Blick auf die frühere Sondermülldeponie "Große Hölle" bei Zichow in der Uckermark (Quelle: rbb)
Video: Brandenburg aktuell | 23.10.2019 | Riccardo Wittig | Bild: rbb

Deponie-Sanierung in der Uckermark - "Große Hölle" wird weitere Millionen verschlingen

Bis 1990 diente die "Große Hölle" bei Zichow (Uckermark) als Sondermülldeponie für das Schwedter PCK-Kombinat und andere DDR-Betriebe. 2015 begann die Sanierung, die bis heute über 22 Millionen Euro verschlungen hat. Doch der Boden ist noch immer verseucht.

Was in einem Eiszeitloch zwischen Passow und Zichow noch bis vor wenigen Jahren vor sich hingärte, galt als einer der größten Umweltskandale der DDR. In der Senke direkt an der heutigen B166 wurden zwischen 1964 und 1990 zehntausende Tonne von Schadstoffen abgekippt - die Sanierung des verseuchten Bodens begann nach jahrelanger Planung erst 2015.

Archivbild vom 17.05.1996: Spezialisten in Schutzanzügen und mit Atemmasken beraten am 17.05.1996 auf der Sonderdeponie "Große Hölle" bei Zichow (Uckermark) das weitere Vorgehen. (Quelle: dpa/Klaus Franke)
Giftstoff-Experten inspizieren 1996 die "Große Hölle" | Bild: dpa/Klaus Franke

Regelmäßig überprüft Ronny Dietze vom Analytikum Merseburg die Zusammensetzung des Grundwassers. Die Bodenschichten rings um die einstige Sonderdeponie seien mit einem regelrechten Giftgemisch belastet. "Das Wasser riecht sehr stark chemisch, genau nach den Bestandteilen, nach denen auch die Hölle hier gerochen hat. Es ist ein starker teer-artiger Geruch", sagt der Umweltexperte.

Ölschicht wurde regelmäßig abgefackelt

Jahrzehntelang hatte vor allem das Petrolchemische Kombinat Schwedt PCK Produktionsreste abgekippt - 147.000 Tonnen Teer- und Ölreste. Aber auch andere DDR-Betriebe und die Nationale Volksarmee entsorgten in der "Großen Hölle" ihren Sondermüll. Reinhard Ekelmann hat als Anwohner viele Jahre den Zustand dokumentiert und ist noch heute darüber bestürzt: "Wir haben ja auch gesehen, was da alles gelegen hat", sagt Ekelmann. Stoffe wie Dünger oder Chemikalien. "Das hat man alles gerochen. Man hat es auch gesehen, dass es nicht in Ordnung ist."

Über Jahrzehnte entstand ein giftiger Teich mit aufschwimmender Ölschicht. Um diese zu reduzieren und die Kapazität der Senke voll ausnutzen zu können, wurde der Deponieinhalt bis 1990 ganz gezielt ungefähr siebzig Mal abgebrannt: "Das war ein extremer Qualm", erinnert sich Ekelmann, "es war eine Wolke, wenn ich das jetzt beschreiben soll, ich sag' mal 200 Meter hoch".

Bislang wurden rund 85.000 Tonnen entsorgt

Mehr als 22 Millionen Euro hat die Sanierung bisher gekostet. Teilnehmer der Bodenschutzkonferenz der IHK informierten sich am Mittwochnachmittag über die Entsorgung. Offiziellen Angaben zufolge wurden inzwischen 85.000 Tonnen ölhaltiger und chemischer Substanzen entsorgt. Auch Fässer mit hochgiftigen Inhalten kamen zum Vorschein. Der größte Teil wurde in der Nähe von Leipzig bei Spezialfirmen verbrannt. Und die Arbeiten sind noch längst nicht beendet, denn das Projekt gestaltet sich schwieriger und teurer als gedacht.

"Wir sind noch nicht fertig. Wir müssen in eine zweite Sanierungsphase gehen, wo wir auch noch die sogenannte Westböschung sanieren müssen", sagt Carsten Kopprasch, Projektleiter  Gesellschaft zur Entwicklung und Sanierung von Altstandorten. 2020 soll es mit der Sanierung weiter gehen. Und auch dafür werden noch weitere zehn Millionen Euro benötigt. 60 Prozent der Kosten trägt der Bund, 40 Prozent das Land Brandenburg.

Sendung: Brandenburg aktuell, 23.10.2019, 19.30 Uhr

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4 Kommentare

  1. 2.

    Über Jahrzehnte entstand ein giftiger Teich mit aufschwimmender Ölschicht. Um diese zu reduzieren und die Kapazität der Senke voll ausnutzen zu können, wurde der Deponieinhalt bis 1990 ganz gezielt ungefähr siebzig Mal abgebrannt: "Das war ein extremer Qualm", erinnert sich Ekelmann, "es war eine Wolke, wenn ich das jetzt beschreiben soll, ich sag' mal 200 Meter hoch".

    Wenn ich bedenke, was da in die Luft gelassen wurde... Und die vielen OST-KFZ auf den Straßen früher...

    Und heute schiebt man Panik vor Diesel, SUV oder Euro 5/6 in der Innenstadt. Da oben sollte man sich drüber Gedanken machen und aufräumen

  2. 1.

    Die Verantwortlichen des SED-Staats rechneten wohl ingsgeheim mit dem zeitnahen Ableben desselben. "Nach uns die Sintflut" war die Devise. Anders ist die geistige Haltung für die Verursachung diesiger gewaltigen Umweltschäden nicht zu erklären.

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