Polizeibeamter fotografiert Unfallort an der Invalidenstraße (Bild: dpa/Paul Zinken)
Bild: dpa/Paul Zinken

Ermittlungen dauern an - Polizei richtet Seite für Zeugen des SUV-Unfalls ein

Auch vier Tage nach dem tödlichen Unfall in Berlin-Mitte sucht die Polizei noch immer nach den Hintergründen. Für Zeugen wurde eine Internetseite freigeschaltet. Der Fahrer des Unfallwagens soll das Krankenhaus mittlerweile wieder verlassen haben.  

Vier Tage nach dem schweren Autounfall mit vier toten Menschen in Berlin-Mitte ist die Polizei nach wie vor damit beschäftigt, den genauen Ablauf und die Schuldfrage zu klären. "Der genaue Unfallhergang ist weiterhin unklar", teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Dienstag mit.

Die Polizei schaltete ein Portal [hinweisportal.de] im Internet frei, über das Fotos, Videos und Hinweise online geschickt werden können.

Der 42 Jahre alte Fahrer des Unfallwagens soll das Krankenhaus mittlerweile verlassen haben. Das berichtet die "Berliner Morgenpost" unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft.

Polizei überprüft Krankenakte

Am Freitagabend war ein Porsche Macan auf die Gegenfahrbahn und dann von der Straße abgekommen. Der SUV rammte eine Ampel, überfuhr die vier Menschen auf dem Gehweg und durchbrach einen Bauzaun. Unter den Opfern befand sich ein dreijähriger Junge.

Nach dem Unfall gab es einen Hinweis eines Zeugen, dass der 42-jährige Fahrer am Steuer einen epileptischen Anfall erlitten haben soll - und dass er an dem Tag entsprechende Medikamente eingenommen hatte. Ob das tatsächlich so war, ist weiter unklar. Die Polizei wollte die Krankenakte des Mannes beschlagnahmen. Ob sie das schon getan hat und ob es neue Erkenntnisse gibt, ist noch unklar. In der Regel dürfen Epileptiker nicht Autofahren. Ausnahmen gibt es unter Umständen, wenn sie mindestens ein Jahr ohne Anfall waren.

Bisher ist ein Video bekannt, dass das Unfallauto zeigen soll. Zu sehen ist, wie der Wagen auf der Gegenfahrbahn fährt, vorbei an den auf der rechten Spur wartenden Autos. Anschließend fährt er geradeaus auf den Gehweg an der Kreuzung zu, wo Menschen stehen.

Behelfs-Ampel regelt den Verkehr

Auch am Dienstag legten Menschen Blumen an der Unfallstelle an der Kreuzung Invalidenstraße und Ackerstraße nieder. Inzwischen regelte eine behelfsmäßige Ampel den Verkehr. Die umgefahrenen Poller wurden weitgehend ersetzt. Am Montag leiteten Polizisten per Hand den Verkehr im Kreuzungsbereich. 

Die St. Elisabeth-Kirche, die direkt am Unfallort liegt, soll von Donnerstag bis Sonntag (10.00 bis 19.00 Uhr) wieder zum stillen Gedenken öffnen. Am Freitag ist um 19.00 Uhr eine Andacht für die Unfallopfer geplant. Die Kirche war schon am Wochenende ein Rückzugsort für trauernde Menschen.

Der Unfall entfachte eine Debatte über Sportgeländewagen in Innenstädten. Grünen-Politiker, die Deutsche Umwelthilfe und alternative Verkehrs- und Fußgänger-Verbände forderten Einschränkungen für die Geländewagen. Nach Einschätzung von Experten aus der Unfallforschung und der Polizei gab es aber keine Hinweise dafür, dass der Unfall mit einem anderen Auto anders verlaufen wäre. Viele Limousinen sind genauso schwer und schnell wie das Unfallauto. Der Autobauer Mercedes Benz hat inzwischen eine Werbekampagne für einen seiner Geländewagen gestoppt. Der Slogan der Kampagne lautete: "Sie jagen gern Abenteuer in der Großstadt?"

Sendung: Abendschau, 10.09.2019, 19:30 Uhr

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7 Kommentare

  1. 7.

    Es gibt durchaus verschiedene Phasen bei einem epileptischen Anfall. Nicht nur der, den Sie annehmen.
    Gehören Sie zum Ermittlungsteam oder sind Sie einfach nur krankhaft neugierig?
    Warum sollte der Fahrer geschützt werden? Von wem? Woher wissen Sie, dass die Polizei noch keine Ergebnisse hat? Woher wissen Sie, dass Mediziner und Staatsanwaltschaft mauern?

    Lassen Sie die Ermittlungsbehörden doch einfach Ihre Arbeit machen und hören Sie mit Ihrer Hetze wie "Totschläger" auf. Solche Leute wie Sie sind einfach nur xxxxxxxxxxxx

  2. 6.

    Ein tragischer Unfall ist passiert, nur merkwürdig ist und bleibt es ist nie die Rede von dem Fahrer des Fahrzeuges und auch die Opfer rücken in den Hintergrund. Es zielt alles auf den SUV. Normalerweise wird, wenn überhaupt, tagelang über den Verursacher (m,w,d) oder die Opfer (m,w,d) berichtet. Aber hier geht es nur um SUV und die Umweltbilanz.
    Da könnte der Eindruck entstehen der Fahrer ist etwas besonderes und muss geschützt werden.

    PS liebe Grünen der Wagen von Frau Popp hat über 1,7 Tonnen Gewicht und ist hochmotorisiert, also zieht das Argument der bösen großen Autos nicht so ganz.

  3. 5.

    Das Problem SUV wäre schnell aus der Welt, wenn die Autofahrer die tatsächlichen Kosten des Autoverkehrs selber zu tragen hätten.

  4. 4.

    Einem epileptischen Anfall bzw. einer Verkrampfung, von der die Rede in den ersten Presse-Mitteilungen war, geht eine minutenlange Starre bzw. Benommenheit voraus. Der Betroffene kann sich nicht mehr rühren, sein Wahrnehmungsvermögen setzt aus. Wie kann er dann ins Auto gestiegen, die Parklücke verlassen und auf's Gaspedal getreten sein, wenn er benommen ist, was die Voraussetzung für einen Schub wäre?! Wie kann es sein, daß ein Fahrer innerhalb von Sekunden Vorstufe und Schub erlebt? Warum wird der Fahrer geschützt? Ist der Fahrer zu prominent? Vier Tage sind vergangen und die Polizei hat noch keine Ergebnisse, weil Mediziner und Staatsanwaltschaft mauern. Was ist da los? Das ist doch merkwürdig. Und jetzt ist der Mann auch schon entlassen. Die Morgenpost titelte gar: " SUV-Fahrer entlässt Klinik". Großartig. Der mysteriöse Totschläger hat sogar die Klinik entlassen. Ein Schreibfehler. Klar. Dann kann er wohl nicht so schwer verletzt gewesen, wie es die Berichte suggerierten.

  5. 3.

    Ich fahre diese Strecke regelmäßig auf dem Weg zur Arbeit. An dieser Kreuzung befindet sich die Ampel, wenn man aus Richtung des Porsche kommt, HINTER DER KREUZUNG.
    Es wäre nicht das erste Mal, dass Autofahrer die Gegenfahrbahn benutzen, um an der roten Ampel wartenden Fahrzeugen vorbei zu fahren, um an der Kreuzung links abzubiegen. Schon öfters erlebt und oftmals auch mit überhöhter Geschwindigkeit, damit man es auch noch "schafft", bevor der Gegenverkehr grün bekommt.

    Vielleicht sollte man das bei der Betrachtung des Unfalls unter Umständen auch mit einbeziehen. Was natürlich nicht heißen muss, dass es so war.

  6. 2.

    Wenn man bis jetzt nicht bestätigen konnte, dass er einen epileptischen Anfall gehabt hatte, dann wird er keinen gehabt haben.

  7. 1.

    Kann mich auch irren, es sah so aus als ob er absichtlich die Gegenfahrbahn benutzt hat um vor den anderen an der Ampel zustehen.

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