Spielplatz auf dem LaGa-Gelände in Wittstock (Quelle: rbb/Wolfgang Heidelk)
Video: Brandenburg Aktuell | 06.10.2019 | K. Kooroshy | Bild: rbb/Wolfgang Heidelk

Landesgartenschau in Wittstock - "Schade, schade, dass es vorbei ist"

Nach 172 Tagen geht am Sonntag in Wittstock die Landesgartenschau (LaGa) zu Ende. Über 400.000 Besucher sind gekommen, deutlich mehr als geplant. Viele waren begeistert, und auch die Organisatoren sprechen von einem Erfolg. Von Wolfgang Heidelk

Noch einmal im LaGa-Liegestuhl die Seele baumeln lassen? Wer das an diesem Wochenende tun wollte, hatte sich schon etwas tiefer in die Jacke verkrochen und den Kragen hochgeschlagen: Ein kühler Herbstwind wehte übers Gartenschaugelände in Wittstock (Ostprignitz-Ruppin). Auf der Wiese, die während der trockenen Sommerwochen jeden Tag bewässert werden musste, wachsen jetzt blumenkohlgroße bizarre braune Pilze. Einige Besucher sammeln Kastanien im Friedrich-Ebert-Park. Die Blätter fallen.

Zusammenklang zwischen Natur und Stadtgeschichte

Gästeführerin Beate Schmidt dreht noch einmal die Runde mit einer Gruppe. Über 100 Führungen seien es wohl gewesen, die sie in den vergangenen 172 Tagen absolviert hat. Heute blickt sie etwas wehmütig. Beate Schmidt ist traurig, dass die Schau vorbei ist. Jeden Tag habe sie hier nette Menschen getroffen, sich mit ihnen an der Farbenpracht der Blumen erfreut. Viele seien begeistert gewesen.

Wolfgang Dost, der ebenfalls etliche Male mit Besuchern als kundiger Begleiter unterwegs war, stimmt ihr zu: Vor allem der Zusammenklang von Natur und Historie habe vielen gefallen. Zieht sich doch das Gartenschau-Gelände im Halbkreis an der sehenswerten historischen Stadtmauer entlang. Und auch die gute Erreichbarkeit war ein wichtiger Punkt. Das Gelände grenzt unmittelbar an den Wittstocker Bahnhof.

Zwölf Hallenschauen im historischen Güterboden

Der historische Güterboden, ein Gebäude, das einst zum Bahnhof gehörte, bot die Kulisse für die Hallenschauen. Zwölf gab es insgesamt, die die Besucher mit liebevoll gestalteten Pflanzenarrangements immer wieder zum Staunen brachten. Die Wittstockerin Barbara Buchholz hat keine einzige Hallenschau verpasst. Jetzt zückt sie ihre Dauerkarte ein letztes Mal für einen Rundgang: "Schade, schade, dass es vorbei ist!" Und dann sagt sie noch, dass sie allen danken möchte, die die Schau gestaltet haben, die sei "großartig für unser Wittstock".

Chef des Organisationsteams ist Gartenschau-Geschäftsführer Christian Hernjockl. Er schreitet an diesem letzten Wochenende lächelnd und geradezu beschwingt über das Gelände. Ursprünglich hatte sein Team das Ziel 300.000 Besucher anvisiert, um am Ende kein Minus einzufahren. Nun sind es mehr als 400.000 geworden. Ein guter Puffer, meint Hernjockl. Immerhin seien etliche Mehrausgaben zu kompensieren, zum Beispiel für die zahlreichen Überstunden der Hilfskräfte, die das Gelände während der heißen Sommertage von früh bis spät bewässerten. Oder für ein Konzert mit der Band "Culcha Candela", das zunächst wegen eines drohenden Unwetters abgesagt und dann später nachgeholt wurde.

Spielplätze bleiben ebenso erhalten wie Riesenlibellen

Neben Hip-Hop von "Culcha Candela" sorgten "Keimzeit" und das Filmorchester Babelsberg, Chortreffen und Blasmusikfeste für ein vielfältiges Rahmenprogramm im stimmungsvollen Amtshof der Burganlage mitten auf der Gartenschau.

Ab Montag wird nun abgebaut. Liegestühle und Hängematten werden demnächst versteigert. Ab November können die Wittstocker das Gelände dann ohne Eintritt als Stadtpark in Besitz nehmen.

Riesenlibellen auf der Landesgartenschau in Wittstock (Quelle: rbb/Wolfgang Heidelk)Die Riesenlibellen auf dem LaGa-Gelände in Wittstock

Rosenkönigin Tanja die Erste, das lebende Maskottchen der Schau, setzt ihre filigrane Rosenkrone ab und geht zurück in ihren Beruf als Kindergärtnerin. Aber mit ihren Schützlingen will sie auf jeden Fall öfter einen der neuen Spielplätze auf dem Gelände besuchen. Die bleiben ebenso erhalten wie die Riesenlibellen, die mit ihren geäderten Flügeln aus Plexiglas ein Hingucker auf der Gartenschau waren.

Renaturierte Dosse soll Spaziergänger anlocken

Gleich daneben wird die renaturierte Dosse auch künftig die Spaziergänger anlocken. Zur Gartenschau entstand hier ein idyllisches Fleckchen mit einer kleinen Insel. Bleiben wird der restaurierte Bahnhof mit der Tourist-Information als wichtigem Anlaufpunkt für alle Gäste. Erst kurz vor der Gartenschau war Leiterin Katja Reichelt mit ihren Mitarbeiterinnen hier eingezogen. Reichelt ist sich sicher, dass der Imagegewinn, den Wittstock mit der Gartenschau erfahren hat, nachwirken wird. Denn viele Gäste hätten überrascht festgestellt, was für ein schönes kleines Städtchen Wittstock sei – und wollen wiederkommen.

Nächste LaGa findet 2022 in Beelitz statt

Die nächste Gartenschau findet in drei Jahren in Beelitz statt. Was Wittstocks Bürgermeister Jörg Gehrmann (CDU/Freie Wählergemeinschaft) den dortigen Organisatoren rät: sich in der Vorbereitungsphase nicht von Zweiflern irritieren lassen. Die Stadt Wittstock habe "das Beste aus dieser Gartenschau gemacht", so jedenfalls formuliert es Brandenburgs Agrar- und Umweltminister Jörg Vogelsänger (SPD).

Und die Wittstocker, denen der Abschied jetzt schwerfällt, trösten sich damit, dass die zur Gartenschau gesetzten eine Million Blumenzwiebeln auch im kommenden Frühjahr für eine neue Blütenpracht im Stadtpark sorgen werden.

Sendung: Brandenburg aktuell, 06.10.2019, 19.30 Uhr

Beitrag von Wolfgang Heidelk

Kommentar

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8 Kommentare

  1. 8.

    Viele Grüsse aus dem Havelland !!! Die Landesgartenschau in Wittstock, war rundum gelungen. Wir waren mehrmals da und es hat uns jedesmal sehr gut gefallen. War wirklich sehr, sehr schön. Wir freuen uns schon auf die nächste LaGa in Beelitz.

  2. 7.

    Es war schön. Im Frühling wie im späten Sommer.

  3. 6.

    Ein Ort zum Erholen vom stressigen Berufsalltag

  4. 5.

    Die Lage in Wittstock bleibt bei eine schöne Erinnerung.

  5. 4.

    Was ist das denn bei 1:42 für eine üble Qualmentwicklung? In einem derartigen Park erwarte ich saubere Luft! Zur Grünanlagenpflege gehört auch eine sachgemäße Abfallentsorgung!

  6. 3.

    Es war soooo schön. Als Hobbygärtnerin weiß ich wie viel Arbeit und Fleiß in so einem großen Projekt steckt. Die Laga ist absolut gelungen und sehr schade, dass sie vorbei ist.

  7. 2.

    Es hat uns sehr, sehr gut gefallen! War wirklich schön.

  8. 1.

    "Bleiben wird der restaurierte Bahnhof mit der Tourist-Information als wichtigem Anlaufpunkt für alle Gäste."

    Na schauen wir mal. Für die Laga 2013 in Prenzlau wurde auch der dortige Bahnhof schick gemacht, heute hat einer der Bahnsteige nicht mal mehr ein Dach. Und das schon seit August 2017.

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