Blumen und Kerzen haben Menschen an der Stelle abgestellt, an der am 06.09.2019 vier Menschen bei einem Verkehrsunfall gestorben waren. Ein Auto war hier an der Ecke Invalidenstraße/Ackerstraße auf einen Gehweg gefahren. (Quelle: rbb|24/Jörg Albinsky)
Video: Abendschau | 08.09.2019 | Laurence Thio | Bild: rbb|24/Jörg Albinsky

Video vom Unfall aufgetaucht - Suche nach Ursache für tödlichen Unfall in Berlin geht weiter

Die Berliner Polizei ermittelt weiter zur Ursache des schweren Unfalls in Berlin-Mitte: Warum fuhr der Porsche in die Gruppe von Passanten, warum mussten vier Menschen sterben? Die öffentliche Debatte dreht sich derweil um die Gefährlichkeit von SUVs.

Nach dem schweren Verkehrsunfall, bei dem am Freitagabend in Berlin vier Menschen getötet wurden, sucht die Polizei weiter nach der Ursache. Die TV-Sender RTL und n-tv zeigten am Samstagabend ein Video, auf dem offenbar die letzten Sekunden vor dem Aufprall des Porsche-SUV zu sehen sind. Das Fahrzeug überholt mit erhöhter Geschwindigkeit links mehrere wartende Autos und steuert auf eine Ampel zu - dem Anschein nach mit leuchtenden Bremslichtern. Dann bricht das Video ab. Gefilmt wurde es demnach von der Dashcam eines Taxis.

"Uns ist das Video bekannt", sagte ein Sprecher der Polizei am Sonntag auf Nachfrage von rbb|24. Es gehöre zu den bislang gesammelten Beweismitteln. Dass es nun in einigen Medien gezeigt wird, "können wir nicht verhindern", so der Sprecher weiter. Von der Polizei sei es nicht freigegeben worden.

Video: Abendschau | 08.09.2019 | Dagmar Bednarek 

Hatte der Porschefahrer einen medizinischen Notfall?

Am Samstag hatte die Polizei bekanntgegeben, dass auch wegen eines möglichen medizinischen Notfalls beim Unfallfahrer ermittelt wird. Erste Hinweise darauf "fließen ebenso wie sämtliche anderen Aussagen, Informationen und Beweise in das Ermittlungsverfahren mit ein", teilte die Berliner Polizei mit. Dem Porsche-Fahrer sei zudem Blut entnommen worden, er erlitt bei dem Unfall am Freitagabend Kopfverletzungen und liegt im Krankenhaus.

Auf Twitter bat die Polizei, Spekulationen über die Unfallursache zu unterlassen, "aus Rücksicht auf die Angehörigen".

Der 42-Jährige Fahrer war am Freitagabend um 19.10 Uhr mit seinem Porsche Macan an der Invalidenstraße Ecke Ackerstraße aus noch ungeklärter Ursache auf den Gehweg geraten. Vier Menschen wurden dabei getötet, darunter auch ein drei Jahre alter Junge.

Ebenfalls noch am Unfallort verstorben sind laut Polizei zwei Männer im Alter von 28 und 29 Jahren, sowie eine 64-jährige Frau. Eine 38 Jahre alte Frau und ein neunjähriger Junge erlitten einen Schock und wurden medizinisch behandelt. Es handelt sich um einen der schwersten Verkehrsunfälle in den vergangenen Jahren in Berlin.

Trauer um Opfer mischt sich mit Wut auf SUVs

Mehrere Hundert Menschen gedachten am frühen Samstagabend während einer Mahnwache mit vier Schweigeminuten der Getöteten. Den ganzen Tag über hatten Menschen Blumen und Kuscheltiere auf dem Gehweg abgelegt und Kerzen aufgestellt. Die Initiatoren der Mahnwache forderten Tempo 30 in der ganzen Stadt, eine autofreie Innenstadt und eine Ombudsperson für Verkehrsunfallopfer. Auf Transparenten verlangten Teilnehmer "Motorisierte Gewalt stoppen" und kritisierten "motorisierte Mordwerkzeuge".

Stephan von Dassel (Bündnis 90/die Grünen), Bezirksbürgermeister von Mitte, schrieb auf Twitter: "Solche panzerähnlichen Autos gehören nicht in die Stadt! Es sind Klimakiller, auch ohne Unfall bedrohlich, jeder Fahrfehler wird zur Lebensgefahr für Unschuldige."

Debatte über Gefahr von SUVs

Siegfried Brockmann, Unfallforscher der deutschen Versicherer, glaubt derweil nicht, dass von schweren Sportgeländewagen eine größere Gefahr ausgeht als von Kleinwagen. "Man kann nicht einfach sagen: Ein SUV ist grundsätzlich gefährlicher als ein Polo oder als ein Smart", sagte Brockmann am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Im Einzelfall könne es sogar umgekehrt sein.

"Entscheidend ist die Geschwindigkeit", erklärte der Experte vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. "Alles was jenseits von 50 Stundenkilometern ist, ist für einen menschlichen Körper mindestens lebensgefährlich, meistens aber auch tödlich, egal mit welchem Fahrzeug."

Experte: Geschwindigkeit kann tödlicher sein als Masse

Brockmann verwies auf die physikalische Berechnung der Bewegungsenergie. "Die Masse geht hier nur mit der Hälfte in die Formel ein und die Geschwindigkeit mit dem Quadrat. Und das heißt nichts anderes als: Wenn der Polo 70 fährt, ist er durchaus gefährlicher für einen Menschen als ein Macan mit 40."

Wichtig sei auch, an welcher Stelle ein Mensch auf ein Auto aufpralle. "Tödliche Verletzungen erleidet man in der Regel im Brustkorbbereich und erst recht im Kopfbereich." Die härtesten Teile der Autofront seien die Kanten links und rechts sowie oberhalb der Windschutzscheibe. "Wenn man die mit dem Kopf trifft, ist das in der Regel tödlich." Bei einem Polo oder Smart könne das leichter passieren als bei einem großen Auto mit einer langen Haube.

Ein leichteres Auto hätte gestoppt werden können

Im Berliner Fall könnte das Gewicht des Autos jedoch tatsächlich einen Unterschied gemacht haben, gestand Brockmann zu. Dort hatte ein Porsche Macan bei der Fahrt auf den Gehweg mehrere Poller und einen Ampelmast abgeknickt. Einen Polo hätte der Mast vielleicht aufgehalten, sagte Brockmann.

Sendung: Inforadio, 08.09.2019

Kommentar

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34 Kommentare

  1. 34.

    "Erst mal informieren, bevor man irgendwelchen Müll hirnlos nachplappert und verbreitet!"

    Wie wahr, wie wahr... nur plappern SIE hier den Müll der Autoindustrie ohne nachzudenken nach, statt den Lehrstoff der 9. Klasse zu verinnerlichen.

  2. 33.

    Zudem sind in solch einem gepanzerten Fahrzeug die Hemmungen viel geringer unvorsichtiger zu fahren
    ----------
    gepanzerte Fahrzeuge - auch "Sonderschutzfahrzeuge" genannt :
    https://de.wikipedia.org/wiki/Sonderschutzfahrzeug
    Auszug aus Wikipedia:
    Als Sonderschutzfahrzeuge werden PKW oder Nutzfahrzeuge bezeichnet, die durch eine integrierte Panzerung Insassen oder Ladung vor äußeren Angriffen schützen sollen.
    ----------
    Kein SUV aus dem Autohaus verfügt über so eine Panzerung ;-)

    Also bitte keine Lügen verbreiten, das alle SUV´s auf den Straßen gepanzert sind oder "Panzer ähnlich" sind.
    Erst mal informieren, bevor man irgendwelchen Müll hirnlos nachplappert und verbreitet!

  3. 32.

    "Früher" waren die Fahrzeuge leichter als heute.
    "Früher" hatten die Fahrzeuge weniger Leistung als heute.
    Wenn man sich das Leistungsgewicht von "früheren" Fahrzeugen und heutigen Fahrzeugen vergleicht, kommt so ziehmlich das gleiche heraus.
    Mit dem Unterschied, das Autos früher nicht so sicher waren. Kein ABS, kein ESP oder sonstige Sicherheitsfeatures, die Unfälle helfen zu vermeiden.
    Wenn früher Unfälle mit Personen waren, sind diese meistens schlimmer und auch öfters tödlicher ausgegangen als heute. Liegt daran, das größere Autos mehr Flächen haben, die bei einem Unfall mit Personen zu gunsten des Unfallopfers nachgeben und somit dem Menschen bessere Überlebenschancen bieten, als bei Klein- oder Kleinstwagen. Je kleiner das Fahrzeug, umso weniger Blech was nachgeben oder schützen kann. Außerdem wird in Deutschland streng geprüft, bis was eine Zulassung erhält und wir haben die strengsten Regeln und Gesetze!!!

  4. 31.

    Ein Polo mit 70 PS ist auch leichter als ein Macan.
    Übrigens gibt es den Polo auch mit 220PS - oder ein Polo R WRC Abt mit 290PS. Wie schnell ein Polo mit 290PS im Vergleich zu einem Macan mit 245PS ist, brauch ich nicht zu erleutern.
    Aber Polo ist toll - Macan ist scheiße.

    Der Porsche Macan ist überhaupt nicht in der Lage, von 0 - 100kmh in 4 Sekunden zu kommen.
    Er hat zwischen 245PS und 354 PS und wiegt ca. 1,9 Tonnen bis 1,95 Tonnen.
    0-100 zwischen 5,3 bis 6,7 Sekunden. Dabei macht er ein höllen Lärm.

    Der BMW I3 ist von 0-60 in 3,9 Sekunden bis 100kmh sind es 6,9 Sekunden. Flüsterleise... bei 1,4 Tonnen.
    Ein Smart Brabus elektro ist in 4,4 Sekunden auf 60kmh und man hört von dem ebenfalls nichts!!!
    Tesla Roadster ist von 0 - 97 kmh in 1,9 Sekunden. Topspeed 402kmh. Reichweite bis zu 1000km - wenn man "normal" fährt.

    und da ist ein SUV von Porsche ein "böses" Auto... ja ne is klar

  5. 28.

    Tötlich sein kann jede Karre. Auch ein Goggomobil. Es geht darum, dass grundsätzlich keine unangemessen großen, schweren und übermotorisierten PKWs/SUVs/Pickups/Dreckschleudern in die Innenstadt gehören, sofern nicht gerade ein Jäger/Förster/Landwirt (recht unwahrscheinlich...) damit zum Dienst fährt.

    Weil man auch mit schlecht motorisierten, unspektakulären Karren zur Arbeit/Theater/Restaurant/vor allem Kita kommt. Echt jetzt, ungelogen, man kann Kinder bis 12 auch im Polo abholen. Oder Dacia. Das geht wirklich. Und ab Pubertät ist es sowieso peinlich, eine Mutti zu haben, die beim geleasten Firmenwagen von Vatti den Rückwärtsgang nicht findet...

  6. 27.

    Nur gehört der Macan nicht zu den schweren SUV und wiegt ähnlich viel wie sein Plattform-Bruder Audi A6.

  7. 26.

    Es geht nicht darum, dass ein anderes Auto mit höherer Geschwindigkeit mehr Schaden angerichtet hätte. Fakt ist, dass ein schwerer SUV mehr Schaden anrichtet als ein Polo bei gleicher Geschwindigkeit. Zudem sind in solch einem gepanzerten Fahrzeug die Hemmungen viel geringer unvorsichtiger zu fahren.

  8. 25.

    Nur gehört der Macan in der gleichen Gewichtsklasse wie die Dienstwagen von Pop und Behrendt, Günther hatte zumindest schon von ihrem Fahrer das OK für ein schweres Auto geholt, das keine Standheizung hat.

    Das v^2 ist der entscheidende Faktor. Ob 50km/h oder 30 macht einen großen Unterschied, ob 1,4t oder 1,8 ist da eher akademischer Natur.

  9. 23.

    nein. Bei der Berechnung der kinetischen Energie wird der Faktor 1/2 mit dem Quadrat der Geschwindigkeit und mit der Masse multipliziert.
    Wer ein Interesse daran hat, schwere Fahrzeuge zu verharmlosen, trifft solche manipulativen und falschen Aussagen wie Herr Brockmann, die Sie jetzt auch noch wiederholt haben.
    Das ist das Abstoßende, besonders angesichts dieses grausamen Unfalls

  10. 22.

    Herr Brockmann verwendet die physikalische Formel manipulativ. Das ist das Abstoßende, und nicht, wenn mündige Bürger darauf hinweisen.

  11. 21.

    Die Aussage in dem Artikel:
    "Brockmann verwies auf die physikalische Berechnung der Bewegungsenergie. "Die Masse geht hier nur mit der Hälfte in die Formel ein und die Geschwindigkeit mit dem Quadrat. "
    ist mathematisch-physikalisch falsch.
    1/2 ist ein selbständiger Faktor in der Formel. Genauso könnte man sagen, das Quadrat der Geschwindigkeit geht zur Hälfte ein.
    Von einem öffentlich-rechtlichen Sender kann erwartet werden, dass er so etwas nicht sendet oder wenn es passiert ist, dann umgehend korrigiert.

  12. 20.

    Sie sollten einfach mal mit seinen Daten nachrechnen und danach
    nichts mehr sagen:
    Macan 1800 kg mit 40 km/h -> 117284 J
    Polo 1100 kg mit 70 km/h -> 207948 J

    Klar ? Oder noch Fragen ?

  13. 19.

    Um es abzuschließen. Bei der kinetischen Energie wird in der Berechnungsformel die halbe Masse des sich bewegenden Objekts mit der Geschwindigkeit zum Quadrat multipliziert. Übrigens ist die Einheit der Bewegungsenergie iJoule. Ich glaube, wir kommen jetzt aber vom eigentlichen Thema ab. Ich hab jedenfalls, dieses schreckliche Unglück zum Anlass zu nehmen, um nun zu spekulieren, zu theoretisieren oder ideologische Forderungen zu diskutieren. Denn dies ist mir mit Rücksicht auf die Angehörigen der Toten und den Verletzten zuwider. Mir geht es nur darum, dass abzuwarten ist, was die Ermittlungen ergeben.

  14. 18.

    Na, so etwas aber auch. Und Sie können Ihre Ansicht auch selbst begründen? Der Unfallforscher hat erst eine grundsätzliche Aussage getroffen und diese dann für den Berliner Fall spezifiziert. Berichte immer bis zum Ende lesen hilft. Bleibt aber dabei, dass alles Spekulation ist. Die Ursache und der Unfallhergang sind noch nicht abschließend geklärt.

  15. 17.

    "Experte", "Unfallforscher" ... schlagen Sie bitte ihr Physikbuch der 9. Klasse auf, da sehen Sie, dass Herr Brockmann die Unwahrheit sagt. Formel siehe mein Kommentar weiter unten.
    An dieser Stelle schließt sich für jede mündige Bürgerin die Frage an, warum er das tut. Und eine Betrachtung der Interessenslage beantwortet die Frage sofort.

  16. 16.

    Warum sollte mir das nicht gefallen? Sie unterstellen anderen gerne mal etwas, oder? Sorry, aber so bitte nicht. Gerne können wir bei der Zulassung von Autos etwas regeln. Aber D ist nunmal gerade im Automobilsektor bislang e8ne führende Nation, da geht kein Politiker gerne ran. Nichtmal Grüne ;-) Im Ländle ticken die Uhren ohnehin anders. Was ich nur sagen wollte, ich würde einem Unfallforscher nicht pauschal unterstellen, dass er falsch liegt. Und alles auf SUV zu beziehen ist falsch. Und Berichte muss man auch immer bis zum Ende lesen.

  17. 15.

    Brockmann sagt schlicht die Unwahrheit. Die Masse geht nicht nur zur Hälfte in die Berechnung der Energie ein. 1/2 ist in der Berechnung ein selbständiger Faktor. Genauso könnte man sagen, das Quadrat der Geschwindigkeit geht nur zur Hälfte ein:
    E (kin) = 1/2 m v*2

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