Die Weltzeituhr am Alexanderplatz am 01.03.2019 (Quelle: imago images/Dirk Sattler).
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Video: rbb|24 | 02.10.2019 | Bild: www.imago-images.de

Berlins zentraler Treffpunkt wird 50 Jahre alt - "Lass' mal an der Weltzeituhr treffen"

An der Weltzeituhr auf dem Berliner Alexanderplatz kann man nicht nur die ganze Welt treffen - dort trifft sich auch die ganze Welt. Erhaben über alle Verabredungen ragt die DDR-Baukunst ihr planetengeschmücktes Haupt in den Berliner Himmel. Von Lisa Schwesig

Suchend schweift der Blick über den Berliner Alexanderplatz. "Lass uns mal an der Weltzeituhr treffen", hat er gesagt. "Da findet man sich doch nicht, da treffen sich doch alle", lautet die Antwort. Ost-Familien mit dem West-Besuch, Nachwende-Grundschulklassen vor der wilden Reise nach West-Berlin, Frisch-Verliebte und Noch-Nicht-Verliebte: Seit Jahrzehnten ist das DDR-Bauwerk der beliebteste Treffpunkt der Stadt. Vor genau 50 Jahren wurde es eingeweiht - es dürfte einige Berlinerinnen und Berliner geben, die ihre Verabredung dort nie fanden.

Archivbild: Artikel aus der Berliner Zeitung zur Einweihung der Weltzeituhr am Alexanderplatz in Berlin. (Quelle: BZ, Nr. 273/DR. H. Hochmuth)
| Bild: BZ, 03.10.69/DR. H. Hochmuth

Ein halbes Jahrhundert nach seiner Einweihung - laut "Berliner Zeitung" vom 03. Oktober 1969 wurden am Tag zuvor dem Berliner Oberbürgermeister Herbert Fechner "die Schlüssel zu der neuen Urania-Säule mit der Weltzeituhr übergeben" - tummeln sich unter dem Wahrzeichen des Berliner Ostens noch immer täglich unzählige auf ein Treffen Wartende.

Mittlerweile müssen sie sich den Platz zwischen riesigen Einkaufscentern und ganzjährig aufgebauten Kirmesbuden mit Scharen an Touristen, Gruppen von Heiratswilligen, Demonstrierenden und Obdachlosen teilen. Wer seine Verabredung hier finden möchte, muss mindestens eine Himmelsrichtung abgesprochen haben oder ein sichtbares Erkennungszeichen tragen.

Ein Date mit der ganzen Welt

Hilfreich kann es auch sein, sich etwa bei Moskau, Madrid oder Macau zu verabreden. Der Wartende muss dann zwar 54 Minuten lang eine Runde mit der rotierenden Weltzeituhr mitlaufen und hat nur sechs Minuten Rast, während die Uhr sich synchronisiert - gerade für Blinddates können solche ortsgebundenen Absprachen trotzdem hilfreich sein. Und sollte sich der oder die Unbekannte als Enttäuschung entpuppen, wechselt man mit nur wenigen Schritten den Kontinent und taucht in der Masse unter als hätte es das Treffen nie gegeben. 146 Städte auf der ganzen Welt in 24 Zeitzonen bieten sich als Treffpunkt an.

Das Schmuckstück der DDR-Baukunst hat Industriedesigner Erich John 1969 innerhalb von sieben Monaten geschaffen. Oberbürgermeister Fechner dankte bei der Schlüsselübergabe für das "neue Wahrzeichen mitten im Herzen Berlins" - ein Symbol der modernen Technik, das er seherisch als beliebten Treffpunkt vorhersah. Auch 2019 ragt das zehn Meter hohe Gebilde aus schlichtem Beton und glänzendem Aluminium mit dem Sonnensystem auf dem Haupt aus dem Grau des Alexanderplatzes heraus. Das Bodenmosaik in Form einer Windrose ist dank der Kaugummileichen der jahrzehntelang Vorüberziehenden nur noch zu erahnen.

Seit jeher gilt: Wer nicht in die Ferne reisen kann, kann dank der Weltzeituhr zumindest einen gedanklichen Abstecher nach Übersee machen. Und wem die Welt nicht mehr reicht, der kann sich an den minütlich kreisenden Planeten der von einem Trabantmotor angetriebenen Rotunde erfreuen und sich währenddessen fragen, wo eigentlich die Verabredung bleibt.

Beitrag von Lisa Schwesig

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8 Kommentare

  1. 8.

    Vielen Dank für den Beitrag zum 50.Geburtstag der Weltzeituhr als wohl einziges wirkliches Alleinstellungsmerkmal Berlin, zeitgeschichtliches Wahrzeichen, einzigartige Designikone, generationsübergreifender beliebter Treffpunkt, bedeutendes Denkmal, Sehnsuchtsort und vor allem Symbol für Freiheit, Toleranz und Weltoffenheit...auch wenn im Beitrag von Wertschätzung eines solchen Symbols und Wahrzeichens leider nichts zu merken ist. Zudem trotz Aktualität auch von dem zu diesem Anlass ins Leben gerufenen Weltzeituhr-Pavillon, der erstmals seit 50 Jahren vor Ort endlich die spannende Geschichte und komplexe Funktion der Weltzeituhr den vielen Besuchern aus Berlin und der ganzen Welt zugänglich und erfahrbar macht, nicht die Rede ist. Schade wenn der RBB die Wahrzeichen der eigenen Stadt nicht richtig zu schätzen weiß...

  2. 7.

    Wie oft haben wir uns an der Weltzeituhr getroffen !!!

  3. 5.

    Als Ergänzung vielleicht ganz interessant:
    https://www.maz-online.de/Lokales/Havelland/Rathenow/Berliner-Weltzeituhr-ist-ein-Stueck-Rathenow

    "...Problematisch war nur, diesen auch Realität werden zu lassen — keine leichte Übung in der Planwirtschaft der DDR. Darüber hinaus war die Maßgabe, die Uhr in neun Monaten, bis zum 20. Jahrestag der DDR fertigzustellen. Zahlreiche Helfer und Unterstützer wurden mobilisiert und sogar staatlich genehmigte Feierabendbrigaden gegründet. Begonnen wurde der Bau in den Rathenower Optischen Werken, und mehrmals sah es so aus, als würde das Unternehmen scheitern. Materialmangel und Wettereinbrüche galt es zu meistern..."

  4. 4.

    "Lass' mal an der Weltzeituhr treffen" sagt und sagte kein Mensch, höchstens Möchtegern-Berliner, die sie nie sein werden.

    "Wir treffen uns an 'na Weltzeit Uhr" hat man gesagt, bis alle Berliner ausstarben.

  5. 3.

    In dem Kommentar ist leider ein Fehler drin.

    Angetrieben wird die Uhr nicht mit einen Trabantmotor. Denke, da würde man das Trabantgeräusch hören und eine Abgaswolke zu sehen sein.
    Es war ein Trabantgetriebe. Warum kann man nicht schon vorhandene technische Lösungen nutzen, statt mühsam neu zu entwickeln.

  6. 2.

    Trabantmotor? Doch eher Elektromotor mit Trabantgetriebe!

  7. 1.

    oder aber : wann trifft man sich und wo?
    an der Uhr am Bahhof Zoo!

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