Die St. Hedwigs-Kathedrale am Bebelplatz in Berlin-Mitte (Quelle: dpa/Schoening)
Audio: Inforadio | 18.09.2019 | Matthias Schirmer | Bild: dpa/Schoening

Umstrittene Renovierung - Umbau der St. Hedwigs-Kathedrale vorerst gestoppt

Das Bezirksamt Mitte hat einen Baustopp für den Umbau der Berliner St. Hedwigs-Kathedrale am Bebelplatz verhängt. Wie erst jetzt bekannt wurde, untersagte es bereits am 13. September "ungenehmigte bzw. denkmalrechtlich nicht abgestimmte Abbrucharbeiten" im Inneren des katholischen Kirchenbaus. Dem Baustopp des Bezirksamtes vorausgegangen war eine Anzeige der Umbaugegner.

Jahrelanger Streit zu Umbauplänen

Das Erzbistum Berlin reagierte am Mittwoch auf rbb-Nachfrage überrascht. Der Baustopp sei ohne Rücksprache mit der katholischen Kirche erfolgt. Man habe schriftlich Widerspruch eingelegt. Die eigentlichen Umbauarbeiten hätten zudem noch gar nicht begonnen. Lediglich bauvorbereitende Maßnahmen, wie der  Rückbau der Orgel, liturgischer Einbauten und Fenster seien bislang erfolgt, so der Pressesprecher des Erzbistums Stefan Förner.

Dem Beginn der Umbauarbeiten in der Kathedrale waren jahrelange innerkirchliche Proteste vorangegangen. Insbesondere um das charakteristische Loch mit der Treppe zur Krypta direkt vor dem Altar wird gestritten. Die Kirche war im Zweiten Weltkrieg zerstört worden und ab 1952 unter Führung des Architekten Hans Schwippert wieder aufgebaut worden. Sein Entwurf steht mittlerweile unter Denkmalschutz.

Die katholische Kirche möchte die Öffnung schließen und den Altar in das Zentrum des Raums rücken. Für den Umbau besitzt sie eine gültige Baugenehmigung. Dagegen hat sich eine Initiative gegründet, Freunde der St. Hedwigs-Kathedrale, die argumentiert, dass der Zustand des Wiederaufbaus ein einzigartiges Zeugnis aus der Epoche der deutschen Teilung und des Kalten Kriegs sei. Sie hatte bereits gegen die Umbaupläne geklagt und verloren. Ein Gericht entschied im Januar, dass den Klägern die Befugnis gefehlt habe.

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8 Kommentare

  1. 8.

    Ja, es haben die Gremien zugestimmt. In Limburg haben auch alle Gremien dem Protzbau zugestimmt, dann wollte es keiner gewesen sen.
    Bei der Veranstaltung waren nicht 25 Leute da. Es waren schon ein paar mehr. Die Gläubigen sind es leid und resignieren an dem Machtgehabe der Kirche.
    Erzbischof Koch spricht von Kinderarmut, da wäre tätige Liebe angesagt. Das unnötige Geld, könnte sinnvoller ausgegeben werden. Es gibt in Berlin vielfältige Betätigungsfelder bei der Bekämpfung von Armut. ( nicht nur Kinderarmut)
    Die kirchlichen Befindlichkeiten der Gläubigen aus der ehemaligen DDR werden mit Füßen getreten.
    Wir wollen keine Protzkirche, sondern eine Kirche, die den Menschen, den Christen dient.

  2. 7.

    Dass sich die "FDHK e.V i.G.", also die Hauptinitiatoren des Umbaustopps, der der Kirche von Berlin erheblichen Schaden zufügt, hier zu Wort melden und Propaganda initiieren, war ja klar.
    Man sollte der interessierten Öffentlichkeit schon mal mitgeben, dass es sich um eine verschwindend kleine Minderheit handelt, die sich aufbläst, als seien sie die Wortführer der Katholiken im Erzbistum. Sie sind undemokratisch gesinnt und autototär, weil sie nicht ertragen können, dass eine deutliche Mehrheit der Gremien (nachweislich gem. der Abstimmungsergebnisse) und Gläubigen den Umbau wollen.
    Bei der letzten "Demo" fanden sich sagenhafte 25 Umbaugegner ein. Im Erzbistum leben mehr als 410.000 Katholiken.
    Was diese in den vergangenen Jahren an Gülle über handelnden Personen in der Öffentlichkeit ausgossen steht christlichem Anspruch diametral entgegen. Schämt euch!

  3. 6.

    auf Bayrisch: Geet ainer von enk, wo aynn Strit mit aynn Mitkristner haat, wirklich so weit, däß yr vor s haidnische Gricht geet, statt däß yr n in n aignen Kraiß schlichtn laasst?

  4. 5.

    Eine Kirche ist primär Gottesdienstort und nicht für alle Zeit unveränderliches Baudenkmal. Wo und wie gemeindeinterne Streitfälle zu lösen sind und wo nicht, kann man in der Bibel in 1. Korinther 6 nachlesen.

  5. 4.

    Bezüglich der räumlichen Feststellung stimme ich Ihnen zu, gestatte mir jedoch anzumerken, dass mit dem normalen Zentrum der Ort in der Kirche gemeint ist, auf den sich die Aufmerksamkeit der Gläubigen während des Gottesdienstes gemeinsam richtet (zentriert). - "Jedenfalls ist die lateinische Bezeichnung navis („Schiff“) seit dem Mittelalter für den zentralen Versammlungsraum der Gläubigen in der Kirche belegt." Quelle: Wikipedia

  6. 3.

    Was bitte ist Normalzentralität? In der Hedwigskathedrale gab es nie einen Altar im Zentrum, genausowenig wie im bekanntesten Rundbau, dem Pantheon in Rom.

  7. 2.

    Im 30zigsten Jahr der Deutschen Einheit ein DenkmAl, das in der DDR unter Schutz gestellt wurde und somit ein wahres Denkmal der dt. Einheit ist, mutwillig ohne liturgische Notwendigkeit zu zerstören, ist mehr als dreist ! Warum stört dieses Denkmal und was treibt die Verantwortlichen historische wertvolle Spuren in der deutschen Nachkriegsentwicklung für immer zu tilgen - ohne Baugenehmigung, mit einem windigen denkmalrechtlichen Bescheid und mit vielleicht sehr viel öffentlichem Geld.
    Wenn Denkmalzerstörung dann bitte nicht mit öffentlichen Geldern und wenn mit öffentlichen Geldern, bitte erst nach öffentlicher DiskussIon und nicht nur auf der Grundlage eines "Hirtenwort" von Erzbischof Koch. Auch dieser kann Gottes Wille im Gebet mal falsch verstanden haben ! Das Thema Zerstörung der St.Hedwigs-Kathedrale wäre eine gute Übung für den synodalen Weg. Ein ehrlicher Umgang mit diesem Thema könnte für alle befreiend wirken. Ein Versuch wäre es wert.

  8. 1.

    Die Berliner St. Hedwigs-Kathedrale entstand durch Spenden aus ganz Europa finanziert, zwischen 1747 und 1773 nach Plänen von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff und Jean Laurent Legeay. ... In dem durch den Bombenabwurf zerstörten Sakralbau wurde ein Zugang zur Unterkirche mit den neugeschaffenen acht Kapellen geschaffen. https://de.wikipedia.org/wiki/St.-Hedwigs-Kathedrale - Meiner Meinung nach, braucht dieses Gotteshaus keinen "Bombentrichter" und kein nüchterndes Raumideal sondern endlich wieder eine „Normalzentralität“, die den liturgischen Anforderungen auch im Sinne der Gläubigen und der Tradition des Gebäudes gleichermaßen gerecht wird.

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