Frau packt Champignons in eine Papiertüte. (Quelle: imago-images/photothek.net/Ute Grabowsky)
Video: Abendschau | 28.10.2019 | Dorte Störmann | Bild: imago-images/photothek.net/Ute Grabowsky

Mehr als 70 Prozent beanstandet - Experte warnt vor verdorbenen Pilzen aus dem Handel

Im Auftrag des rbb-Verbrauchermagazins Super.Markt hat ein Pilz-Experte handelsübliche Speisepilze untersucht - und ist dabei zu erschreckenden Ergebnissen gekommen: Mehr als 70 Prozent waren "gesundheitsbedenklich". Käufer sollten deshalb vorsichtig sein.

Pilze aus dem Handel sind häufig verdorben und können schwere gesundheitliche Beschwerden verursachen. Zu diesem Ergebnis kommt Wolfgang Bivour, Sachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie. Der Pilz-Experte hatte im Auftrag des rbb-Verbrauchermagazins Super.Markt 15 Stichproben begutachtet und nur vier als unbedenklich eingestuft. "Das ist ein Stück aus dem Tollhaus, solche Pilze verkaufen zu wollen", so Bivour zu den Pilz-Proben.

Matschige Pfifferlinge

Die Supermarkt-Pfifferlinge von Real seien "eigentlich nur noch für die Mülltonne bestimmt", bestens dazu geeignet, eine unechte Pilzvergiftung, also eine Lebensmittelvergiftung, zu bekommen.

"Eine unechte Pilzvergiftung kann zu leichten Symptomen führen,  wie Übelkeit und Erbrechen", so Antje Engel vom Giftnotruf der Charité gegenüber dem rbb. Bei  kleinen Kindern, älteren Menschen oder Risikopatienten wie chronisch Kranken könne sie aber auch zu  schweren Symptomen führen, die zu einem massiven Flüssigkeitsverlust führen." Die Charité bietet für Betroffene eine Telefonhotline an. Der sogenannte Giftnotruf ist 24 Stunden erreichbar (siehe Info-Box).

Die Gefahr einer Lebensmittelvergiftung sieht Real hier anscheinend nicht. In einer Stellungnahme erklärte das Unternehmen: "Die Anlieferungen der Ware … in die Märkte erfolgt freitags und samstags, da es sich bei Pfifferlingen um einen Wochenendartikel handelt, der in der Regel bis Ladenschluss abverkauft wird." Die Probe, die der rbb untersuchen ließ, wurde an einem Mittwoch gekauft, das bedeutet, zwischen Lieferung und Kauf lagen mindestens vier Tage. 

Ist die Marktware frischer?

Auch Pfifferling-Proben von einem Potsdamer Wochenmarkt fielen beim Pilz-Experten Bivour durch. Seiner Meinung nach könnten die Pilze schon einige Wochen alt sein.  Dabei soll die Ware ursprünglich aus Polen kommen, ein vergleichsweise kurzer Transportweg.

Da Wildpilze wie Pfifferlinge in Deutschland unter Artenschutz stehen und nur zum eigenen Gebrauch gesammelt werden dürfen, kommt die Verkaufsware oft aus Polen – oder sogar aus Weißrussland. Beim Kauf sollten Kunden also unbedingt auf das Herkunftsland achten, es kann schon was über die Frische der Ware aussagen - und den Zustand der Ware beachten.

Madige Steinpilze

Bei den von Wolfgang Bivour untersuchten Champignons war vergleichsweise wenig zu beanstanden. Erst bei den Pilzen von Norma fanden sich nicht mehr genießbare Exemplare: braune Stielenden wiesen drauf hin. Frische Exemplare müssen hart und trocken sein und dürfen innen keine dunkelbraunen Stellen haben. Auf Anfrage des rbb  reagiert der Lebensmittelhändler umgehend und versichert, "dass keinerlei Ware mit der betroffenen Losnummer im Verkauf verblieben ist".

Bei den Steinpilzen ist es anders, sie sehen von außen oft noch frisch aus, können aber von innen vergammelt sein – oder wie im rbb-Test: voller Maden.

Auf die madigen Steinpilze angesprochen, reagiert die Potsdamer Wochenmarkt-Verkäuferin abwehrend. Sie verteidigt sich, meint, sie  könne auch nicht in jeden Pilz reinsehen. Außerdem hätte man sich die Ware ja selbst ausgesucht und eingepackt.

Hier gilt: Verbraucher sollten nur aufgeschnittene Steinpilze kaufen. Außerdem lässt sich am Pilzhut erkennen, ob er frisch ist: Wenn beim Drücken eine Beule bleibt, lieber nicht kaufen.

"Nur noch für die Mülltonne"

Das Test-Ergebnis des rbb ist erschreckend: 11 der 15 gekauften Pilzproben waren nach Ansicht des Experten gesundheitsbedenklich. Sie waren zum Teil vergammelt,  verschimmelt oder enthielten Maden und "eigentlich nur noch für die Mülltonne bestimmt", so Bivours Fazit. "Insgesamt sind besonders Wildpilze in den Märkten kaum zu brauchen. Bei den Champignons sieht es anders aus, die haben eben nicht diesen langen Transportweg".

Feststeht: Kunden haben ein Recht auf einwandfreie Lebensmittel. Ganz gleich, ob sie aus dem Supermarkt, Discounter oder Wochenmarkt kommen – dies bestätigt die Verbraucherzentrale Berlin gegenüber dem rbb. Also besser zwei Mal hinsehen beim Einkauf. Und im Zweifelsfall die Pilze lieber nicht nehmen.

Sendung: Super.Markt, 28.10.2019, 20.15 Uhr
 

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Dann aber versäumen Sie diesen markant geschmacklichen Unterschied zu frischen Waldpilzen. Frische Pilze schlechthin sind ein Genuss.

  2. 2.

    Waldpilze sind Saisonware und nur ganz kurz haltbar. Wenn es welche im Laden / Markt gibt, dann kann man sie auch ganz frisch aus dem Wald holen.

  3. 1.

    Da greife ich lieber zur Dose mit Champignons.

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