Ein Schnellzug von Berlin nach Moskau (Quelle: dpa/Mikhail Voskresenskiy)
Bild: dpa/Mikhail Voskresenskiy

Radioaktivität im Reiseabteil - Zug aus Berlin in Moskau wegen möglicher Strahlung evakuiert

Bei der Ankunft in Moskau wartete auf den Zug aus Berlin bereits ein russisches SEK und Strahlenspezialisten: Wegen des Verdachts auf radioaktive Belastung wurde ein Zug in Moskau evakuiert. Warnungen waren zuvor offenbar nicht ernst genommen worden.

Ein in Berlin gestarteter Reisezug ist in Moskau wegen des Verdachts auf Strahlenbelastung evakuiert worden. Das berichteten mehrere russische Medien übereinstimmend am Dienstagabend. In einem Waggon, der bereits beim Start der Reise in Berlin Teil des Zuges war, waren verdächtige Strahlenwerte festgestellt worden, heißt es etwa in einem Bericht der Nachrichtenagentur Interfax. Das ARD-Studio Moskau bestätigte die Geschichte, demnach habe es später aber Entwarnung gegeben.

Russische Polizei auf einem Bahnsteig in Moskau, Symbolbild (Quelle: imago images/ITAR-TASS)
Bild: imago images/ITAR-TASS

Rettungskräfte und Spezialisten standen bereit

Die Strahlung sei beim Grenzübertritt nach Russland gemessen worden, evakuiert wurde der Zug dann allerdings erst viele hundert Kilometer entfernt am Weißrussischen Bahnhof in Moskau, der Endstation der Zugverbindung. Für eine zügige Evakuierung des Zuges hätten Einsatzkräfte den Bahnsteig abgeriegelt, Rettungskräfte standen dem Bericht zufolge ebenso bereit wie ein mobiles Labor. Spezialisten der Russischen Regierung und einer Sonderbehörde für den Umgang mit radioaktivem Material waren an dem Einsatz beteiligt, hieß es.

Die Abendzeitung "Wetschernjaja Moskwa" [vm.ru, Seite in russischer Sprache] berichtete am späten Dienstag nach der Räumung, dass sich der Verdacht auf erhöhte Strahlenwerte nicht bestätigt habe. Auch das russische Ministerium für Notfälle habe dies gegenüber Reportern vor Ort bestätigt.

Fahrgast hatte sich Strahlenbehandlung unterzogen

In einem der Abteile und auf der Toilette seien drei und sieben Mikrosievert gemessen worden, ein Wert ähnlich der Strahlung, die beim Röntgen auftritt oder auftreten kann. Dazu passt, dass ein Mann, der auf der vorherigen Fahrt von Moskau nach Berlin in dem betroffenen Waggon saß, dem Zugpersonal mitgeteilt habe, dass er sich in Moskau einer intensiven Strahlenbehandlung unterzogen hatte. Der Fahrgast soll die Besatzung des Zuges auch auf die Gefahr der erhöhten Strahlenbelastung aufmerksam gemacht haben. Die dann in Berlin veranlasste Reinigung in dem Abteil sei dann aber wohl nicht ausreichend erfolgt. 

Der Zug war der Schnellzug "Strizh", der am Ostbahnhof in Berlin startet und bis nach Russland durchfährt.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

18 Kommentare

  1. 18.

    Danke, total interessant, wusste ich nicht, hab ich natürlich auch noch nie gesehen :-) DIE Info fehlte, denn wer läuft schon am Bahnhof mit einem Geigerzähler rum?

    Die Sache mit dem Zug- und Reinigungspersonal und so, naja.. Auch die Einheiten ware etwas skuril, man strahlt zwar nach der SD-Untersuchung/behandlung, wird aber erst frei gelassen, wenn die Familie (oder Fahrgäste) nicht gefährdet werden. Natürlich ist auch eine definierte Sprache immer sachlicher als eine Sprache, die auf hätte hätte Fahrradkette beruht :-)

    Letztlich hätte die Auskunft "wurde bei einem routinemäßigen scan an der Landesgrenze erhöhte Strahlung..." gereicht.

    So bin ich dank des Links wieder schlauer geworden, mir als verkappter Trainspotter echt ne Hilfe...

  2. 17.

    Liebe Redaktion des rbb,
    danke für Ihre Antwort. Auch wenn Sie sich auf verschiedene Quellen berufen, sollten Sie diese dann genau im Wortlaut wiedergeben und nicht diese Nachricht mit Worten wie "heißt es etwa..., dazu paßt ..., der Fahrgast soll..., sei dann aber wohl nicht..." ausschmücken.
    Dabei ist es doch so einfach, exakte Mitteilung mit dazugehöriger Quelle. Mehr nicht, keine Vermutungen.

  3. 15.

    Hallo,
    an den polnischen Grenzen bspw. zur Ukraine ist es üblich das jeder Zug auf kompletter Länge auf Radioaktivität überprüft wird. Dies geschieht über große neben den Gleisen stehenden Anlagen (, sodass der Zug dort mit fast unverminderter Geschwindigkeit dran vorbei fahren kann.
    Fotos solcher Anlage kann man bspw. hier unter Info/Bilder finden: https://www.google.de/maps/place/Medyka+(GR),+Polen/@49.8081627,22.9553596,13z/data=!4m2!3m1!1s0x473b70a612ba220f:0x6df95f9de6d17e45

    Teils existieren solche Anlagen zumindest in der Ukraine auch in Ankunfts- und Abflugbereich der internationalen Flughäfen.

  4. 14.

    Die Kritik verstehen wir nicht ganz. Wir haben uns die Geschichte vom ARD Studio in Moskau bestätigen lassen und verschiedene russische Quellen übersetzt, darunter Nachrichtenagenturen und seriöse Medien. Diese, zugegeben skurille Geschichte (deshalb berichten wir ja) können wir nun mal nicht vor Ort recherchieren. Und mehrere Quellen geben an, dass es diesen krebskranken Patienten gab. Sicherlich könnten wir die Geschichte ausführlicher erzählen, aber dann verlassen wir den Pfad der belegbaren und abgesicherten Informationen.

  5. 13.

    Hauptkritikpunkt sind die im Artikel und auch in einigen Kommentaren ziemlich sinnentstellend und falsch verwendeten Einheiten, wie schon ein anderer Kommentator in #11 schrieb. Es ist doch auch ein völliger Unterschied, ob man sagt, man fährt mit dem Auto "130 km" oder man fährt "130 km pro Stunde"! Demzufolge hat man im Abteil eher 3 µSv/h und in der Toilette 7 µSv/h gemessen ==> die Ortsdosisleistung und nicht die Dosis, das ist ein großer Unterschied!
    Offenbar wird an der Grenze von Polen nach Weißrussland systematisch die Strahlung gemessen, vielleicht mit solchen Portalmonitoren wie sie in Dtl. auch an der Einfahrt zu jedem größeren Schrottplatz stehen.
    Wen das Thema interessiert: geigerzaehlerforum.de

  6. 12.

    Genau das Gefühl hatte ich gestern auch, nur wurde mein Kommentar nicht veröffentlicht. An der ganzen Sache stimmt etwas nicht, oder wahlweise wird es falsch beschrieben oder nicht ausführlich genug.

  7. 11.

    wie ist die genaue Strahlenangabe, mS oder µS? Pro Jahr (/a), Stunde (/h) oder auf die Dauer der Zugreise? Es ist schon ein Unterschied, ob man beim Röntgen einmalig die Strahlung abbekommt oder während einer gesamten Zugreise.

  8. 10.

    Wir reden hier von 7µS die im Zug waren, das heißt der Mensch muss noch einiges mehr gehabt haben. Das bei einer Krebstherapie ist wohl eher unwahrscheinlich oder? Also ich würde da Angst haben was hier so alles rumläuft.

  9. 9.

    James Bond lässt grüßen. In letzter Zeit Stelle ich immer öfter fest, daß der rbb solche Nachrichten verbreitet, die nicht gründlich recherchiert wurden. Das ist nur noch populistischen Journalismus, aber nicht mehr seriös.

  10. 8.

    Mag sein, dass an der Grenze direkt nicht gemessen wird aber es wurde ja gemessen. Mich würde schon mal interessieren ob es üblich ist, dass ganze Züge auf Strahlung geprüft werden und wie ich mir das vorstellen kann.
    Bei LKWs und Containern hab ich an Häfen gesehen, wie diese stichprobenhaft komplett durchleuchtet werden aber bei Zügen und dann auch noch Personenzügen ist mir das neu.

  11. 7.

    Das kommt darauf an, was man unter „belastet“ versteht. Radioaktivität ist sehr gut messbar, deshalb fällt auch ein ganz geringer Anstieg über die natürliche Radioaktivität bei einer Messung sofort auf.

    Der Aufenthalt in dem Zug war natürlich ungefährlich. Aber die Aktivität hätte ja auch ein Hinweis auf Schmuggel mit radioaktiven Substanzen sein können. Deswegen war es im Prinzip richtig, SEK und Rettungskräfte zu alarmieren. Warum man damit aber bis Moskau gewartet hat, verstehe ich nicht.

  12. 6.

    Es gibt tatsächlich Behandlungsmethoden, durch die man kurzzeitig radioaktiv wird, insbesondere zur Behandlung von bestimmten Schilddrüsenerkrankungen:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Strahlentherapie#Therapie_mit_Radionukliden

    Aber auch die Szintigrafie ist nicht ohne, obwohl es keine Therapie, sondern eine Untersuchungsmethode ist. Dabei wird das kurzlebige Radionuklid Technetium-99m injiziert und anschließend ein Schirmbild aufgenommen, in dem z.B. rheumatische Entzündungen oder Schilddrüsenerkrankungen sichtbar werden. Ich habe mal zwei Stunden nach einer solchen Untersuchung versehentlich einen Alarm ausgelöst, als ich durch die Schleuse eines radiochemischen Labors ging.

    Sowohl radioaktives Jod als auch Technetium werden mit dem Urin ausgeschieden und können daher auf der Toilette zu einem messbaren Anstieg der Strahlung führen. Wohlgemerkt: Messbar, aber nicht gefährlich.

  13. 5.

    "An der Grenze zu Russland" wie im Artikel wird da sicherlich nichts gemessen, denn da wird überhaupt nichts kontrolliert. Der Zug fährt von Deutschland aus über Polen und Weißrussland nach Russland.

    Russland und Weißrussland bilden seit 1995 die Russisch-Weißrussische Union, im Rahmen dieses Unionsvertrages gibt es auch keine Kontrollen an den Grenzen zwischen den beiden Staaten (es gibt lediglich spezielle Übergänge für Ausländer, die Grenzüberfahrt mit dem Strizh gehört aber nicht dazu).

  14. 4.

    Das ist (bestimmt nicht nur mir) auch neu. Gibt es denn für solch Aktivitäten nachvollziehbare Gründe? Und ist denn eine medizinisch notwendige Therapie mit so vielen Strahlen belastet, dass ein kompletter Zug belastet ist?
    Dann hätte der Reisende (Patient) doch wohl gar nicht reisen dürfen, zumindest nicht mit einem Zug.

  15. 2.

    Die Strahlenbelastung von Zügen wird bei Grenzübertritt nach Russland gemessen? Ist das normal? Hab davon noch nie etwas gehört.

  16. 1.

    "dass er sich in Moskau einer intensiven Strahlenbehandlung unterzogen hatte" häh? Ich tanke mal 5 Stunden ordentlich Strahlen und fahre dann nach Berlin oder wie muss ich mir das vorstellen? Das ist denn eine intensive Strahlenbehandlung? Bekommt man das Uran Kekse um das Wohlbefinden zu steigern oder wie? Ich meine 7µS ist ja nun nicht gerade wenig.

Das könnte Sie auch interessieren