Fußgänger laufen über die Friedrichstraße, die am ersten Oktoberwochenende für Autos gesperrt ist. (Quelle: imago-images/A. Friedrichs)
Video: Abendschau | 05.10.2019 | Milan Panek | Studiogespräch mit Stephan von Dassel | Bild: imago-images/A. Friedrichs

"Mehr Platz zum Flanieren" - Bezirksbürgermeister verteidigt autofreie Friedrichstraße

Ein 200 Meter langer Abschnitt der Berliner Friedrichstraße ist an diesem Wochenende für Autos gesperrt. Stattdessen sollen Fußgänger dort flanieren und einkaufen. Das gefällt nicht jedem. Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel verteidigte das Experiment. 

Der Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Stephan von Dassel, hat die vorübergehende Sperrung der Friedrichstraße gegen Kritik verteidigt. "Wir wollen zeigen, dass die Friedrichstraße mehr kann als sie im Moment zeigt, wenn man mehr Platz hat zum flanieren und shoppen", sagte der Grünen-Politiker am Samstag im rbb.

Ein 200 Meter langer Abschnitt der Flaniermeile ist während des Wochenendes eine Fußgängerzone. Zwischen Französischer Straße und Mohrenstraße dürfen bis in die Nacht zum Montag keine Autos fahren.

30 Prozent Leerstand

Von Dassel betonte, er habe nicht den Eindruck gehabt, dass die Nebenstraßen total im Stau gesteckt hätten. Gleichzeitig begründete er das Projekt mit dem Ziel, den Einzelhandel in der wirtschaftlich kriselnden Straße wieder anzukurbeln: "Wir haben nichts von Leerstand."

Der Leerstand in der Friedrichstraße liege bei 30 Prozent, sagte der Grünen-Politiker Matthias Dittmer von der Initiative Stadt für Mensch. Andere Regionen, wo mehr für Fußgänger getan werden, seien attraktiver.

Interessengemeinschaft fordert Gesamtkonzept

Doch nur die Straße für Autos zu sperren bringe für die Friedrichstraße gar nichts, sagte Guido Herrmann von der Interessengemeinschaft Die Mitte. Er fordert eine Kombination mehrerer Maßnahmen, wie etwa ein touristisches Wegeleitsystem oder ein Verkehrskonzept für den ganzen Bereich Mitte – "und nicht nur 200 Meter Straße".

Der Bezirk Mitte sowie der Senat sehen in dem Experiment einen Ausgangspunkt für weitergehende Lösungen für die Friedrichstraße und einen Schritt in Richtung autofreie Stadt und sauberere Luft.

Sendung: Abendschau, 05.10.2019, 19:30 Uhr

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31 Kommentare

  1. 31.

    Wem ist das zu verdenken ? ---
    der "Geiz ist Geil" Mentalität der kaufsüchtigen Bevölkerung, die ständig das Neuste und Beste haben wollen, obwohl das Alte noch einwandfrei perfekt funktioniert. Hat man nicht das Neuste und Beste, ist man nicht hipp genug.
    Viel haben wir auch unserer Regierung zu verdanken, wegen der wir nicht wie früher 20 bis 30 Jahre lang das selbe Fahrzeug fahren sondern alle paar Jahre was neues kaufen müssen, damit man nicht von Fahrverboten betroffen ist.
    Alleine diese Entscheidung, im Namen des Umwelt und Klimaschutzes ist die größte Umweltlüge aller Zeiten. Es wird progandiert, das die Verschrottung des vermeintlich dreckigen Fahrzeuges und der Neukauf eines vermeintlich sauberen Fahrzeuges, was 1 bis 2 Liter weniger verbraucht, für das Klima besser wäre. Genau wie die Lüge, ein funktionierendes "sauberes" Fahrzeug gegen ein E-Auto einzutauschen. Alles, was hier nicht mehr fahren darf, wird verschrottet oder geht ins Ausland, wo er noch 15 - 20 Jahre fährt

  2. 30.

    " Wenn ich aber im beliebigen Elektronikmarkt nur noch Verkäufer ohne Zuständigkeit und ohne grundlegendste Fachkenntnisse antreffe,... " mache ich auch so, erhalte die Ware manchmal sogar günstiger, habe keine Anfahrt, keine Parkplatzsuche und erhalte die Leferung frei Haus . Wem ist das zu verdenken ?

  3. 29.

    . Da ist es kein Wunder, das 30% der Läden auf den Straßen schließen.

    was wohl auch an den Mietpreisen leigen dürfte

  4. 28.

    Ich bin nicht mal der Meinung, der Einzelhandel müsse billiger werden, den Kampf kann er nur verlieren. So lange ich aber beim Kauf im Internet mehr Service und Kulanz bekomme als beim Händler vor Ort, sehe ich keinen Grund, mir die Schlepperei meiner Einkäufe nach Hause anzutun. Nur Kleidung kaufe ich konsequent vor Ort, da ich das unnötige Zurücksenden ablehne und dies bei Kleidung praktisch unvermeidbar wäre. Und natürlich meine Lebensmittel, ich möchte sehen was ich kaufe (inkl. Herkunft) und entscheide meist spontan über meinen Speiseplan, je nach aktuellem Angebot.
    Wenn ich aber im beliebigen Elektronikmarkt nur noch Verkäufer ohne Zuständigkeit und ohne grundlegendste Fachkenntnisse antreffe, dann recherchiere ich eben gleich im Netz und lasse mir das Ergebnis bequem nach Hause liefern. Ob ein Händler beliefert wird oder ich zuhause, macht dann umwelttechnisch auch keinen Unterschied.

    Friedrichstr. brauch ich nicht, egal ob autofrei oder "autovoll".

  5. 27.

    zum flanieren würde ich mir schönere Gegenden aussuchen anstelle eine dreckige nervige laute Großstadt. Vorzugsweise dort, wo es schön grün ist und frische Luft ist. Mal ein Tag durch den Wald laufen... in Brandenburg gibts massig Wälder, wo man dies machen kann. Noch nicht mal so weit weg von der super duper "fakesauber" Stadt Berlin.

    Aber wie will man ohne Auto zu diesen Wäldern, außerhalb von Berlin kommen *grübel* Wie wäre es mit ÖPNV und Rad? Oder besser nur Rad. Sie wollen doch nicht mit dem Rad in den ÖPNV rein und den Autofahrer, die Ihr Auto stehen lassen, den Sitzplatz weg nehmen!!!

  6. 26.

    Ach Sie armer aber auch. Man kann sehr wohl flanieren gehen, ohne gleich Einkaufen zu müssen. Selbiges wünsche ich mir auch auf dem Kurfürstendamm.

  7. 24.

    Ich finde es schon recht merkwürdig, wenn hier die Wilmersdorfer Str. mit dem Alex verglichen wird. Nein, schön ist die Einkaufsmeile Wilmersdorfer Str. nicht, doch gehen täglich immer wieder Leute hin um dort ihre Einkäufe zu tätigen. Und das ist Sinn und Zweck dieser Straße. Es ist immer was los. Die Geschäfte profitieren davon.

  8. 23.

    das schlimme ist ja, das diese Aktion mit der Friedrichstraße weniger dem Umweltschutz dienen sollte sondern anscheinend primär "den Einzelhandel in der wirtschaftlich kriselnden Straße wieder anzukurbeln"

    Haben nun, wo in der Straße keine Autos fahren, die Menschen gleich mehr Geld, um sich die Waren zu kaufen? Heute bekommt man im Internet alles deutlich günstiger. Man muss sich nicht in die Läden bewegen, man bekommt alles bequem nach Hause und es ist günstiger. Was will man mehr?
    Damit mehr Leute den "Einzelhandel" vor Ort ankurbeln, müssten dort die Preise drastisch gesenkt werden. Dies steht aber im Konflikt mit dem Mindestlohn und dem eigenen Profit vom Laden. Da ist es kein Wunder, das 30% der Läden auf den Straßen schließen.
    Da ich auch zwischen 80 und 90 Stunden in der Woche arbeite, habe ich auch keine Zeit vor Ort durch irgendwelche Läden zu rennen und bestelle alles stressfrei (ohne mit dem Auto wo hinzufahren) online.

  9. 22.

    Die von Ihnen genannten Fahrzeuge gehören in eine Stadt, weil ohne diese das Zusammenleben nicht funktioniert.---

    klar funktioniert das Leben ohne diese Fahrzeuge!
    Es hat fast 699.800 Jahren ohne diese Fahrzeuge funktioniert. Warum soll es heute nicht mehr funktionieren?
    Wie konnten die Leute in den Ritterburgen und Festungen nur ohne diese Fahrzeuge leben?

    Wie können die Amische in den Staaten ohne diese Fahrzeuge leben?
    Verstehe nicht, warum DIE das können - aber IHR könnt das nicht?

  10. 21.

    (1)
    Zumindest sollte man sich darüber klar werden, dass die Erde nur gerettet werden kann, wenn das unsinnige Verbrennen von Fossilien wie Öl oder Kohle schnellstens beendet wird. ---

    die Menschheit wird die Erde nicht retten - die Erde wird sich selber von der Menschheit retten.
    Wenn man bedenkt, wie alt dieser Planet ist, wieviele Lebewesen schon vor uns hier auf diesem Planeten waren und das deutlich länger, als es der Mensch sein wird und heute nicht mehr existieren - und das alles ganz ohne das Verbrennen von Öl, Kohle oder sonstiges Gedöhns...
    mache ich mir persönlich darüber keinen Kopf mehr!
    Selbst wenn Deutschland das sauberste Land des Planeten wäre, würde sich NICHTS ändern! Rafft es endlich! Es muss weltweit was passieren und das zeitgleich und selbst dann ist es ungewiss, ob sich überhaupt was verändert.
    Wollt Ihr wirklich ehrlich was verändern und diesen Planeten zu retten?

  11. 20.

    Nun ja, heulen werden womöglich auch Menschen, die nicht so gut zu Fuß sind oder sogar überhaupt nicht laufen können. In einer überalternden Gesellschaft werden das übrigens immer mehr. Aber die werfen wir dann eben gleich mit aus der Stadt? Schön in Alten- und Behindertenghettos, irgendwo am Stadtrand oder noch besser am Rande Brandenburgs? Wo einmal in der Woche der (natürlich Elektro-) Bus vorbeikommt?

    Ach, das Leben kann so einfach sein, wenn man nur das Gehirn nicht zu sehr strapaziert und immer an möglichst simple Lösungen glaubt!

  12. 19.

    Die von Ihnen genannten Fahrzeuge gehören in eine Stadt, weil ohne diese das Zusammenleben nicht funktioniert. Nicht zwingend ist es aber, dass jede/r mit seinem fossilienbefeuerten Pkw bis dahin fährt, wo es ihm gefällt. Zumindest sollte man sich darüber klar werden, dass die Erde nur gerettet werden kann, wenn das unsinnige Verbrennen von Fossilien wie Öl oder Kohle schnellstens beendet wird.

  13. 18.

    Wenn das schöne Straßen sind, dann weiß ich nicht mehr was hässlich ist.
    Der Alex zum Beispiel ist extrem hässlich,und wenn da nur noch Fußgänger hin sollen, werden da vielleicht Menschen sein aber kaum Käufer.

  14. 17.

    Wie bitte! Die Wilmersdorfer ist schlimm genau wie der Alex. Keine Orte wo man sich aufhalten sollte.
    Da ist überhaupt nichts schön.

  15. 16.

    ---Autos gehören nicht in eine Stadt. Punkt!---

    und Lieferwagen, Transporter, LKWs, Linienbusse, Rettungswagen, Löschzüge und Müllwagen auch nicht. Basta!!

    zurück zu Pferde Kutschen!!!

  16. 15.

    Ein guter erster Schritt. Jetzt bitte noch eine richtig teure City-Maut für fossile Pkw wie z.B. in London, bei einem gleichzeitigem ÖPNV dessen Fahrgastpreis bei einem € liegt und alles wird schön.

  17. 13.

    Als Autofahrer akzeptiere ich natürlich politische Entscheidungen - und damit diese Fußgängerzone.
    Allerdings ist die Friedrichstraße teilweise wirtschaftlich schon “tot”, was man an sinkenden Mieten und Leerstand erkennen kann (ich glaube, der rbb berichtete sogar mal darüber). Von dem her gibt es sicherlich bessere Optionen als Fußgängerzonen - es sei denn, man möchte sich leere Geschäfte anschauen.

  18. 12.

    Die Wilmersdorfer Straße ist zweifellos die schönste, lebendigste, lebens- und liebenswerteste Straße Berlins. Direkt gefolgt von der Rathausstraße und dem Alexanderplatz. Wie gern flaniere ich hier vor mich hin! Morgens, mittags und erst recht abends. So schön müssen endlich alle Berliner Straßen werden!

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