich immer einmischen , kein Wunder das der Eisbär Knuth den Löffel gereicht hat , so wird es den Pandababys auch gehen ! Alle Zoobesucher am besten selber in Käfige sperren und sie anglotzen lassen !!!

  11. 5.

    Wenn man keine Ahnung hat. Das Pandapärchen ist erstmal 15 Jahre in Berlin. Und der Nachwuchs zwei bis vier Jahre. Was meinen Sie, was der Zoo Berlin alles für Besuchereinnahmen hat? Aber klar, lieber Mimimi, die Steuergelder. Ein bisschen besser darf man sich schon infomieren, ehe man sich zu Wort meldet.

  12. 4.

    Die Babys gehen nach 4 Jahren zurück nach China, die großen Pandas bleiben. Was ist daran Steuerverschwendung?

  13. 3.

    Ich dachte immer nur das die ausgeliehen Pandas zurück nach China gehen und Berlin quasi eine Miete zahlt und das nicht wenig, aber die Babys gehen ja vertraglich auch nach China zurück, wenn das so ist wird in Berlin wieder Millionen Steuergelder verschwendet und wir dürften mal 4 Jahre die Pandas im Zoo sehen und alle freuen sich, das wir eine attraktion hatten, dann hätte man die Pandas auch in China lassen können, hier wollte OB Müller nur sein Image stärken.

  14. 2.

    Sehe ich auch so. Aber man sollte dabei auch nicht vergessen, dass der Mensch die Umwelt der Tiere zerstört und Schuld daran ist, dass Pandas so selten sind. Aber ich finde, seit Herr Knierim da ist, hat sich bei Zoo und Tierpark schon viel verbessert.

  15. 1.

    Ein sehr interessantes Interview, was einen kleinen Einblick in die Arbeit des Zoos und der Spezialisten aus China gibt. ich drücke ganz fest die Daumen das die Babys auch organisch gesund sind.
    Desweiteren möchte ich all denen, die der Meinung sind, das dies nichts mit Erhaltung der Art zu tun hat, sondern nur mit Profit...so wie gerade im Radio gehört, sagen, das Sie sich schämen sollten. Es hat ganz eindeutig etwas mit Erhaltung der Art zu tun. Auch wenn es in Gefangenschaft ist. Und in China werden Pandas ausgewildert, auch wenn nicht alle es überleben ist es wenigstens ein, tja wie soll ich sagen,Versuch. Und dafür sollten man den Chinesen Danken.

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