Dunkle Wolken türmen sich hinter einer Werbefahne des Fleischherstellers Wilke Wurstwaren. (Quelle: dpa/Uwe Zucchi)
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Video: Brandenburg aktuell | 09.10.2019 | Kaveh Kooroshy | Bild: dpa/Uwe Zucchi

Belastet mit Listerien - Wilke-Wurst ging an rund 20 Handelsketten in Brandenburg

Die mit Bakterien belastete Wurst des hessischen Herstellers Wilke ist auch an rund 20 Handelsketten in Brandenburg gegangen. Das teilte das zuständige Landesamt mit. Aber auch Kantinen oder Caterer sind betroffen, so zum Beispiel in Ostprignitz-Ruppin.

In Brandenburg sind etwa 20 Handelsketten mit Wurstwaren des nordhessischen Herstellers Wilke beliefert worden. Das berichtet die Nachrichtenagentur DPA und beruft sich dabei auf Angaben des Landesamtes für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit. Die Rückrufaktionen liefen seit dem 2. Oktober, sagte eine Sprecherin des Amtes am Mittwoch.

Der Landkreis Ostprignitz-Ruppin hat die Angaben indirekt bestätigt. Am 2. Oktober sei der Landkreis darüber informiert worden, dass Wilke-Wurstwaren auch nach Ostprignitz-Ruppin gegangen seien. Allerdings seien die Angaben erst an diesem Montag weiter konkretisiert worden, teilte das Büro von Landrat Ralf Reinhardt (SPD) am Mittwoch mit.

Bisher keine Listeriose-Fälle bekannt

Demnach sind nicht nur Handelsketten betroffen. In Ostprignitz-Ruppin hätten auch neun Versorgungseinrichtungen mit Listerien belastetes Fleisch erhalten, teilte der Landkreis mit. Dies gehe aus entsprechenden Lieferlisten hervor. Nach Angaben des Amtes für Verbraucherschutz und Landwirtschaft in Neuruppin soll es sich unter anderem um Gaststätten und Imbisseinrichtungen handeln. Kontrolleure des Amtes seien umgehend aktiv geworden, um die betreffenden Betriebe aufzusuchen, heißt es in einer am Mittwoch verbreiteten Pressemitteilung des Landkreises.

Fälle von Listeriose, der durch die Bakterien verursachten Krankheit, seien bisher nicht bekannt geworden.

Identitätskennzeichen DE EV 203 EG

Gemäß den Vorschriften müssten betroffene Waren mit dem Identitätskennzeichen DE EV 203 EG sofort aus dem Verkauf bzw. aus dem Lager genommen werden. Außerdem sei ein Nachweis über eine fachgerechte Entsorgung zu erbringen, teilte der Landkreis mit. Einzelheiten würden durch das Gesetz zur Beseitigung tierischer Nebenprodukte geregelt.

Auch Kunden könnten abgepackte Waren der Firma Wilke durch das auf allen Verpackungen angebrachte ovale Identitätskennzeichen DE EV 203 EG erkennen.

Ministerium hat keine genauen Zahlen

Erst am Dienstag hatte das brandenburgische Verbraucherschutzministerium bestätigt, dass Produkte des nordhessischen Wurstherstellers Wilke auch nach Brandenburg gelangt sind. Entsprechend den rechtlichen Vorschriften würden die Produkte aus dem Verkehr gezogen, sagte Ministeriumssprecher Uwe Krink am Dienstag der Nachrichtenagentur DPA. "Wir gehen davon aus, dass die Rückrufaktionen laufen." Das Land habe die Veterinär- und Lebensmittelämter der Kreise informiert, die nun zuständig seien. Wie die DPA weiter schreibt, konnte das zuständige Landesamt auch am Mittwoch keine Angaben zu den Mengen der angelieferten Wilke-Produkte machen.

Scharfe Kritik von Foodwatch

Die Verbraucherschutz-Organisation Foodwatch hat den bisherigen Umgang mit dem Wurst-Skandal scharf kritisiert. Die Behörden hätten schneller reagieren und konkret darüber Auskunft geben müssen, wo die Wurst in den Handel gelangt ist, sagte Foodwatch-Sprecher Andreas Winkler am Mittwoch dem rbb. Das Problem sei, dass die Produkte auch als lose Ware verkauft wurden, und da sei dann "nichts deklariert", sagte Winkler dem rbb-Nachrichtenmagazin Brandenburg Aktuell. "Da steht kein Produktname drauf, wenn das an der Frische-Theke verkauft wurde."

Wie Iwan Chotjewitz, Abteilungsleiter im Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit, dem rbb am Mittwoch bestätigte, sind die Wilke-Lieferlisten aber inzwischen an die Landkreise weitergeleitet worden. Diese hätten geprüft, welche Unternehmen betroffen sind. Dabei handele es sich nicht nur um Einzelhandelsunternehmen, also die klassischen Discounter und Filialketten, sondern auch um Catering-Unternehmen, Schulspeisungen, Krankenhauskantinen und ähnliches.

Wissenswertes zu Listerien und ihrer Bekämpfung

  • Was sind Listerien?

  • Wer zählt zu den Risikogruppen?

  • Wie infiziert man sich?

  • Was lässt sich gegen Listerien tun?

Gefahr für Menschen mit schwacher Immunabwehr

In den Produkten der Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH waren mehrfach Listerien (Listeria monocytogenes) entdeckt worden. Zwar erkranken in der Regel nur wenige Menschen an der sogenannten Listeriose - denn bei gesunden Erwachsenen verläuft die Infektionskrankheit meist unauffällig oder nimmt einen harmlosen Verlauf mit grippeähnlichen Symptomen. Gefährlich ist die Infektion jedoch für Menschen mit geschwächtem Immunsystem, zum Beispiel Ältere und Schwangere. Allerdings enthält nicht jedes Wilke-Produkt zwangsläufig Keime.

Möglicherweise zwei Todesfälle wegen Bakterien

In Südhessen soll die belastete Wurst nach Behördenangaben für zwei Todesfälle in verantwortlich sein, 37 weitere Krankheitsfälle hängen möglicherweise mit Wilke-Fleisch zusammen. Dem hessischen Umweltministerium wirft Foodwatch vor, bereits Mitte September von der Bakterienbelastung gewusst zu haben. Die Behörden hätten schon viel früher die Öffentlichkeit warnen und einen Rückruf anordnen müssen.

Gegen den Geschäftsführer von Wilke wird inzwischen ermittelt - wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung und des Verstoßes gegen Lebensmittelrecht, sagte ein Behördensprecher am Dienstag in Kassel.

Sendung: Brandenburg aktuell, 09.10.2019, 19.30 Uhr 

Kommentar

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12 Kommentare

  1. 12.

    @ Fox : Vielen Dank für den Link!

    @ Berlinerin : Weißwurst taucht in der Produktliste (zumindest bislang) nicht auf.

  2. 11.

    Die Namen kann man auf lebensmittelwarnung.de finden. Es wurden 2 Listen veröffentlicht - ein mal mit Produkten (mehr als 1000 Namen) und ein mal die Markenliste.
    Weiss nicht, ob hier in Kommentaren die Links auf andere Webseiten elaubt sind...
    Hier der Link (Listen sind unten in PDF-Dateien)
    https://www.lebensmittelwarnung.de/bvl-lmw-de/detail/lebensmittel/45502

  3. 10.

    Kurze Frage: wie lange nach dem Verzehr bewahrst Du Packungen auf? Bei uns kommt alle 2 Wochen die Abfuhr für die gelbe Tonne... die Inkubationszeit für Listeriose beträgt bis zu 70 Tage. Sonst noch was? Es handelt sich nicht um Noro, Rota oder Salmonellen.

  4. 9.

    Wo ist jetzt das Problem, kurz auf die Packung zu gucken, ob "DE EV 203 EG" darauf steht? Kaufen die Kommentatoren hier alle dutzende Packungen Wurst in der Woche? Ist das eine bequeme Gesellschaft. Am Besten die gebratenen Hähnchen fliegen direkt in den Mund.

  5. 8.

    Nun warten wir seit Tagen auf NAMEN (Unternehmen, Wurstsorten...) und erhalten NIX. In unserer Familie gibt es sehr alte und darmgeschwächte Menschen, die vor kurzem ausnahmsweise mal Weisswurst gegessen haben - besteht da jetzt Gefahr??? Die Handelsketten schweigen sich aus. Ihre Handelsmarken bzw die eigentlichen Hersteller geben sie nicht bekannt.

  6. 7.

    So gesund kann der Markt ja nicht sein, wenn die Wurst keimbelastet ist. Außer in ihren Kreisen gilt die Definition gesund=keimbelastet, aber dann nicht meckern, wenn ein Verwandter unter den Opfern ist.

  7. 5.

    Lieber rbb,
    die ganze Diskussion um Listerien in diesen Wurstwaren, ok. Aber ich vermisse bei der Berichterstattung den Hinweis darauf, daß für den Menschen gefärhliche Listerien in sämtlichen Rohmilchprodukten (aus nicht pasteurisierter Milch), z.B. Rohmilchkäse, seit Jahr und Tag naturgemäß enthalten sein können. Jede Schwangere sollte das wissen und diese Produkte während der Schwangerschaft meiden. Auch Tierkontakt kann sie übertragen. Bitte mehr Aufklärung zum Thema "Listerien".

  8. 4.

    Stimmt! Der Kapitalismus ist ja die größte Weltreligion , seineihre Jünger glauben an die Unfehlbarkeit des heiligen Marktes .

  9. 2.

    Butter bei de Fische wenn von Handelsketten die Rede ist welche sind es? oder sol ich jetzt jede packung ne halbe stunde abgleichen?

  10. 1.

    Das ist das Ergebnis von billiger und billiger. Ich würde mal gerne deren Tierhaltung sehen.

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