Eine U-Bahn der Linie U1 an der Skalitzer Strasse. Quelle: dpa/Schöning
Bild: dpa/Schöning

BVG kündigt Mammutprojekt an - U1 und U3 fahren ein Jahr lang nicht bis Warschauer Straße

Einer der wichtigsten U-Bahn-Abschnitte Berlins soll für ein Jahr stillgelegt werden. Ab Frühjahr 2020 fahren die Linien U1 und U3 vorerst nicht mehr zwischen Kottbusser Tor und Warschauer Straße. Grund ist die geplante Sanierung des stählernen Viadukts.

Nutzer der Berliner U-Bahn müssen zwischen Kreuzberg und Friedrichshain ab kommendem Frühjahr große Einschränkungen hinnehmen. Wie die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) mitteilten, soll der Schienenverkehr der Linien U1 und U3 zwischen Kottbusser Tor und Warschauer Straße für rund zwölf Monate komplett eingestellt werden. Die Berliner Zeitung hatte am Montag über die Maßnahme berichtet [berliner-zeitung-de].

Umfangreiche Sanierung wohl ab April 2020

Grund für die Einschränkungen auf einer der wichtigsten U-Bahn-Strecken der Stadt ist die geplante Sanierung der stählernen Hochbahntrasse. Die BVG hat im Amtsblatt der Europäischen Union vom 2. Oktober Aufträge für umfangreiche Bauarbeiten auf einem 755 Meter langen Abschnitt der U-Bahn-Strecke ausgeschrieben. Demnach soll das Viadukt zwischen Oberbaumbrücke und Kottbusser Tor ab April 2020 unter anderem eine neue Fahrbahn, neue Kabel und Entwässerungskanäle bekommen. Auch die historische Stahlkonstruktion selbst, die im Jahr 1896 errichtet wurde, soll saniert werden.  

Mit der Ausschreibung werden nun die Dimensionen des Großprojektes deutlich. Für die Instandsetzung werden demnach etwa 1.200 Tonnen Baustahl, 500 Kubikmeter Beton und 1.400 Meter Entwässerungsleitungen benötigt. Bis zum Ende der Bauarbeiten will die BVG Schienenersatzbusse zwischen Kottbusser Tor und Warschauer Straße einrichten.

"Mit dieser Maßnahme schließen wir die Grundsanierung auf der östlichen U1/U3 ab", sagte ein Sprecher der BVG rbb|24 auf Nachfrage. Wann genau die Bauarbeiten beginnen und wann sie abgeschlossen sind, sei derzeit noch nicht abzusehen, hieß es.

Bauarbeiten im Gleisdreieckpark

An anderer Stelle auf den Linien U1 und U3 wird jetzt schon gebaut: Am Gleisdreieck in Kreuzberg werden seit Montag die abgenutzten Gleise ausgetauscht, die auf der Brücke über den Park verlaufen. Die Arbeiten sollen bis zum 24. Oktober dauern.

Deshalb fährt die U1 mehr als zwei Wochen lang nicht zwischen Gleisdreieck und Wittenbergplatz. Die U3 ist zwischen Nollendorfplatz und Warschauer Straße unterbrochen. Die BVG rät zur Umfahrung die Linie U2. Als barrierefreie Umfahrung zwischen den U-Bahnhöfen Wittenbergplatz und Uhlandstraße können die Buslinien M19 und M29 genutzt werden.

Erst am Dienstag waren die U1 und die U3 zwischen Nollendorfplatz und Kottbusser Tor nach einem Brand gesperrt worden. Durch den Brand waren Kabel an der Hochbahntrasse zerstört worden. Bauarbeiter mussten jedes Kabel per Hand reparieren. Die genaue Brandursache war zunächst unklar.  

Sendung: Inforadio, 08.10.2019, 20.00 Uhr

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21 Kommentare

  1. 21.

    Liebe Heike,
    da muss ich Dir leider widersprehen: Die BVG ist viel schlechter, als man sie reden könnte. Als Teil der Berlner Verwaltung ist sie höchstens Mittelmaß - leider... Auch dort fehlt der Mut, Neues zu denken und ausgetretene Wege zu verlassen... Sie verwaltet sich nur noch selbt und erhält nur noch eine Substanz, die vor über 100 Jahren aufgebaut wurde. Wo sind die Konzepte für einen ÖPNV, der im Zeichen des Klimawandels viel mehr Aufgaben übernehmen muss? Hier ist auch die BVG gefordert. Sie kann nicht alles auf die heillos überforderte Verkehrssenatorin schieben. Schließlich sitzen die "Fachleute" für ÖPNV in den Verkehrsbetrieben, nicht im Senat.

  2. 20.

    Ich habe gerade die Antwort des rbb gelesen, dann wird es so sein, das es nicht mit in Angriff genommen wird, warum, kann natürlich nur der Projektleiter selber beantworten

  3. 19.

    Ich weiß es nicht wirklich, aber bisher wurden bei solchen Groß- Projekten solche Maßnahmen immer mit in Angriff genommen.

  4. 18.

    Das scheint im Moment nicht vorgesehen zu sein. Hier finden Sie die Ausschreibung: https://ted.europa.eu/TED/notice/udl?uri=TED:NOTICE:463028-2019:TEXT:DE:HTML&src=0

  5. 17.

    Ist bekannt, ob die einjährige Bauphase dafür genutzt werden kann, die U-Bahnhöfe Görlitzer Bahnhof und Schlesisches Tor barrierefrei umzubauen?

  6. 16.

    Warum so böse...die BVG ist so schlecht wie man sie redet. Es muss saniert werden, ist das so schwer zu verstehen?
    Ausfall von Zügen, Bussen Tram....ist ein gaaaaanz andres Thema.

  7. 15.

    ach so, alles gut...für ein Jahr dicht und in den Vorjahren monatelang auf anderen Teilabschnitten...als ob man nur eine oder zwei Stationen fahren müsste. Seid doch bitte nicht so naiv der schlechten BVG gegenüber.

  8. 14.

    Ich habe das Gefühl, das einige diesen Beitrag nicht richtig gelesen haben. Es ist genau erklärt warum gebaut wird. Das ist der letzte Teil der östlichen Strecke...also alles gut. Der SEV läuft dort eigentlich auch ganz gut.

  9. 12.

    Die U1, dann mit der U3, musste ich mehrere Jahre nutzen um zu Arbeit zu kommen. Jedes Jahr war die Strecke für mehrere Monate (insgs.) gesperrt und ein SEV eingerichtet (der nur mühsam durch den dichten Berufsverkehr kroch). Von der neuerlichen (ein!)Jahr andauernden Sperrung wäre ich auch wieder betroffen aber zum Glück habe ich einen neuen Job und benötige diese "Bimmelbahn" nicht mehr.
    Ich würde dem verantwortlichen Senat vorschlagen: Dieses aus dem 19. Jahrhundert stammdende Fortbewegungsmittel abzureißen und eine wartungsarme Seilbahn zu errichten (s. Städte in Südamerika; auch München plant eine solche Seilbahn). Dann aber bitte nicht von der BVG betrieben, sondern von einer neuen genossenschaftlich organisierten Institution.

  10. 11.

    Zuletzt im September 2018

    https://www.rbb24.de/panorama/beitrag/2018/09/u1-u3-berlin-kreuzberg-acht-wochen-unterbrochen.html?cq_ck=1570616279537

  11. 10.

    Liebe Redaktion, vielleicht könnten sie ins Archiv schauen. Nach meiner Erinnerung ist es maximal ein Jahr her, dass die Strecke wegen einer Sanierung gesperrt wurde. Wenn jetzt schon wieder gebaut wird ist das erklärungsbedürftig. - Pfusch am Bau?

  12. 9.

    Tatsächlich ist der in den letzten Jahren durchgeführte SEV entlang der U1 eigentlich recht reibungslos verlaufen. Auch der RBB hatte mehrfach über gute Zustände auf dieser SEV-Linie berichtet (Gab ja bereits zahlreiche Fälle mit SEV auf der U1) Insofern ist das vielleicht nicht das Problem. Länger dauern, wird es aber in jedem Fall. Aber vielleicht ist dann diese Sanierungs"Wut" auf der U1 endlich mal abgeschlossen?!

  13. 8.

    Fährt da nicht seit 20 Jahren auch die Straßenbahn? Ach, nein! Die Schienen wurden ja vor kurzem doch wieder abgerissen - bestimmt wegen dem Vorrang für den ÖPNV und den "Umweltverbund". Grüne Autopolitik eben. Leider nicht nur in Baden Württemberg. Bin gespannt, ob die BVG rechtzeitig durchgängige Busspuren für den Ersatzverkehr einrichtet. Wäre schön und hilfreich, wenn sie es schaffen bis dahin auch tatsächlich selbst abzuschleppen.
    @ rbb Wo sind eigentlich die versprochenen 100e Kilometer zusätzliche Busspuren geblieben? In Potsdam? Oder kommen die doch noch irgendwann? Updates ? ;)

  14. 7.

    Liebe Redaktion!
    Aus dem Jahr 1896 stammt nur noch die Konstruktion in der Oberbaumstraße sowie unter der Station Görlitzer Bahnhof (der Unterschied ist auch für den Laien deutlich erkennbar). Der Abschnitt am Lausitzer Platz wurde in den 1990er Jahren durch einen Neubau ersetzt - darum gab es erhebliche Debatten wegen der Ästhetik und des Denkmalschutzes, gucken Sie mal in Ihr Archiv. Die Oberbaumbrücke erhielt beim Wiederaufbau nach 1990 ein neues Stahlviadukt, das in das alte Bauwerk eingesetzt wurde, neugebaut wurde damals auch die Strecke nördlich der Brücke bis zum Beginn der gemauerten Viadukte. Die restlichen Abschnitte stammen aus der Zeit zwischen den Weltkriegen oder aus den Achtzigern (wie die große Brücke westlich Görlitzer Bahnhof).

  15. 6.

    Die Sperrung erfolgt doch nur auf einem so kurzem Teilstück, dass für die meisten das Fahrrad doch die Alternative wäre. Für die paar Menschen, die nicht Radfahren können, würden eine Handvoll BerlKönige als SEV reichen. Oder veräppeln uns Schmidt und Co?

    Da an den Stammtischen der Eindruck entsteht, dass die Strecke sehr häufig gesperrt wird, könnte der RBB mal recherchieren, wie oft in den letzten Jahren dort wie lange keine Bahn fuhr.

  16. 5.

    Sicherlich ist es nicht schön, dass ich dann nicht mit der U1/U3 fahren kann. Aber veräppelt würde ich mir eher vorkommen, wenn es irgendeinen Unfall, dank nicht erfolgter Wartungsarbeiten, gibt. Zu Mal es genügend Möglichkeiten gibt, die Stelle zu umfahren.

  17. 4.

    Komplett! Aber man kann ja nichts machen. Protestanten können Straßen blockieren gegen Autos. Aber was machen wir alle gegen die Investitionsversäumnisse bei der Berliner Infrastruktur? Wir gucken dumm aus der Wäsche und stehen halt ne halbe Stunde eher auf.

  18. 3.

    und da soll man auf Auto verzichten und mehr ÖPNV nutzen...
    wenn er hier nun ein Jahr lang nicht vernünftig laufen soll. Klar gibts sicherlich Schienenersatzverkehr, welcher auf die Straßen ausgelagert wird und mehr als nur überfüllt sein wird.

    Kommt ihr euch nicht veräppelt vor?

  19. 2.

    Wie oft wird diese Strecke eigentlich noch saniert?

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