Kinder und Erwachsene spielen das Kita-Spiel <<Original Play>>. (Quelle: rbb/Kontraste)
Bild: rbb/Kontraste

Missbrauchsvorwürfe bei "Original Play" - Auch Brandenburg verbietet umstrittenes Kita-Spiel

Eltern berichten von sexueller Gewalt an ihren Kindern aufgrund eines Spiels: Nach rbb-Berichten über "Original Play" reagierte bereits Berlin und verbot das Spiel in allen Kitas. Nun zieht auch Brandenburg nach.

Nach Berlin hat auch Brandenburg die Anwendung des sogenannten "Original Play" in den Kindertagesstätten des Landes untersagt. Ein entsprechendes Informationsschreiben hat das Bildungsministerium in Potsdam am Donnerstag an alle Träger geschickt.

Begründet wird das Verbot damit, dass gegenüber Kindern das angemessene Nähe-Distanz-Verhältnis nicht gewahrt werde. Am Mittwoch hatte bereits Berlin die umstrittene Erziehungsmethode verboten.

Rangeln mit fremden Erwachsenen

Beim "Original Play" bekommen fremde Erwachsene in Kitas die Möglichkeit zu engem Körperkontakt mit den Kindern; Missbrauch könne dabei kaum ausgeschlossen werden, so der Vorwurf. Die Kita-Aufsicht der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie lehne "Original Play" deshalb ab, hieß es zur Begründung. Das Spiel "Original Play" wurde vom US-Amerikaner Fred Donaldson als Pädagogikkonzept entwickelt. Dabei rangeln und raufen Kinder mit fremden Erwachsenen, es kommt zu engem Körperkontakt.

Die Idee des Spiels soll es sein, Menschen verschiedenen Alters und ungeachtet ihres Geschlechts miteinander spielen zu lassen - eine Art spielerisches Lernen des Umgangs mit Konflikten und Rivalität. Bei den Vorwürfen geht es dabei vor allem darum, dass hier unter dem Vorwand einer Art Rauferei unter "Gleichrangigen" erwachsene Teilnehmer bei diesen Kontakten Kinder sexuell missbrauchen könnten.

"Einladung zur Übergriffigkeit"

Im Sommer 2018 hatte es Missbrauchsvorwürfe in einer Kreuzberger Kita gegeben. Danach habe die Kita von diesem Spielkonzept Abstand genommen. In der ARD-Sendung "Kontraste" hatten Eltern zweier evangelischer Kitas berichtet, dass ihre Kinder im Zusammenhang mit "Original Play" sexuelle Gewalt erlebt hätten.

"Für mich ist das eine Einladung zur Übergriffigkeit an Kindern", sagte die Trauma-Expertin Manuela Huber gegenüber "Kontraste". Der Kinderpsychiater und Direktor der medizinischen Universität Salzburg, Karl-Heinz Brisch, meint: "Dieser Verein müsste sofort verboten werden, weil er in einer hochkritischen, undifferenzierten Weise Körperkontakt in einer geschützten Situation, im Kindergarten, zu Kindern sucht und das in einer vollkommen unkontrollierten Art und Weise."

Um "Original Play" in Kitas zu spielen, kann sich jeder im Internet zu einem Workshop bei dem in Österreich gemeldeten Verein anmelden und ihn gegen eine Gebühr von rund 250 Euro absolvieren. Sogenannte "Lehrlinge" organisieren dann die Spiele in den Kindergärten.

Sendung: Antenne Brandenburg, 31.10.2019, 10.00 Uhr

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14 Kommentare

  1. 14.

    Kindesmissbrauch ist immer so ein abgeschmackter Begriff ...

    Aber allein die Vorstellung, fremde Menschen dürfen gegen Gebühr meine Töchter im Kindergarten befummeln - das kann doch nicht wirklich ernst gemeint sein, oder?

  2. 13.

    ‘Lehrlinge’, die einen 250€ Kurs als Befähigung mitbringen um in Kitas mit ihnen fremden Kinder körperlich den Umgang mit Konflikten und Rivalität auf der Turnmatte auszuleben? Das ist gefährlich und eigentlich unvorstellbar, dass irgendwer so etwas zugelassen hat.

  3. 12.

    Oh gott oh gott. Gut dass das verboten wird.

  4. 11.

    Ich denke Matthias Barth wollte darauf aufmerksam machen, dass hier in den Kommentaren der Stereotyp weitergetragen wird: Die Täter sind männlich.

    Tatsächlich sind die meisten Täter männlich. Je nach Quelle sind 10-30% der Täter sind weiblich. Und damit sind nicht Erzieher und Erzieherinnen gemeint, die Situationen zulassen, in denen Missbrauch geschehen kann, sondern Menschen die aktiv Kinder missbrauchen. Vielleicht sollte man unabhängig vom der Geschlecht Kinder und Erwachsenen auf die Kinder aufpassen. Und den Kindern (Mädchen und Jungs) beibringen, Nein zu sagen, sich zu wehren, Hilfe zu holen.

    Quellen:
    (1) https://beauftragter-missbrauch.de/fileadmin/Content/pdf/Pressemitteilungen/2017/05_Oktober/6_Fact_Sheet_Zahlen_Ausma%C3%9F_sex_Gewalt.pdf
    (2) https://www.haz.de/Nachrichten/Panorama/Uebersicht/Kindesmissbrauch-Taeter-sind-in-30-Prozent-der-Faelle-weiblich

  5. 9.

    Mein Gott, hast du keine anderen Sorgen, wenn man von diesem "Spiel" berichtet? Herr Gott, man nehme diesem Menschen das Internet an, JETZT und schicke ihn zur Schule! Danke

  6. 8.

    Gibt es eine Liste von Kindergärten in Brandenburg, in denen dieses Original Play stattfand? Bei uns gab es 2010/2011 den Verdacht auf sexuellen Missbrauch in einer brandenburger Kita; das Jugendamt versuchte, mich dafür verantwortlich zu machen.

  7. 7.

    Da gebe ich Ihnen vollkommen Recht. Ich frage mich auch, wie man überhaupt auf diese Idee kommt so etwas im Kindergarten zuzulassen? Wenn man als Kita Geld zu viel hat, sollte man dieses lieber in ausgebildete Pädagogen stecken, damit die Kinder tatsächlich was davon haben.
    Was soll dieses "Spiel" den Kindern bringen? Ich sehe darin nur negatives.

  8. 6.

    Fremde Männer? Wieso schon wieder Männer? Auch Frauen können ubergriffig sein. Also bitte etwas Vorsichtiger mit Stereotypen!

  9. 5.

    "weder durch Führungszeugnis geprüft" ist nicht zwingend richtig - zumindest in Hamburg müssen Personen, die auch nur einmaligen Kontakt mit Kindern haben, durch ein erweitertes Führungszeugnis ausgewiesen sein.

  10. 4.

    Völlig irre. Wer überhaupt auf die Idee kommen kann, fremde Männer, weder durch Führungszeugnis geprüft noch durch ein Angestelltenverhältnis und eine pädagogische Ausbildung legitimiert, mit Kindergartenkindern "toben" zu lassen, die dafür einer privaten Firma Geld(!) bezahlen, ist unverständlich.

    Welche Kitaleitung läßt eigentlich so etwas zu?

    Das riecht 100 Meter gegen den Wind nach Mißbrauch, und zwar Mißbrauch von Schutzbefohlenen. Es ist bundesweit zu unterbinden, und zwar subito

  11. 3.

    Was ist denn das ,sowas ist grob fahrlässig von den kitaleitern sowie von den Erziehern das sie das zu lassen ,ich würde mein Kind dann nicht mehr in der Kita schicken wenn ich mir vorstelle das fremde mein Kind anfassen und die kleinen sich nichtmal wären können .wird immer schlimmer ihr in den Staat muss sich mächtig was ändern traurig genug das es erst verboten werden musste um das es in den Kitas aufhört .und sowas nennt sich dann Pädagoge das ich nicht lache haben doch alle einen Knall .früher hätte es sowas nicht gegeben unsere Kinder sind nirgens mehr sicher traurig .armes Deutschland !!

  12. 2.

    Als Erwachsener würde ich mich auch nicht von jedem umarmen lassen oder mit vielen Fremden raufen, knuddeln oder rummachen.
    Ich finde so etwas ist für Kinder eine Zumutung. Kinder sollten selber entscheiden mit wem sie raufen wollen oder sich anfassen lassen.
    Zu Fremden sollte immer eine gewisse Distanz herrschen.

  13. 1.

    Als Kind haben wir mit Geschwistern, Cousins und Cousinen, unter Freunden oder unserem Vater gerauft. So etwas an "wildfremde" Menschen abzugeben finde ich unnatürlich, befremdlich, überflüssig und wie es scheint, ist auch noch gefährlich. Irgendwo muss man doch mal vor der Praxiserprobung von Experimentalpädagogik "Stopp" sagen! Arbeitsplatzbeschaffung muss sinvoller ablaufen!

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