Ein Baum ist im Sturmtief "Mortimer" am 30.09.2019 am S-Bahnhof Grunewald auf die Gleise gestürzt. Der S-Bahn-Verkehr musste für 90 Minuten unterbrochen werden. (Bild: rbb/Kristin Krüger)
Video: Abendschau | 30.09.2019 | A. Kell/M. Tiemeyer/A. Breitfeld | Bild: rbb/Kristin Krüger

Behinderungen im Bahnverkehr - Sturmtief "Mortimer" fegt über Berlin und Brandenburg

Fernverkehr gestört, S-Bahn unterbrochen, Zoo geschlossen: Sturmtief "Mortimer" hat Berlin und Brandenburg am Montag ordentlich durchgepustet. Während "Mortimer" nun in Richtung Nordosten weiterzieht, bringt Tief "Nils" der Region am Dienstag viel Regen.

Das Sturmtief "Mortimer" ist am Montag mit Geschwindigkeiten von bis zu 100 Stundenkilometern über Berlin und Brandenburg gezogen. In Neuruppin wurde eine 44-jährige Frau von einem herabstürzenden Ast verletzt. Dieser war offenbar aufgrund des Sturmes von einem großen Baum abgebrochen. Die Frau musste mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht werden, teilte die Polizei mit.

In Beelitz wurde ein Kind von einem herabfallenden Ziegel leicht verletzt. In Wittenberge in der Prignitz brach nach Polizeiangaben auf der Bundesstraße 189 ein Ast ab und fiel auf die Fahrbahn. Ein Auto und ein Lkw wurden durch den Ast beschädigt, verletzt wurde niemand.

In Wittenberg in Sachsen-Anhalt wurde ein Autofahrer von einem umstürzenden Baum getötet.

Die Region Potsdam ist laut Angaben der Feuerwehr "glimpflich" durch den ersten Herbststurm des Jahres gekommen. Auf Twitter teilte sie mit, innerhalb der Stadt habe sie 18 Mal wegen des Unwetters ausrücken müssen. In der Prignitz, der Ostprignitz und im Havelland gab es demnach insgesamt 76 Einsätzen.

Insgesamt zählten Brandenburgs Feuerwehren rund 400 Sturmeinsätze.

In Berlin rückte die Feuerwehr nach eigenen Angaben bis zum Nachmittag zu rund 100 Sturmeinsätzen aus. Dabei habe es etwa 75 Baum- und 25 Gebäudeschäden gegeben. Verletzt wurde niemand.

Streckensperrungen bei der Berliner S-Bahn

Der Bahnverkehr war vor allem am Vormittag massiv beeinträchtigt. Bei der Berliner S-Bahn gab es aufgrund des Sturms vorübergehend Streckensperrungen. Betroffen waren die Linien S1 zwischen Frohnau und Oranienburg, S5 zwischen Strausberg Nord und Strausberg und S8 zwischen Schönfließ und Birkenwerder. Die S7 fuhr am späten Vormittag zwischen Westkreuz und dem Potsdamer Hauptbahnhof nur noch im 20-Minuten-Takt. Zudem wurden die Geschwindigkeiten der S-Bahn auf 50 km/h gedrosselt, berichtete die "Berliner Morgenpost".

Ein S7-Zug musste zudem am Bahnhof Grunewald wegen eines umgestürzten Baumes auf den Gleisen evakuiert werden. Einer rbb-Reporterin zufolge dauerte es 90 Minuten, bis die Feuerwehr für die Evakuierung eintraf, da die Feuerwehrleute wegen des Unwetters im Dauereinsatz waren.

Am Nachmittag konnten sämtliche S-Bahn-Strecken wieder freigegeben werden.

Ein Baum ist im Sturmtief "Mortimer" am 30.09.2019 am S-Bahnhof Grunewald auf die Gleise gestürzt. Der S-Bahn-Verkehr musste für 90 Minuten unterbrochen werden. Der hintere Zugteil einer S-Bahn musste evakuiert werden. (Bild: rbb/Kristin Krüger)
| Bild: rbb/Kristin Krüger

Behinderungen im Zugverkehr

Der Fernverkehr musste am Montagmorgen auf mehreren wichtigen Bahnstrecken in Norddeutschland eingestellt werden. Betroffen waren in der Region die Verbindungen Berlin-Hamburg, Berlin-Hannover, Berlin-Hildesheim und Berlin-Stralsund. Inzwischen konnten die Strecken wieder weitgehend freigegeben werden. Die Auswirkungen des Sturms seien allerdings noch spürbar, sagte Bahnsprecher Burkhard Ahlert im rbb. Reisende sollten sich im Internet informieren. Am Dienstag sollte alles wieder "rund laufen", so Ahlert. Vereinzelte Behinderungen gab es im Laufe des Tages auch im Regionalverkehr in der Region.

Deutsche Bahn hebt Zugbindung auf

Über Twitter informierte die Deutsche Bahn über ihre "Kulanzregelung Mortimer". Demnach können "Fahrkarten des Fernverkehrs für Strecken, die heute, am 30.09.2019 von #Mortimer betroffen sind bis zum 07.10.2019 flexibel genutzt werden". Die Zugbindung sei für diese Fahrkarten aufgehoben. Sie könnten auch kostenlos storniert werden, so die Deutsche Bahn.

Keine Probleme verursachte "Mortimer" auf den Berliner Flughafen. Der Flugverkehr in Tegel und Schönefeld sei normal gelaufen, teilte Flughafensprecher Daniel Tolksdorf dem rbb auf Anfrage mit. Verspätungen oder Ausfälle habe es nicht gegeben.

Zoo und Tierpark blieben geschlossen

Sowohl der Zoo als auch der Tierpark Berlin blieben am Montag wegen des Unwetters geschlossen, ebenso der Tierpark Cottbus. Laut Pressemitteilungen stellten herabfallende Äste des alten Baumbestandes eine Gefahr für Besucher dar.

Ebenfalls geschlossen blieben die Brandenburger Landesgartenschau in Wittstock/Dosse sowie die Gärten und Parks der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten. Die Gartenschau wird dem Veranstalter zufolge auch am Dienstag nicht öffnen. In den Parks und Gärten seien in den kommenden Tagen aufgrund von Aufräumarbeiten noch Einschränkungen möglich, hieß es.

Fußball-Bundesligist Hertha BSC hatte sein Training am Montag wegen der Sturmwarnung nach drinnen verlegt. Es würde nicht auf dem Platz, sondern im Kraftraum stattfinden, kündigte der Klub an.

Das nächste Sturmtief ist im Anmarsch.

Am Nachmittag war "Mortimer" schließlich über die Region hinweggezogen. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes bewegte sich das Sturmtief weiter nach Finnland und den Nordwesten Russlands.

Westlich von Irland habe sich jedoch bereits ein neues Tief gebildet. "Nils" wird in der zweiten Hälfte der Nacht zum Dienstag im Nordwesten Deutschlands erwartet. Den Meteorologen der Meteogroup zufolge soll es Berlin und Brandenburg am Dienstagvormittag erreichen. Laut Prognosen soll es deutlich schwächer ausfallen als "Mortimer" und weniger Wind dafür aber "viel Regen" bringen.

Sendung: Inforadio, 30.09.2019, 16:40 Uhr

Kommentar

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34 Kommentare

  1. 34.

    Bei der BVG ist der Grünschnitt auch nicht "kaputt gespart worden" In regelmäßigen Abständen werden alle Aussenstrecken beschnitten. Und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.

  2. 33.

    Heute gibt es Tierschutz-Aktivisten, die den Einsatz von Pferdekutschen einschränken. Zum Glück für die Pferde. Die Sperlinge in Wien haben aber jetzt ein Problem. Es gibt zu wenig Sperlings-Aktivisten.

  3. 32.

    Früher gab es auch Pferdekutschen, die im Bedarfsfall viel schneller anhalten konnten.

    Zum Glück ist das Früher als auch Ihr Früher schon lange vorbei.

  4. 31.

    Bei mir draußen in Grünau fährt die Straßenbahn; da müssen auch regelmäßig Bäume beschnitten werden bzw. werden gefällt.

  5. 30.

    Früher gab es in der Aktuellen Kamera eine Bericht über die heldenhaften Aktivisten, die ihr Bestes gaben, um den Verkehr aufrecht zu erhalten.

  6. 29.

    Man sollte endlich sämtliche Bäume am Gleisnetz fällen. Jedesmal wenn ein Lüftchen kommt, gibts Probleme. Typisch Berlin. Nichtkönner....

  7. 28.

    Sie wissen gar nichts über Wartungsintervalle bei der BVG.
    Wie ich schon sagte, lassen Sie es einfach. Und genießen Sie Ihr Halbwissen.

  8. 27.

    Lagen weniger Bäume rum oder wurde weniger berichtet?

    Hier im Speziellen scheint es sich allerdings um eine privaten Baum jenseits des Zaunes zu handeln.

  9. 26.

    Ach, würden sie nur einmal ihre "Ratschläge" selbst beherzigen.

    Auch bei der BVG gab/gibt es oft genug Störungen aufgrund zurückgestellter Wartungen. Davon sind "offene" Streckenabschnitte wie der U3 häufiger betroffen.

    Ich habe mit keinem Wort erwähnt dass sie behauptet hätten "das die BVG es nicht mehr macht".

    "Gib dich nicht auf..."

  10. 25.

    Lieber Markus, bevor Sie anfangen, lesen Sie bitte einmal einen Kommentar richtig. Das dieser Grünschnitt bei der Bahn nicht mehr gemacht wird mag sein, aber ich habe mit keinem Wort geschrieben, das die BVG es nicht mehr macht.
    Also lassen Sie es einfach...LG

  11. 24.

    Und wem hat man das kaputtsparen bei der BVG (U3 usw.) und der DB zu verdanken? Denen, den sie hier ständig nach dem Mund reden, den neoliberalen "die Privatwirtschaft kann alles besser" Abzockern.

  12. 22.

    @Besserwessi
    Das nicht. Aber früher lagen erst gar nicht bei jedem Sturm so viele Äste auf den Gleisen wie heutzutage. Klappte in der Regel alles wie am Schnürchen. Auch bei Sturm.

  13. 21.

    Sie werden stärker und häufiger. Auch wenn der Zeitraum noch zu kurz ist um das wissenschaftlich zu beweisen.

  14. 20.

    Sie haben recht, früher wurde es gemacht. Bei den U- Bahnlinien die in Berlin auf freier Strecke fahren wurde vor vielen Jahren auch ein regelmäßiger sogenannter "Grünschnitt" eingeführt. Und das hat wirklich etwas gebracht.

  15. 19.

    Lieber Paul!
    Wenn Sie schon nichts konstruktives zu vermeiden haben wäre es doch schön, wenigstens etwas auf die Rechtschreibung zu achten und vielleicht sogar Satzzeichen zu verwenden.

  16. 18.

    Sie meinen also früher wären die S-Bahnen einfach über die umgestürzten Bäume drübergekachelt? Das wusste ich auch noch nicht!

  17. 16.

    Ich stelle mir gerade vor die Bahn würde so einen Vorschlag in Dtschl. machen: das Geschrei wäre riesig!
    Demos, Blockaden, Eingaben, Gerichtsverfahren, Gesetze, Vorschriften, Anordnungen und einstweilige Verfügungen!
    Hab ich noch was vergessen?
    Wahrscheinlich würde man nach 25 Jahren in Dtschl. zu der Entscheidung kommen alle Bahnstrecken unterirdisch zu verlegen. Ironie off!
    Übrigens: ich finde die Schweizer Idee sehr gut.

  18. 15.

    Sie werden sich wundern: früher wurde das gemacht. Natürlich nicht alle Bäume entfernt, doch es erfolgte eine gewisse Baumpflege an den Gleisen. Die DB wurde ja auch in der letzten Zeit kritisiert, dass sie das nicht mehr gemacht hat bzw. eingeschränkt hat.

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