Symbolbild: Ein Blaulicht der Brandenburger Polizei (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Audio: Antenne Brandenburg | 27.09.2019 | Sabine Tzitschke | Bild: dpa/Patrick Pleul

Biegen (Oder-Spree) - Acht Leichen in alter Kfz-Werkstatt entdeckt

In Brandenburg hat ein Bestatter mehrere Leichen in einer alten Kfz-Werkstatt gelagert. Der Sprecher des Landkreises Oder-Spree bestätigte dem rbb auf Anfrage, dass die Behörden nach Hinweisen von Anwohnern eingeschritten seien und die Nutzung der Halle am 18. September untersagt hätten.

Wie die "Märkische Oderzeitung" zuerst berichtet hatte, standen in der Lagerhalle in Biegen (Oder-Spree) mehrere Särge und Kühlzellen. Darin sollen acht Tote aufbewahrt worden sein. Ortsvorsteher Björn Haenecke waren mehrere Fahrzeuge vor der alten Werkstatt aufgefallen, schreibt die "Moz". Seinen Angaben zufolge trugen sie Kennzeichen aus Eisenhüttenstadt und Königs Wusterhausen.  

Lagerhalle mitten im Ort

Die Lagerhalle in Biegen steht mitten im Ort, gegenüber einer Kirche. Eine Augenzeugin bestätigte dem rbb, dass sie vier Leichen gesehen hätte, die ohne Särge in einer Art Kühlzelle lagerten, "völlig pietätlos und unwürdig", wie sie sagte. Laut Auskunft der Behörden wurden die strengen Vorschriften für die Aufbewahrung von Leichen - etwa Temperaturvorgaben, abwaschbare Fußböden und Waschbecken - an keiner Stelle eingehalten.  

Der Bestatter soll als Subunternehmer gearbeitet haben, sagte eine Sprecherin der
Staatsanwaltschaft. Inzwischen seien alle Kühlboxen aus der Halle abtransportiert worden. Laut Staatsanwaltschaft gebe es keinen Anfangsverdacht auf eine Straftat. Der Landkreis Oder-Spree kündigte an, gegen den Betreiber der Lagerhalle im Amt Odervorland ein Ordnungswidrigkeitsverfahren einzuleiten.  

Strenge Regeln für Umgang mit Leichen

Nach dem Gesetz über das Leichen-, Bestattungs- und Friedhofswesen in Brandenburg ist jede Leiche innerhalb von 24 Stunden nach Eintritt des Todes, bei späterem Auffinden unverzüglich, in eine Leichenhalle zu überführen. Die Überführung darf erst nach der ärztlichen Leichenschau stattfinden.  

Die Erdbestattung oder Einäscherung ist innerhalb von zehn Tagen nach Feststellung des Todes durchzuführen. Die untere Gesundheitsbehörde kann im Einzelfall die Frist verlängern, sofern gesundheitliche oder hygienische Bedenken nicht entgegenstehen, oder die Frist aus Gründen der Hygiene verkürzen.  

Kein Einzelfall

In der Region Berlin-Brandenburg hatte es in den vergangenen Jahren schon andere Fälle von unangemessenem Umgang mit Toten gegeben. Im Jahr 2015 etwa wurden mehrere Särge mit Leichen im Kühlraum eines ehemaligen Supermarktes in Wandlitz nördlich von Berlin gefunden. Ein Bestatter hatte sie dort untergebracht.

Im Oktober 2012 war in Hoppegarten bei Berlin ein Transporter mit zwölf Särgen samt Leichen gestohlen worden. Er stand auf dem Areal eines Bestattungsunternehmens. Die Suche nach den Toten dauerte über eine Woche. Schließlich entdeckten die Ermittler die Särge in einem Wald in Polen. Später wurden die drei Autodiebe in Posen (Poznan/Polen) zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Biegen (Oder-Spree)

Sendung: Radioeins, 27.09.2019, 8 Uhr

Kommentar

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7 Kommentare

  1. 6.

    Da war vielleicht ein Sammeltransport in ein polnisches Krematorium geplant. Es ist schon makaber, wie mit verstorbenen Menschen umgegangen wird. Die Gier nach € macht auch im Bestattungswesen nicht halt. Für einen einfachen Verbrennungssarg zahlt man glatte 300 €.

  2. 3.

    Vielleicht hätte die Bezeichnung Leichname statt Leichen etwas weniger reißerisch geklungen? Es geht ja hier nicht um ein Tötungsdelikt sondern um einen unangemessenen Umgang mit sterblichen Überresten von Menschen.

  3. 2.

    Dürfte an der fehlenden Genehmigung für diese Nutzungsart liegen. Dafür gibt's nun mal Vorschriften. Im Übrigen hätte es mir auch nicht gepaßt, wenn man meine Mutter in irgendeinem abgewrackten Schuppen zwischengelagert hätte.

  4. 1.

    In Ihrem Artikel fehlt mir eine Anzwort auf die Frage: Warum?

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