Außenmauer der JVA Tegel
Audio: Inforadio | 01.10.2019 | Ute Schuhmacher | Bild: Arco Images/Schoening

Gescheiterter Fluchtversuch - "Maskenmann" hatte auch Wurfanker für Flucht gebaut

Der "Maskenmann" hat für seinen Fluchtversuch aus der JVA Tegel nicht nur mit Strom und Chemikalien hantiert, er hatte sich auch einen Wurfanker gebaut. Damit wollte er offenbar die Außenanlagen überwinden. Inzwischen ist er auf einer Abschirmstation untergebracht.

Der Häftling Mario K., der am Montag aus der JVA Tegel in Berlin flüchten wollte, hatte aus Tisch- und Stuhlbeinen seiner Zelle auch einen Wurfanker gebaut. Mit dem Anker und einem Seil aus Bettlaken habe er wahrscheinlich die Außenanlagen überwinden wollen, sagte Justizverwaltungssprecher Sebastian Brux am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. Laut Brux war das ein aussichtsloses Unterfangen: "Er hätte es nur bis zum Freigelände geschafft, auf das er sowieso jeden Tag darf."

K. sei nun vorerst auf einer Abschirmstation untergebracht und dürfe nur noch allein in den
Freigang.

Gitterstäbe durchgeschweißt

Der Gefangene hatte für seine Flucht mehrere aneinander gebaute Kugelschreibermienen benutzt, um vermutlich drei Stoffe auf das Metall der Gitterstäbe zu bringen. Mit Hilfe von Strom gelang es ihm, das Gitter zu durchtrennen. In seiner Zelle wurden laut Brux Zitronennetze, Putzmittel und Backzutaten gefunden. Jetzt werde geprüft, mit welchem Gemisch es gelang, die Gitterstäbe zu durchtrennen.  Wenn das klar ist, werde Berlin alle Haftanstalten in Deutschland informieren, sagte Brux. Denn bislang sei seines Wissens noch nie solch eine Methode zum Ausbruch genutzt worden.

Nachdem der Gefangene das Gitter durchtrennt hatte, seilte er sich aus dem Fenster ab. Den selbst gebauten Wurfanker schoss er mit Hilfe eines ebenfalls selbst gebauten Pfeils auf das Vordach seines Zellengebäudes. Mitarbeiter der JVA entdeckten den 52-Jährigen am frühen Montagmorgen vor dem Zellengebäude.

K. wurde als "Maskenmann" verurteilt

Der Ausbruchsversuch selbst ist nicht strafbar. Der Drang nach Freiheit wird juristisch als natürlich betrachtet. Nicht erlaubt ist hingegen Sachbeschädigung - und die wurde hier gleich mehrfach begangen, vom durschweißten Gitter bis zur Bettwäsche, aus der sich K. das Seil zum Fliehen geknüpft hatte.

K. wurde 2015 im sogenannten "Maskenmann-Prozess" am Landgericht Frankfurt (Oder) zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der Mann eine Millionärsfamilie in Bad Saarow überfallen und in Storkow (beides Oder-Spree) einen Manager entführt hat. Er trug bei den Taten jedes Mal eine Art Imkermaske. Rechtskräftig wurde das Urteil erst 2016, als der Bundesgerichtshof die Revision ablehnte.

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5 Kommentare

  1. 5.

    Der Prozess war eine Face, keine eindeutigen Beweise, nur Vermutungen. Hauptsache man konnte jemanden präsentieren. Außerdem, wie soll man sonst ausbrechen - geht nur beamen.

  2. 4.

    Der Prozess war eine Face, keine eindeutigen Beweise, alles Vermutungen. Aber man hatte jemanden. Wie soll man dann rauskommen - nur beamen.

  3. 2.

    RIAS-Berlin: "Professor Van Dusen und das sicherste Gefängnis der Welt" (Ursendung 25.10.1978), dort ist die Anleitung und verwendet wurde Salpetersäure.

  4. 1.

    Wer Lust hat sollte sich ruhig mal die Zeit nehmen und den ganzen Fall 'Maskenmann' anschauen.

    Werder die Ermittlungen noch die Prozesses scheinen ein Glanzlicht gewesen zu sein.
    https://www.tagesspiegel.de/themen/maskenmann/

    Sehr guter Übersichtsartikel bei dem man auch zu ganz anderen Schlüssen kommen kann:
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/die-komplette-exklusiv-recherche-neue-indizien-und-widersprueche-auf-der-spur-des-maskenmanns/11783922-all.html

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