in Sonderzug eines privaten Bahnunternehmens (vorn) steht am 19.10.2019 brennend im S-Bahnhof Bellevue. (Quelle: dpa)
Video: Abendschau | 20.10.2019 | Georg Berger | Bild: dpa

Feuer am Bahnhof Bellevue - Ursache für Brand in Zugwaggon noch unklar

Noch während es in einem Sonderzug für Freiburger Fußballfans in Berlin brannte, wurde schon über den Auslöser spekuliert. Die Ermittler aber hielten sich dazu zunächst zurück. Nun steht ein technischer Defekt als Ursache im Raum.

Die Ursache für den Brand in einem Zug am Berliner S-Bahnhof Bellevue am Wochenende ist weiter unklar. Nach Informationen der Bundespolizei vom Montag könnte nach ersten Erkenntnissen ein technischer Defekt den Brand verursacht haben. Die Ermittlungen der Bundespolizei mit Unterstützung von Brandermittlern der Polizei Berlin und der Eisenbahnuntersuchungsstelle des Bundes dauern weiter an.

Ein Waggon eines Sonderzugs von Freiburger Fußballfans war am Samstagabend in Brand geraten. Der Waggon brannte komplett aus. Die rund 700 Fans konnten aus dem Zug geborgen werden, drei Personen erlitten Rauchgasvergiftungen und wurden im Krankenhaus behandelt. Ein weiterer Leichtverletzter habe nicht dorthin gebracht werden wollen, sagte ein Sprecher der Feuerwehr.

Unternehmen: Kein technischer Defekt

Der Fan-Verein Supporters Crew Freiburg, der den Sonderzug organisiert hatte, hatte auf seiner Facebookseite [facebook.com] ebenfalls geschrieben, ein technischer Defekt wäre die Ursache für den Brand gewesen. Der Betreiber des Sonderzugs, die Schweizer Centralbahn AG, schloss einen technischen Defekt hingegen aus, "da der Brand offensichtlich im Innern eines Abteils in der Wagenmitte ausgebrochen ist, wo es keine Technik gibt", wie das Unternehmen auf seiner Facebookseite [facebook.com] schreibt.

Bereits kurz nach dem Brand wurde unter anderem von Twitter-Usern spekuliert, dass Pyrotechnik den Brand ausgelöst haben könnte. Dazu äußerte sich die Polizei bislang nicht. Freiburgs Trainer Christian Streich hatte einen Teil der eigenen Fans für das Abbrennen von Pyrotechnik bei der 0:2-Niederlage beim 1. FC Union Berlin am Samstag scharf kritisiert: "Du kommst raus auf den Platz und in der Kurve brennen die Bengalos. Das ist eine Katastrophe, das können wir gar nicht gebrauchen."

Union bietet Freiburgfans Übernachtung in VIP-Räumen an

Da kein Ersatzzug zur Verfügung stand, mussten die Freiburger Fans ihre Rückreise privat organisieren. Der SC Freiburg und auch der Fan-Verein lobten ausdrücklich die Hilfe von Gegner Union Berlin. Die Eisernen boten die VIP-Räume in ihrem Stadion als Schlafstätte  an. Nach Informationen der Sportnachrichtenagentur SID wurde aber von dem Angebot kein Gebrauch gemacht.

Feuerwehr lobt Verhalten der Fans im Zug

Ein Feuerwehrsprecher lobte ausdrücklich das besonnene Verhalten der Fans an Bord des Sonderzuges: "Die Leute haben in ruhiger und disziplinierter Weise den brennenden Waggon in Richtung der anderen Waggons verlassen." In solchen Situationen bestehe die große Gefahr, dass Menschen eigenständig in Panik aussteigen: Dabei könnten sie auf den Gleisen mit der Stromschiene in Kontakt kommen oder von entgegenkommenden Zügen erfasst werden, hieß es.

Stattdessen wurden alle Waggons geordnet von der Bundespolizei geräumt. Nachdem der Brand in einem der vorderen Waggons bemerkt worden war, betätigte laut Feuerwehr jemand die Notbremse und der Zug kam beim Berliner S-Bahnhof Bellevue zum Stehen.

Ein ausgebrannter Zugwagon am S-Bahnhof Bellevue (Bild: Morris Pudwell)

Züge fahren wieder

Ein Hilfszug schleppte nach Bahnangaben am Sonntagvormittag den Zug in eine Abstellanlage ab. Der Nah- und Fernverkehr am Bahnhof Bellevue konnte dann wieder aufgenommen werden. Er war am Samstagabend eingestellt worden. Ursprünglich hatte es geheißen, dass die Sperrung bis Sonntagabend anhalten würde.

Zuvor war am Sonntagmorgen auch der S-Bahnverkehr wieder aufgenommen worden. Allerdings verkehrte laut Deutscher Bahn zwischen Friedrichstraße und Zoologischer Garten nur die S7 im 20-Minuten-Takt, die auch wieder am Bahnhof Bellevue hielt. Die Linien S3, S5 und S9 verkehrten dagegen bis zum Abend auf dieser Strecke gar nicht - wegen geplanter Bauarbeiten [sbahn.berlin].

Sendung: Abendschau, 20.10.2019, 19:30 Uhr

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25 Kommentare

  1. 25.

    Was Sie für die meterhohen Flammen gehalten haben ist auf dem Bild nur der Feuerschein im Wasserdampf-Rauch-Gemisch. Das sieht auf dem Standbild dann dramatischer aus, als es in der Realität war.

  2. 24.

    Mit Richtungswechsel in Grunewald kann auch ein Zug von Gesundbrunnen auf die Stadtbahn fahren, ohne dass er mühsam irgendwelche Treppen hoch geschleppt werden müsste. :-)

  3. 23.

    @8: Auf dem Waggon steht angeschrieben: Centralbahn-Sonderzug 56 80 10-40 122-8 Am, also kein Bm. EDV-Kontrollziffer stimmt. Hab nachgerehnet. Eine Hauptuntersuchung kostet allein schon mehrere 10000 €.
    @11: z.B. von Gesundbrunnegn über nordost-Innenring - Frankfurter Allee – Gabelung – Lichtenberg – Biesdorfer Kreuz West - Biesdorfer Kreuz Südwest – Vnk – Stadtbahn

  4. 20.

    @ Michael Laue, Erkner: Für 5.000 Euro bekommen Sie vielleicht einen Spielzeug-Waggon für die Gartenbahn. Als jemand, der selber in der Bahnszene aktiv ist, kann ich ihnen sagen, dass derartige Wagen im betriebsfähigen Zustand für 6-stelliger Summen verkauft werden. Die DB hat mit der Firma Heros einen eigenen Händler, der das verkauft. Bitte nennen Sie doch eine Quelle, wo man sowas für 5.000 Euro bekommen kann. Viele Eisenbahn-Vereine würden sofort kaufen.

    Dass diese "Bm"-Wagen noch im original-Lack der Bundesbahn herum fahren ist ebenfalls falsch. Sie sind im Rheingold-Farbschema kobaldblau-beige neu lackiert worden. Für einen Laien mag das zwar so ähnlich wie die Bundesbahn-Farben aussehen - das Blau ist aber eine ganz andere RAL-Farbnummer. Da wurde nichts mal kurz "übergepinselt", sondern teuer neu lackiert. Außerdem müssen die Wagen regelmäßig technische Hauptuntersuchungen durchlaufen - ähnlich wie der TÜV beim Auto. Das passt mit ihrer Rede von "Schrott" nicht zusammen.

  5. 19.

    Lieber Herr Krüger,

    keines der Fotos dieses Beitrags ist ein Symbolfoto, alle zeigen den tatsächlichen Brand in dem Sonderzug. Insofern ist da auch nichts übertrieben oder anderweitig verändert, dies hätten wir selbstverständlich kenntlich gemacht.

    Beste Grüße und einen angenehmen Abend,

    Ihre Redaktion

  6. 18.

    @Helmut Krüger, 21.10, 17:12 Uhr: Die auf dieser Seite hier gezeigten Fotos sind sicherlich keine "Beispielbilder", sondern reale Abbilder des brennenden Zugs. Schauen Sie sich mal das Video an. Und warum sollte der Bahnhof Bellevue nicht mehr stehen? Der Zug brannte doch nicht in der Bahnhofshalle, sondern daneben. Die Halle selbst besteht aus massiven Stahlträgern und laut Feuerwehr hatte das Feuer kleine besonders hohen Temperaturen.

    @RBB24.de: Der Herr Krüger wirft Ihnen hier Bildmanipulation und somit Unseriösigkeit vor. Vielleicht mögen Sie dazu auch Stellung nehmen.

  7. 17.

    Es ist ein sogenanntes Beispielbild und hat mit einem realen Foto nichts zu tun. Das hätte auch so gekennzeichnet werden sollen. Wäre es ein Abbild der Realität, so stünde heute der Bahnhof Bellevue nicht mehr.

    Wir scheinen uns heute all zu sehr daran gewöhnt zu haben, dass Realität und Fiktion durcheinandergehen und das halte ich für ein sehr bedenkliches Zeichen.

  8. 15.

    Warum müssen eigentlich bei dem mittig eingestellten Beispielbild meterhohe Flammen eingepixelt werden? Es war schließlich ein überschaubarer Brand, so schlimm das auch ist, Bäume und der Bahnhof Bellevue waren ganz offensichtlich nicht in Gefahr, wie es das mittige Bild (anders) vermuten lässt.

  9. 14.

    Die Stadt Berlin ist einfach zu groß für den rbb! Denn der Zug ist wohl in Charlottenburg abgefahren.

  10. 12.

    Über die dort liegenden Fernbahngleise vielleicht? Sonderzüge lässt man dort einsetzen, wo es passt und schickt sie dann auf Strecke.

  11. 11.

    Wie kommt denn der Fan-Zug von Gesundbrunnen nach Bellevue, nur durch eine Stadtrundfahrt oder?

  12. 10.

    Würden die Damen und Herren bitte die Brandermittler ermitteln lassen, bevor man hier in die eine oder andere Richtung denkt. Ein bisschen mehr Respekt würde allen Kommentatoren nicht schaden.

  13. 9.

    Also, bitte gerichtsfest ermitteln und keine vorschnellen Schlüsse ziehen.

  14. 8.

    Der abgebrannte Wagon ist ein alter Wagen vom Typ Bm der Bundesbahn, der bereits weit über 30 Jahre lang seinen Dienst tut wie man an der Lackierung erkennt. Lediglich das DB-Logo und die Klassen wurden entfernt. Das heißt, dass es sich ohnehin um ausrangierte Gerätschaft handelt. Wenn das Ding im heilen Zustand vielleicht noch 5000 Euro bringt, ist das wohl schon sehr hoch gegriffen. In der Regel werden für Fußballfans keine VIP-Wagen eingesetzt, sondern nur das zur Verschrottung ohnehin freigegebene Zeit. Dass die Centralbahn AG für Fußballfans nicht den Rheingold zur Verfügung stellt, dürfte wohl klar sein.

  15. 7.

    Es sind auch Zeugenaussagen, dass wollten Sie sicherlich auch noch erwähnen.
    Aber warum muss der Begriff Fußballfans in Anführungszeichen gesetzt werden? Wollen Sie damit eine Meinung ausdrücken?

  16. 6.

    @KE: Die Brandursache steht noch nicht fest. Siehe Artikel oben. Alles andere sind Vermutungen, Hörensagen und persönliche Meinungen von Leuten. Die offizielle Brandursache wird aber NUR von der Polizei und den Brandermittlern festgestellt. Die Ermittlungen laufen noch und ein Ergebnis liegt bisher nicht vor. Das mag Ihnen gefallen oder nicht. Es bedeutet im Moment jedenfalls, dass alle Ursachen möglich sind: Von Brandstiftung im Zug bis hin zu einem technischen Problem.

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