Ein Schaefer treibt am 15.09.2019 rund 250 Schafe vom Haus der Kulturen der Welt bis zum Schloss Bellevue um auf die prekäre Situation von Wanderschäfern aufmerksam zu machen. (Bild: imago-images/Reiner Zensen)
Video: Brandenburg aktuell | 15.05.2019 | Tim Jaeger | Bild: imago-images/Reiner Zensen

Wanderschäfer fordern mehr Unterstützung - Demonstration mit 200 Tieren in Berlin

Die Schafschur bringt inzwischen nichts mehr ein, viele Schäfer in Deutschland können von ihrer Arbeit kaum noch leben. Nun haben sie in der Hauptstadt mehr staatliche Unterstützung gefordert - unterstützt von rund 200 Tieren.

Mit einem Schafspaziergang durch Berlin haben Wanderschäfer am Sonntag für bessere Arbeitsbedingungen demonstriert. Mit rund 200 Tieren zogen die Schäfer vom Haus der Kulturen der Welt durch den Tiergarten bis zum Hansaplatz.

Schäfer könnten von ihrer Arbeit kaum noch leben, sagte der Vorsitzende des Schafzuchtverbands Berlin-Brandenburg, Knut Kucznik. Grund sei der sinkende Wollpreis und fehlende staatliche Unterstützung. Neben einem besseren Preis für ihre Produkte würde den Schäfern auch eine staatliche Kopf-Prämie für Schafe helfen, sagte Kucznik.

Die Schur kostet mehr als die Wolle einbringt

Dem Verband zufolge kostet eine Schur pro Tier drei bis vier Euro und erbringt etwa vier bis fünf Kilo Wolle. Auf dem Markt bringe ein Kilo Wolle aber nur 20 Cent, so dass kein Gewinn mehr möglich sei. Zudem gelte Wolle, wenn sie weggeworfen werde, als Sondermüll – das bedeute weitere Kosten bei der Entsorgung.

Schafe in Deutschland werden eher zur Landschaftspflege genutzt. Die Schäfer verweisen auf die große Bedeutung der Schäferei für den Arten- und Landschaftsschutz. So würden durch Schafe etwa kleinere Tiere oder Pflanzensamen auf andere Wiesen verteilt und so die Artenvielfalt erhalten. Auch für den Hochwasserschutz sind Schafe nützlich, etwa indem sie auf Deichen den Boden festtreten. Die Wolle der Tiere kann nicht nur für die Textilproduktion, sondern auch als Dämmstoff, Pflanzensubstrat oder Filter verwendet werden.

Fünf Schafe sollen vorerst auf dem Hansaplatz bleiben

Kucznik betreut eine Schafherde in Altlandsberg (Märkisch-Oderland). Für fünf dieser Tiere soll der Ausflug in die Großstadt länger dauern: Sie sollen für einen Monat auf dem Berliner Hansaplatz bleiben und von Schafpaten versorgt werden.

Der Schafzuchtverband Berlin-Brandenburg wurde laut eigenen Angaben 1990 gegründet und betreut etwa 300 Mitglieder.

Sendung: Abendschau, 15.09.2019, 19:30 Uhr

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4 Kommentare

  1. 4.

    Wo wären wir eigentlich ohne Bienen? Und wo ohne Schafe? Jeder hat seinen Anteil, der sinnvoll ist. Was nicht sinnvoll ist sind flächendecken Pestizide, Tierzucht nur fürs Supermarktregal, und zerstörte Landschaften, Kiefernwälder. Komisch, dass alle das wissen, außer die Bundesregierung und die Lobbiisten ;-)

  2. 3.

    Na das ist doch mal ein tierisch gerechtigtes Anliegen.
    Wie vielfältig doch Demos sein können.
    Mal nicht nur Radfahrer oder Auslangsprobleme, die auf Berliner Straßen ausgetragen werden.
    Das Problem der Schäfer zeigt, wie weit wir uns vom normalen natürlichen Umfeld entfernt haben und dass es auch klimabedingt geboten ist, die Produkte nicht vornehmlich aus dem Ausland zu importieren.
    Ein weites Feld, was zu überdenken und zu ändern ist.

  3. 2.

    Schäferei ist gelebter und seit Jahrhunderten erprobter Landschaftsschutz. Daher ist es auch Aufgabe der Gesellschaft, für die entstehenden Kosten aufzukommen. Wenn der Schäfer mit dem Produkt Schaf nun weniger Ertrag erzielen kann, muss die Gesellschaft das halt ausgleichen. Auf die Landschaftspflege zu verzichten, wäre die schlechtere Wahl.

  4. 1.

    Das Los der Schäfer , die in allen Zeiten als Naturschützer galten und die Feldbrachen abernteten und dünkten, sind in der Zeit der Großflächenwirtschaft verschwindend. Schade eigentlich. Weil aus Neuseeland,Argentinien und sonst woher Fleisch und Wolle aus Züchten kommen, die Tausende Tiere umfassen und die ohne Aufwand durch die Pampa laufen.
    Globalisierung eben.
    Mein Freund war Schäfer, und ich drücke allen die noch übrig geblieben sind die Daumen.

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