Feuerwehreinsatz nach Brand in einem Sonderzug mit Fans des Fußball-Bundesligisten SC Freiburg am Berliner Bahnhof Bellevue (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Bild: dpa/Paul Zinken

Feuer am Bahnhof Bellevue - Freiburg-Fans gehen von technischem Defekt des Zuges aus

Noch suchen Sachverständige nach der Ursache für den Brand im Sonderzug mit Freiburger Fußballfans. Vieles spricht für einen technischen Defekt. Auch die Fans von der Supporters Crew Freiburg gehen davon aus, wollen aber das Gutachten abwarten. Von Daniel Marschke

Nach der 0:2-Niederlage des SC Freiburg beim 1. FC Union Berlin waren am Samstagabend rund 700 Fußballfans auf dem Weg zurück in den Schwarzwald, doch schon am Bahnhof Bellevue war die Fahrt zu Ende.

Nach einer Notbremsung kam der Sonderzug abrupt zum Stehen, wenig später schlugen Flammen aus dem zweiten Waggon. Schwer verletzt wurde zum Glück niemand - nur vier der SC-Freiburg-Fans mussten mit Atemwegsbeschwerden ins Krankenhaus. Dennoch sitzt der Schreck auch drei Tage später vielen noch in den Gliedern.

Supporters Crew bietet "emotionale Versorgung" an

Unterstützung kommt von der Supporters Crew, einem Interessenverband von SC-Fans, der die Zugfahrt nach Berlin organisiert hatte. "Zusammen mit dem Fanprojekt des SC Freiburg machen wir auch ein Angebot zur emotionalen Versorgung", sagte Helen Breit, Sprecherin der Supporters Crew, am Dienstagnachmittag rbb|24.

Die 32-Jährige saß selbst im Zug, allerdings am anderen Ende, so dass sie wie die meisten anderen mit dem Schrecken davonkam. "Vorbildlich" und "sehr besonnen" sei das Verhalten der Fans gewesen, sagt die Supporters-Sprecherin. Innerhalb nur weniger Minuten hätten 700 Menschen den Sonderzug verlassen und seien von der Bundespolizei auf den Bahnhofsvorplatz geleitet worden.

Polizei, Feuerwehr und auch die SC-Fans hätten ein großes Lob verdient. "Als es richtig brannte, war der gesamte Zug schon evakuiert", sagt Breit.

Mit Feuerwehrlöscher die Zwischendecke eingeschlagen

An Spekulationen über die mögliche Ursache des Feuers möchte sich die Supporters Crew nicht beteiligen. "Wir müssen jetzt alle abwarten, bis die Brandursache geklärt ist", gibt Breit zu bedenken. Allerdings gebe es Augenzeugenberichte, die dafür sprechen, dass das Feuer "nicht durch das Mitwirken von Fahrgästen entstanden ist".

Einer dieser Augenzeugen ist der SC-Freiburg-Fan Andreas Wagner, von Beruf Feuerwehrmann. Durch schmale Ritzen der Zwischendecke habe er einen hellroten Schein entdeckt, sagte Wagner der "Badischen Zeitung" [badische-zeitung.de, Registrierung erforderlich]. Gemeinsam mit einem Zugbegleiter habe er mit einem Feuerlöscher die Zwischendecke eingeschlagen: "Dann sind sofort die Flammen herausgeschlagen." Diese Schilderung deckt sich dem Zeitungsbericht zufolge mit den Beobachtungen einer anderen SC-Anhängerin. Cathrine Reisch habe sich ebenfalls nahe am Brandherd befunden und will die Rauchentwicklung schon eine halbe Stunde vor Abfahrt des Zuges wahrgenommen haben.

Mitgereiste Fans sollen Beobachtungen an Bundespolizei weitergeben

Ähnliche Aussagen ihrer Mitglieder hat auch die Supporters Crew gesammelt. Mehr als 50 Fans hätten sich gemeldet, sagt Supporters-Sprecherin Breit. "Nach unserer Informationslage war das ein technischer Defekt", sagt sie, auch wenn der Zugbetreiber, die Schweizer Centralbahn AG, dies zunächst ausgeschlossen hatte. "Diese Aussage hat uns überrascht", sagt Breit, doch es bringe nichts, jetzt "öffentlich zu diskutieren". Stattdessen würde die Fan-Vereinigung alle Mitgereisten "motivieren, ihre Beobachtungen an die Bundespolizei weiterzugeben".

Acht bis zehn Vereinsmitglieder seien damit beschäftigt, die Ereignisse vom Samstagabend aufzuarbeiten. Dazu stehe man in permanentem Austausch mit dem SC Freiburg, mit dem offiziellen Fanprojekt des Vereins und mit der Bundespolizei.

Auch in Haftungsfragen würde sich die Supporters Crew nun "schlau machen", denn es gehe auch um die Wiedergutmachung materieller Schäden. "Wir sind im Augenblick damit beschäftigt, möglichst viele Informationen zusammenzutragen, zum Beispiel zu Wertgegenständen, die die Fans im Zug zurücklassen mussten", sagt Breit. Für die Beauftragung eines Anwalts sei es aber noch zu früh.

Polizei begleitete 700 SC-Freiburg-Fans zum Hauptbahnhof

In jedem Fall wird Helen Breit die Ereignisse von Samstag nicht so schnell vergessen - nicht nur wegen des Schreckens, sondern auch, weil es der Supporters Crew gelungen ist, für 700 Menschen noch für dieselbe Nacht eine Rückfahrt nach Freiburg zu organisieren, mit einem regulären ICE. "Die Polizei hat uns zu Fuß vom Bahnhof Bellevue zum Hauptbahnhof begleitet", schildert Breit die nächtlichen Szenen. Um 23:52 Uhr habe sich der Zug in Bewegung gesetzt, so dass am Sonntagmittag alle wieder zuhause gewesen seien. Weitere Kosten seien nicht entstanden. "Die Centralbahn AG hat uns schriftlich bestätigt, die Rückreisekosten zu übernehmen."

Beitrag von Daniel Marschke

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7 Kommentare

  1. 6.

    Sollte er als Feuerwehrmann nicht wissen, das man offensichtliche Brände hinter Türen oder eben Zwischendecken nicht einfach öffnet? Man versorgt das Feuer somit schlagartig mit zusätzlichem Sauerstoff und natürlich schlagen die Flammen dann aus dem entstanden Loch. Gut, dass nicht Schlimmeres geschehen ist und alle heil da raus kamen.

  2. 5.

    Aus dem Artikel geht aber auch klar hervor, dass mindestens einer der Miteisenden bei der Feuerwehr tätig ist. Auch wenn sich daraus nicht zwangsläufig ein Gutachten ableiten lässt, so kann doch gesagt werden, dass er gemeinsam mit einem Zugbegleiter das Feuer entdeckt hat. Naheliegend ist daher, dass ein technischer Defekt vorlag, denn bereits vor der Abfahrt haben Mitreisende einen Rauchgeruch wahrgenommen.

    Verwundert hat mich bereits vor Tagen die sehr übereilt wirkende Aussage eines Sprechers vom Betreiber des Zuges, dass das Feuer in der Mitte des Waggons ausgebrochen sei, wo es keine Technik gebe. Demgegenüber gibt es auch dort Technik, wenn man bedenkt, dass auch dorrt der Wagen beheizt oder belüftet wird und Beleuchtet ebenso. Was ist mit den Lautsprechern? Alles Technik, die bei einem Kurzschluss in Brand geraten könnte.

    Ich bin dennoch gespannt, was die Ermittler in Erfahrung bringen.

  3. 4.

    Meinen Respekt an die Fans für deren Disziplin, die Polizei und auch vor allem die Feuerwehr für die Hilfe.
    Durch das Verhalten der Fans im Zug ist eine Katastrophe verhindert worden.
    Die Aufarbeitung für die Fans braucht Zeit und die Ermittlungen der Sachverständigen bleiben abzuwarten.

  4. 3.

    Daher lohnt es sich, den gesamten Artikel zu lesen - und nicht nur die Überschrift. Allein von einer Überschrift Schlussfolgerungen zu ziehen, die im Artikel später erläutert werden, zeugt nicht gerade von Lesekompetenz.

  5. 2.

    Wie es in dem Artikel heißt, hatten ein Fan und ein Zugbegleiter einen Feuerschein hinter einer Zwischendecke bemerkt und diese daraufhin eingeschlagen. Aus der Öffnung schlugen ihnen Flammen entgegen. Es erscheint uns daher nachvollziehbar, dass die Fans von einem technischen Defekt ausgehen. Ob es tatsächlich so war, werden die Sachverständigen ermitteln.

  6. 1.

    Wenn man von der Überschrift des Artikels ausgeht, könnte man glauben, dass die Freiburg-Fans alle Sachverständige für Brände in Zügen sind. rbb: War das gewollt? ;)

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