Symbolbild: Haftzellen in der Stasiopfer-Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen (Quelle: dpa/Paul Zinken).
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Video: Abendschau | 07.10.2019 | Norbert Siegmund | Bild: dpa/Paul Zinken

Nach Sexismusvorwürfen in Hohenschönhausen - Prozess um Gedenkstätten-Vize geht weiter

Der Streit um den Rauswurf von Helmuth Frauendorfer, dem früheren Vize-Direktors der Stasi-Opfer-Gedenkstätte in Berlin, nach Sexismusvorwürfen ist noch nicht beendet. Das Arbeitsgericht in der Hauptstadt schlug am Montag im zweiten Anlauf eine gütliche Einigung ohne Gerichtsurteil vor. Sowohl der Kläger als auch die Stiftung wollten sich noch nicht abschließend dazu äußern.

Sollte keine Einigung zustande kommen, will der Vorsitzende Richter Arne Boyer am 6. November eine Entscheidung verkünden. Dies kann ein Urteil sein, aber auch ein Beschluss, Zeugen zu hören und das Verfahren weiter zu führen.

Frauendorfer war im vergangenen Jahr wegen Sexismusvorwürfen gekündigt worden. Der heute 60-Jährige reichte Klage gegen die Gedenkstätten-Stiftung ein. Ein erster Gütetermin scheiterte bereits im Februar. Seinem Mandanten gehe es nicht um eine Abfindung, dieser wolle in sein Arbeitsverhältnis zurück, hatte sein Anwalt Michael Steiner damals gesagt.

Sexismus-Vorwürfe von Mitarbeiterinnen

Mehrere Volontärinnen, Mitarbeiterinnen und Praktikantinnen hatten der "Führungsetage" sexistisches Verhalten über Jahre vorgeworfen und im Sommer 2018 während der #MeToo-Debatte an Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sowie an den Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Linke) geschrieben. Lederer ist auch Vorsitzender des Stiftungsrates.

Das Gremium beschloss die Kündigungen des Stellvertreters sowie des Gedenkstätten-Direktors Hubertus Knabe. Dieser soll nicht entschlossen genug gegen seinen Vize vorgegangen sein. Der Rechtsstreit um die Abberufung Knabes, der die Vorwürfe zurückwies, wurde mit einem Vergleich beendet. Der Chefposten in Hohenschönhausen wurde neu besetzt.

Der einstige Vize betonte am Montag, er habe junge Frauen nicht sexuell belästigt. Zugleich bestätigte er, dass im Juni 2016 eine Praktikantin nach dem Dienst bei ihm zu Hause gewesen sei. "Ich habe meine Rolle als Beichtvater empfunden", so der frühere Vizechef. Die Frau habe über ihre schwierige Kindheit gesprochen. "Es gab keinerlei Annäherung."

"Frauen, deren Großvater Sie sein könnten"

Eine "Grundproblematik" des Falls sei, dass die Beschwerden teilweise anonym und nach Aktenlage immer erst später erhoben worden seien, sagte der Richter. Aber auch ein "strukturelles Abhängigkeitsverhältnis" könne dazu führen, dass Frauen beim Nein-Sagen eingeschränkt seien. An den Kläger gerichtet sagte er: "Es handelt sich um Frauen, deren Großvater Sie sein könnten." Für die Stiftung argumentierte Anwältin Marion Ruhl, der Vize-Direktor habe Frauen nicht nur nachgestellt, sondern mit Demütigungen im Arbeitsalltag verbunden.

Sendung: Abendschau, 07.10.2019

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2 Kommentare

  1. 2.

    In einem Staat in dem sich Frauen Gerichtsfest (Urteil Berliner Landgericht gegen Frau Künast) als „ Dreckfotze“ bezeichnen lassen müssen bringen Sie allen Ernstes eine gerichtliche Unterlassungsverfügung ins Spiel, nach der die Frau zum schweigen verurteilt ist, wie seit Jahrhunderten in denen Männer die Gesetze machen und auslegen? So lange jeder Richter sich Referendarinnen gegenüber genau so verhält und alle Männer und einige Frauen drum herum das für völlig normal halten, wird auch dieser grapschen davon kommen, mit goldenem Handschlag aus der Staatskasse.

  2. 1.

    Es wird noch spannend, gerichtsfest wurde, soweit ersichtlich, bisher überhaupt noch nichts in der Sache Frauendorfer entschieden. Im Gegenteil, Im Frühjahr dieses Jahres erwirkte sein Anwalt beim Berliner Landgericht eine einstweilige Verfügung.
    Einer Frau, die Vorwürfe gegen Frauendorfer erhoben hat, die auch vorher landauf und landab in der Presse zu lesen waren, wurde untersagt, weiterhin zu behaupten, Frauendorfer habe ein „sexistisches und übergriffiges Verhalten“ gezeigt. Auch die Behauptung, die Frau habe sexuelle Berührungen, private Einladungen zu Frauendorfer nach Hause oder Belästigungen durch nächtliche SMS erlebt, wurde ihr untersagt.

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