Eine Radfahrerin fährt durch den Wald (Quelle: rbb|24/Mitya)
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Video: rbb|24 | 07.09.2019 | Bild: rbb|24/Mitya

Unser Wald | Zahlen und Fakten - Zehn Dinge, die Sie über den Wald wissen sollten

Raten Sie mal, wie viele Wildschweine pro Jagdsaison geschossen werden. Wetten, Sie liegen daneben? Macht nix. Wer über den Wald in Berlin und Brandenburg spricht, gerät nicht selten ins Staunen. Wir verraten Ihnen, warum.

1. Berlin ist bundesweite Waldhauptstadt

Von allen drei Stadtstaaten Deutschlands hat Berlin am meisten Wald: 15.774 Hektar (2018), 18 Prozent der gesamten Landesfläche. Zum Vergleich: Nur sechs Prozent von Hamburg sind Wald, von Bremen sogar nur gut ein Prozent.

Den meisten Wald gibt es in Treptow-Köpenick, gefolgt von Charlottenburg-Wilmersdorf und Steglitz-Zehlendorf. Quasi waldlos sind Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln.

Zusammen haben Berlin und Brandenburg einen Waldanteil von 37,2 Prozent. Damit liegen sie gemeinsam auf Platz 6 der waldreichsten Bundesländer.

2. In Brandenburger Wäldern wachsen über 808 Millionen Bäume …

… die meisten davon (43 Prozent) im Süden. Natürlich toppt Brandenburg die Metropole Berlin beim Thema Forst: Insgesamt stehen in Brandenburg beachtliche 1,1 Millionen Hektar Wald. Das sind über ein Drittel der Landesfläche (37 Prozent).

Umgerechnet würden im Schnitt auf jeden Brandenburger 4.500 Quadratmeter Wald kommen. In der kleinen Gemeinde Siehdichum im Landkreis Oder-Spree wären es sogar 38.000 Quadratmeter pro Einwohner: 1.531 Menschen leben in dem beschaulichen Örtchen, das mit 5.881 Hektar prozentual über den meisten Wald Brandenburgs verfügt.

Das größte zusammenhängende Waldgebiet in Brandenburg ist die Schorfheide. In Berlin: der Grunewald. Dort stehen vor allem Kiefern (56 Prozent), Eichen (26 Prozent) und Birken (8 Prozent).

3. Im Jagdjahr 2017/18 wurden in Brandenburg rund 90.000 Wildschweine erlegt

Genau 89.819 Wildschweine (Schwarzwild) töteten Jäger in der Saison 2017/18. Das sei "eine neue Rekordstrecke", die von einer "anhaltend großen Schwarzwilddichte im Land" zeuge, so das Landwirtschaftsministerium. Mit über 10.000 erlegten Wildschweinen lieferte die Uckermark den höchsten Streckenanteil.

Insgesamt erlegten Jäger in Brandenburg gut 264.000 Wildtiere, davon 66.440 Rehe, 35.785 Waschbären, 23.726 Rotfüchse, 523 Mufflons, 188 Minks, eine Nerztierart aus der Familie der Marder, 2.564 Feldhasen und 61 Kaninchen.

In Berlin fällt die Bilanz viel niedriger aus: 3.991 Wildtiere fielen in der Jagdsaison 2018/19 bislang dem Gewehr zum Opfer, darunter 2.871 Wildschweine, 695 Kaninchen, 309 Rehe, 55 Füchse und zwei Waschbären. 225 Wildtiere in Berlin starben durch Verkehrsunfälle.

Ein Mann mit einem Fernrohr beobachtet die Wildschweine (Quelle: imago images/Malte Mueller/rbb|24)
| Bild: imago images/Malte Mueller/rbb|24

4. Brandenburg hat 99.141 Privatwaldbesitzer

Etwa 61 Prozent der gesamten brandenburgischen Waldfläche gehört rund 100.000 Privateigentümern (laut landesweiter Waldinventur). Das Land besitzt rund 26 Prozent Wald, der Bund etwa sechs Prozent. Sieben Prozent sind Körperschaftswald, das heißt sie gehören Gemeinden, kommunalen Stiftungen oder Städten.

Zusammen mit Berlin sind rund 59 Prozent des Waldes in Privatbesitz. Mehr Privatwald gibt es bundesweit nur in Nordrhein-Westfalen (68 Prozent).

Die meisten Eigentümer besitzen kleinere Waldflächen. Die häufigste Baumart im Privatwald ist die Kiefer.

5. In Brandenburg stehen deutschlandweit die meisten Kiefern

Diese Baumarten kommen in Brandenburg am meisten vor:

1. Platz: Auf 70 Prozent der Waldfläche, 735.000 Hektar, wachsen Kiefern.

2. Platz: Auf 6,7 Prozent, rund 70.000 Hektar, stehen Eichen.

3. Platz: Nur 3,3 Prozent der Waldfläche, 34.600 Hektar, sind Buchenbestand.

Dabei dominieren diese Baumarten in jeweils ganz unterschiedlichen Regionen: Im Süden Brandenburgs regiert die Kiefer mit 77,7 Prozent Waldfläche. Im Norden stehen mehr als drei Viertel der Buchen. Und in Brandenburgs Mitte wachsen die meisten Eichen. Hinzu kommen rund 20 Prozent anderer Laub- und Nadelwald.

Auch in Berlin wachsen am meisten Kiefern (60 Prozent), gefolgt von Eichen (21 Prozent) und Buchen.  

1. Platz: Auf 70 Prozent der Waldfläche, 735.000 Hektar, wachsen Kiefern. 2. Platz: Auf 6,7 Prozent, rund 70.000 Hektar, stehen Eichen. 3. Platz: Nur 3,3 Prozent der Waldfläche, 34.600 Hektar, sind Buchenbestand. (Quelle: imago images/rbb|24)
Bild: imago images/rbb|24

6. Drei Prozent der Erwerbstätigen Brandenburgs arbeiten in der Forst- und Holzbranche

Rund 33.000 Menschen, drei Prozent aller Erwerbstätigen in Brandenburg, sind in der Forst- und Holzbranche tätig, die meisten davon in Verlagen und Druckereien. Den höchsten Umsatz macht mit rund 970 Millionen Euro das Papiergewerbe, gefolgt vom Holz bearbeitenden Gewerbe mit 610 Millionen Euro. Größte Unternehmensgruppe der Branche sind die fast 6.800 Forstbetriebe. 

7. Über 52 Millionen Euro hat Brandenburg 2018 mit seinem Landeswald verdient

52.188.495 Euro Einnahmen im Jahr 2018 stammen aus dem vom Landesbetrieb Forst Brandenburg (LFB) betreuten Landeswald. Sie kommen aus 1.185.040 Ernefestmetern Holz (entspricht den Kubikmetern an fester Holzmasse ohne Zwischenräume).

Der Landeswald wird seit 2015 ohne Zuschüsse bewirtschaftet.

8. Brandenburger Wälder brennen bundesweit am häufigsten

24.08.2018, Brandenburg, Felgentreu: Die Waldbrände zwischen Treuenbrietzen und Jüterbog erhellen den Nachthimmel. (Quelle: Christoph Soeder/dpa)
Bild: dpa/Christoph Soeder

Trauriger Rekord: 512 Mal hat es im vergangenen Jahr in Brandenburg gebrannt. Das sind deutschlandweit mit Abstand die meisten Waldbrände. Darunter waren elf Großbrände.

Alleine das Feuer bei Treuenbrietzen südlich von Potsdam zerstörte im August 2018 rund 400 Hektar Wald - im gesamten Jahr verbrannten 1.674 Hektar. Damit war 2018 laut Brandenburger Waldbrandbericht ein "Ausnahmejahr".

Eine so große Fläche sei zuletzt 1983 betroffen gewesen. 2019 hat es bislang bereits über 200 Mal gebrannt.

9. Der Berliner Wald ist krank, dem Brandenburger Wald geht es gut

Kiefer Bild: rbb/Stefanie Stoye
Bild: rbb/Stefanie Stoye

Hitze, Trockenheit, Schädlinge: Nur gut ein Viertel, 27 Prozent des Berliner Waldes, ist ganz gesund. Dreiviertel der Bäume haben, laut Waldzustandsbericht 2018, leichte oder schwere Schäden.

Von den Kiefern, mit 60 Prozent die häufigste Baumart, wurden sogar nur noch 23 Prozent als schadfrei eingestuft. Ein Grund war die monatelange Hitze.

Brandenburgs Wälder hingegen sind nach dem Hitze- und Waldbrand-Sommer weitgehend in einem guten Zustand. Lediglich elf Prozent der Waldfläche wiesen laut Waldzustandsbericht 2018 deutliche Schäden auf (2017: neun Prozent). Sorgenkind ist hier die Eiche, die Trockenheit nur schlecht verkraftet: Nur 16 Prozent gelten laut Bericht noch als frei von Schäden (2017: 28 Prozent). Der Kiefer geht es unverändert gut, rund 48 Prozent haben keine Schäden.  

Die schlechte Nachricht: Das gesamte Ausmaß der Schäden des trockenen Sommers 2018 wird wohl erst in laufenden Jahr sichtbar werden.

10. Pro Minute wachsen in Brandenburg 20 Kubikmeter Holz nach

Das sind 1.200 Kubikmeter in der Stunde und 28.800 am Tag und 10.512.000 im Jahr. Davon werden nur etwa die Hälfte wirtschaftlich genutzt, man setzt auf nachhaltige Waldbewirtschaftung. Insgesamt stehen 283.000.000 Kubikmeter Holz in Brandenburgs Wäldern.

Sendung: rbb Fernsehen, 09.09.2019, 21 Uhr

Kommentar

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7 Kommentare

  1. 7.

    Mich wundert der angeblich gute Zustand der Wälder Brandenburgs. Wie soll ich das mit allen bisherigen Problemmeldungen (Schädlingsbefall wegen Monokulturen und Hitzestress) einordnen?

  2. 6.

    Warum müssen Feldhasen getötet werden? Ich dachte, die stehen unter Schutz bzw. auf der Liste der gefährdeten Arten. Da in Brandenburg kaum noch Lebensraum vorhanden ist, sondern viel belastete Monokultur. Da kann man sich doch nicht wirklich wohlfühlen.

  3. 5.

    Ihre unsachliche Polemik ist verzichtbar. Grimms Hausmärchen mit Rotkäppchen erschien 1812. 1810/11 töteten Wölfe im Raum Viersen-Roermond 12 Kinder. 1814/15 töteten Wölfe im Landkreis Wongrowitz (Provinz Posen) 28 Kinder. Im Jahre 1820 töteten sie dort noch 16 Kinder und 3 Erwachsene. In Frankreich haben Wissenschaftler historische Aufzeichnungen von über 10.000 Wolfsangriffen auf Menschen zusammengetragten und katalogisiert. Das Märchen verarbeitete also nur reale Erfahrungen.

    Aber wenigstens haben Sie verstanden, daß der Wolf das Schwarzwildproblem nicht lösen kann - bei den riesigen Angstrotten schon gar nicht.

    Auch von der deutschen Forstwirtschaft haben Sie offensichtlich wenig Kenntnis. Von 2008 bis 2018 nahm der Holzvorrat im Wald um 7% zu. Von 2002 bis 2012 betrug der Holzabgang 1.091 Mio. m³ und der Holzzuwachs 1.252 Mio. m³. (Quelle: BMEL)Wie sie da der deutschen Forstwirtschaft eine nachhaltige Bewirtschaftung absprechen können, bleibt Ihr Geheimnis.

  4. 3.

    Bei den hohen Abschusszahlen von Schalenwild wäre ja angebracht darüber nachzudenken, den Wolf ungefährdet zuzlassen, statt ihn zu erschießen. Könnte ja sein, dass zu dessen Hauptnahrung u.a. Rotwild zählt, Schwarzwild zwar auch aber wegen der Wehrhaftigkeit deutlich weniger. Achso, ich hab' die Kinder vergessen, die er ständig frisst, angefangen mit Rotkäppchen.

    Die Behauptung, die deutschen bzw. brandenburgischen Wälder würden nachhaltig bewirtschaftet mit dem Verweis auf das theoretische Nutzholz, ist falsch. Der Holzimport Deutschlands ist beständig gestiegen, trotz der hohen Holzvorräte (,wenn man Wälder so reduzieren möchte). Deutschland profitiert zum Einen vom Raubbau z.B. in Polen und der Ukraine (Bialowiieza) und zum Anderen sind die verbreitesten Baumarten Nadelhölzer, die für den Verkauf schnell wachsen sollen. 'Nachhaltigkeit' ist hier also eine unangemessene Beschönigung.

  5. 1.

    Zumindest in Neukölln fallen mir mehrere hundert Hektar am Stück ein, die für den Klimaschutz aufgeforstet werden könnten. Das Gelände würde sich dann tagsüber nicht mehr so stark aufheizen, im Gegenteil. Durch die Verdunstungskälte würde der Wald sich sogar temperaturdämpfend auf die Umgebung auswirken. Kite-Surfen ist aber wichtiger.

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