Maskenmann/JVA Tegel (Quelle: dpa/Collage:rbb)
Video: Abendschau | 30.09.2019 | Dagmar Bednarek | Bild: dpa/Collage:rbb

Missglückter Ausbruchsversuch - "Maskenmann" löst Gitter in JVA Tegel mit Chemikalien auf

Spektakulärer Ausbruchsversuch in der JVA Tegel: In der Nacht zum Montag zersetzte ein Gefangener mittels chemischer Reaktion die Gitter an seinem Fenster und seilte sich an der Gefängsnisfassade ab. Es handelt sich um den "Maskenmann".

In der JVA Tegel hat das Wachpersonal in der Nacht zum Montag einen spektakulären Ausbruchsversuch vereitelt. Nach Angaben der Berliner Justizverwaltung hatte ein Gefangener die Gitterstäbe an seinem Zellenfenster im dritten Stock mit Chemikalien und Strom zum Schmelzen gebracht. Danach seilte sich der 52-Jährige an der Fassade ab, kam aber nicht weit: Er wurde von Wärtern noch an der Hauswand erwischt und in Gewahrsam genommen.

Aus Justizkreisen erfuhr der rbb, dass es sich bei dem Gefangenen um den "Maskenmann" aus Brandenburg handelt: Der Berliner Mario K. war 2015 in einem Indizienprozess wegen versuchten Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die Richter sahen es damals als erwiesen an, dass der Mann eine Millionärsfamilie in Bad Saarow überfallen und in Storkow (beides Oder-Spree) einen Manager entführt hat.

Selbstgefertigte Säure und Stromkabel

Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei nutzte K. eine selbstgefertigte Säure und ein Stromkabel, um die Gitter zu zersetzen. "Wir sind noch dabei, mithilfe des Landeskriminalamtes zu analysieren, wie er das biochemisch hingekriegt hat. Er hat das Gitter nicht mechanisch, sondern chemisch aufgetrennt und hat sich dann dort durchgezwängt", sagte Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) im rbb. Justizsprecher Sebastian Brux sagte rbb|24, es sei vermutlich handwerkliches Geschick vonnöten gewesen, um die Gitter auf diese Art aufzulösen. Möglicherweise habe Mario K. eine Methode namens Thermitschweißen angewandt.

Offensichtlich konnte Mario K. aber auch deshalb aus dem Gebäude gelangen, weil er in der JVA Tegel nicht ausreichend kontrolliert wurde. Häftlinge wie Mario K. müssten behandelt und betreut werden, erklärte Thomas Goiny vom Berliner Bund der Strafvollzugsbediensteten im rbb. "Das ist natürlich immer ein Personalproblem, denn dafür brauchen wir Menschen."

Die Mitarbeiter aber fehlen im Berliner Strafvollzug, zuletzt waren einige JVA-Mitarbeiter nach Brandenburg abgewandert, wo sie besser bezahlt werden. Dennoch heißt es aus der Justizverwaltung, die Berliner Gefängnisse seien sicher. "Es bestand zu keinem Zeitpunkt die Gefahr, dass er ausbricht", sagte Justizsprecher Brux auf Nachfrage von rbb|24. Denn der Gefangene hätte noch mehrere Sicherheitsvorrichtungen überwinden müssen. Wie der Mann allerdings an die Chemikalien gekommen ist, wird nun ermittelt. "Das ist eine Methode, die uns Sorgen macht", so Brux.

Sendung: Inforadio, 30.09.2019

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20 Kommentare

  1. 20.

    Eine sehr traurige Geschichte , wenn man sich die Mühe macht den Artikel ganz zu lesen. https://www.tagesspiegel.de/berlin/die-komplette-exklusiv-recherche-neue-indizien-und-widersprueche-auf-der-spur-des-maskenmanns/11783922.html

  2. 19.

    aber bei der Thermitreaktion wird neben der Hitze normalerweise ja auch viel Licht frei, okay das kann abgeschirmt werden. Nur passt die beschriebene Reaktion nicht mit der Säure und dem Stromkabel zusammen.

  3. 18.

    Seit ich mein Kommentar geschrieben hab wurde der Artikel aktualisiert. Mehr Sinn macht die ganze Sache aber nicht. Wie kann denn erst ermittelt werden wo das Schweißgerät herkam (wie zu der Zeit beschrieben als ich meinen ersten Kommentar schrieb), dann heißt es eine Säure und wenig später dann Thermit. Das sind doch ganz verschiedene Dinge, die ganz unterschiedlich aussehen. Da muss die Polizei doch auf den ersten Blick erkennen was da passiert ist.

  4. 17.

    Zum "Schweißen" braucht man keinen Strom, kein Acetylen und Sauerstoff. Ganz normale chem. Prozesse reichen aus um selbst komplexe Strukturen instabil zu machen. Genau darauf ist es wohl dem "Ausbrecher" angekommen. Sorry, hab's mal gelernt - anschl. "EDV" studiert.

  5. 15.

    Nennt sich dann Trennschweissen - und "auseinanderkleben" geht auch problemlos. Kommt nur auf die Temperatur oder die eingesetzten Mittel an.
    Sie würden mich erfreuen, wenn sie auf ihrem Zeltplatz bleiben und "Zeltheringe" verwalten.

  6. 13.

    Die Thermit Reaktion ist eine chemische Reaktion, die Hitze erzeugt. Sie kann sowohl zum zusammenfügen als auch zum Trennen von Metallen genutzt werden. Thermit wird zum Beispiel beim Abriss von Stahlskelettbauten eingesetzt.

  7. 12.

    Thermit-Gemisch, aber dazu muss man in der Schule 'n bissel aufgepasst haben. Rost, gibt's bestimmt in akzeptablen Mengen irgendwo im Knast. Weiterhin Aluminium, schön ein Besteck o.ä. zerschaben. Als Zünder eine Wunderkerze oder paar Streichholzkuppen. Sollte machbar sein. Ein Ossi bestimmt, mit etwas McGyver im Blut. Wissen hat noch keinem geschadet, wenn's auch nicht immer nützt...

  8. 11.

    Das verwirrt mich auch.
    Haben Sie vielleicht eine Erklärung wie man mit Thermitschweißen den Stahl auftrennen kann?
    Normalerweiße kenne ich die Thermitreaktionen nur zum Schweißen.

    Auch wäre es interessant wie die Zündtemperatur für das Gemisch erreicht werden konnte.

  9. 10.

    Viele Kommentare sind unverständlich. Das zeugt davon, dass viele nicht die Abläufe in der JVA kennen. Dann sollte man mit seiner Meinung vernünftig umgehen.

  10. 8.

    Interessant zu wissen, die er an die Materialien gekommen ist.

  11. 7.

    Nicht gleich abstellen, aber die Stromstärke radikal begrenzen: nur noch 4-8 Ampere und für Geräte mit geringem Strombedarf zur Verfügung stellen. Und in welcher Zelle die Sicherung rausfliegt ist dann zu sehen - fertig.
    Im Knast braucht niemand Geräte, die bis zu 16 Ampere ziehen, auch niemand der länger einsitzt. Knast ist Knast und keine Erholungsanstalt.

  12. 6.

    Was für Kommentare. Kopfschüttel. Steht doch eindeutig zu lesen: Es bestand zu keinem Zeitpunkt die Gefahr, das er ausbricht. Alles weitere werden die Ermittlungen ergeben.

  13. 5.

    Man kann nichts "aufschweißen". Schweißen ist ein Fügeprozess wie kleben, man kann auch nichts "auseinanderkleben". Für das Teilen von Metallen gibt es den Schneidbrenner. Das sollten Journalisten eigentlich wissen und die Begriffe korrekt verwenden!

  14. 4.

    Was herrschen in dieser Anstalt für Regeln. Die Verantwortlichen gehören entlassen und das auf der Stelle . Was passiert noch alles in diesem Land . Diese Schlagzeile hört sich an wie ein Hollywood Klassiker aus den 60 ziger Jahren.warum sind die Fenster nicht Vidioüberwacht und zur Kontrolle auf einem Monitor sichtbar

  15. 3.

    "Wie der Mann allerdings an das Schweißgerät gekommen ist, wird nun ermittelt."

    Vermutlich in einem Geburtstagskuchen eingebacken?

  16. 2.

    Da hat der Begriff "offener Vollzug" doch eine ganz andere Bedeutung.
    Die Frage bleibt, wie kommt ein Einsitzender zu einem Schweißgerät in seine Zelle und warum bemerkt vorher keiner den Schweißvorgang, welcher doch Lärm und Funken verursacht.
    Liebe Redaktion des rbb, bitte solche Meldungen gründlich recherchieren und nicht solche populistischen Artikel verbreiten.

  17. 1.

    Man könnte nachts den Strom abstellen, dann kann man auch keine Schweißgeräte betreiben.

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