Menschen flanieren mitten auf der Friedrichstraße. Die Geschäftsstraße ist noch bis Sonntagabend (06.10.2019) zwischen Französischer Straße und Mohrenstraße autofrei. Das Projekt soll ein Testlauf sein. (Quelle: dpa/A. Riedl)
Video: Abendschau | 04.10.2019 | Georg Berger | Bild: dpa/A. Riedl

Mehr Platz zum Flanieren - Friedrichstraße verwandelt sich in Fußgängerzone

"Flanieren statt fahren" - unter diesem Motto wirbt der Senat für einen Besuch der Berliner Friedrichstraße. Am Samstag und Sonntag ist sie teilweise für Autos gesperrt - für Rot-Rot-Grün ein Schritt in Richtung autofreie Stadt.

Es ist ein verkehrspolitisches Experiment: Am Samstag hat sich die Friedrichstraße, Berlins zentrale Einkaufsmeile, in eine Fußgängerzone verwandelt. Trotz des ungemütlichen Wetters flanierten Familien mit Kindern mitten auf der Fahrbahn. Vor den Geschäften waren Bänke, Pflanzen und verschiedene Stände aufgebaut.

Der Abschnitt zwischen Französischer Straße und Mohrenstraße ist bereits seit Freitagnachmittag für den Autoverkehr gesperrt. Stattdessen sollen Fußgänger Platz zum Flanieren bekommen - das verspricht zumindest das Motto "Friedrich, the Flâneur".

Damit sich für die Fußgänger der Besuch der zwischenzeitlichen Flaniermeile auch lohnt, sind unter anderem Modeschauen, Foodtrucks und Musik angekündigt. Außerdem sollen die Geschäfte auch am Sonntag geöffnet sein, von 13 bis 20 Uhr.

In der Nacht zum Montag wird die Sperrung wieder aufgehoben. Im Dezember vergangenen Jahres war die Straße bereits einmal für zwei Stunden gesperrt worden.

Schritt in Richtung autofreie Stadt

Der Bezirk Mitte sowie der Senat sehen in dem Experiment einen Ausgangspunkt für weitergehende Lösungen für die Friedrichstraße und einen Schritt in Richtung autofreie Stadt und sauberere Luft. Außerdem gibt es die Hoffnung, den Handel in der zuletzt kriselnden Einkaufsmeile anzukurbeln.

05.10.2019: Im Bild ist die Eröffnung des Friedrich, the Flaneur- Friedrichstraße ohne Autos Wochenende am U Bahnhof Französische Straße mit Regine Günther Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz und Stephan von Dassel Bezirksbürgermeister von Mitte zu sehen. (Quelle: imago-images/C. Spicker)
Bild: imago-images/C. Spicker

Hartes Pflaster für Einzelhandel

Die Friedrichstraße in Mitte war einmal eine über die Grenzen von Berlin hinaus bekannte Shopping-Meile. Luxus-Boutiquen, Edel-Cafés und in den (wenigen) Wohnungen das entsprechende Publikum. Doch inzwischen haben es die Einzelhändler in der Straße schwer: Immer wieder werden Läden dicht gemacht, zuletzt traf es sogar einen großen Mode-Konzern. Der Grund: Die Kunden blieben aus.

Sendung: rbb24, 04.10.2019, 21:45 Uhr

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42 Kommentare

  1. 42.

    Was soll bei diesem Test rauskommen?
    Dass man mit einem Sonntagsverkauf Kunden anlocken an? Dass viele Radfahrer keine 200 m laufen können?

    Wenn man man wirklich eine Aussage treffen will, müsste man die Friedrichtstrasse wie aktuell eine Woche lang sperren, aber keine Begleitveranstaltungen und erst Recht keinen Sonntagsverkauf anbieten. Schließlich stehen auch andernsorts in den FuZo nicht immer Imbiß-Laster rum und Modeschauen sind eher selten.

    Günther und von Dassel werden sicherlich vor die Presse treten und von einem vollen Erfolg sprechen, weil viele Menschen gekommen sind. Dass das vielfach wegen besonderer Randbedingugnen geschah, werden die garantiert ebenso geflissentlich verschweigen wie die weiterhin die Autofrei-Halbwahrheit verbreiten werden.

  2. 41.

    Wir haben uns das "Treiben" oder "den richtigen Schritt zur autofreien Stadt", am Samstag angetan. Irgendwie sehr nackt und lieblos sah der verkrampfte Versuch aus für saubere Luft zu sorgen. Jede Menge Polizei haben wir gesehen, die uns schützen sollten. Diese haben sich in Ihren Polizei- Sammeltaxis bei laufenden Diesel- Motoren gewärmt.
    So ist das der falsche Weg, ganz bestimmt...

  3. 40.

    Der ÖPNV ist für Pendler und Menschen die am Stadtrand wohnen eine Zumutung.....das ist kein Rumgeheule, sondern eine Tatsache. Viele die hier heulen, fahren jeden Tag mit dem ÖPNV und wissen wovon sie reden.

  4. 39.

    Aber das geht doch nicht. Wenn an an drei von 365 Tagen im Jahr in einer Straße nicht Autofahren darf, dann beginnt mindestens die Ökodiktatur wenn nicht der Weltuntergang.
    Oder so ähnlich klingen einige der Meinungen hier.
    Ich bin absolut für solche Aktionen. Und wer jetzt rumheult wie schrecklich der ÖPNV ist hat ihn lange nicht genutzt. Es soll ja auch noch Menschen geben die laufen weiter als bis zum Auto, unglaublich was?

  5. 38.

    Es wird doch einmal möglich sein einen Straßenzug im Innenstadtbereich räumlich und zeitlich befristet zu Testzwecken für den Autoverkehr zu sperren. Vor allem am Sonntag wird kaum geliefert und aus dem Umland kommen kaum Pendler mit dem Auto zur Arbeit.
    Daher laßt es einmal ausprobieren und dann wird man Erfahrungen sammeln.----

    das Ergebnis wird sein, das die Schadstoffbelastung ohne Lieferverkehr und ohne die ganzen Pendler ein klein wenig runter gehen. Dazu noch nass kaltes Wetter, welches die Schadstoffe größtenteils aus der Luft spült und der Meinung ist, das ohne Autos die Straßen "sauber" sind.

    -"Wer „flaniert“ denn im nasskalten Herbst samstags auf der Friedrichstraße?!"-
    Wozu sollte man das machen? Überteuerte Preise aufgrund höhere Mieten der Gebäude, höhere Stundenlöhne aufgrund höhere Lebenshaltungskosten in der "Hauptstadt" (der Schildbürger)? Man bekommt alles streßfreier und günstiger ohne Plastiktüten im Onlinehandel. Boykottieren wir halt Berlin

  6. 37.

    Wer „flaniert“ denn im nasskalten Herbst samstags auf der Friedrichstraße?! Die Touristen sind weg und die Angestellten zu Hause. Aber vielleicht verteilt der Bezirk ja auch Winkelemente für die Pressephotos, mit denen dann der "Erfolg" gefeiert wird.

  7. 36.

    Außer Erich und den Detektiven konnte wohl im grenznahen Bereich zwischen Checkpoint Charlie und Tränenpalast (angeblich 200 Tote wegen der Schikanen) niemand fröhlich und regelmäßig Broiler essen. Auto- und panzerfrei war die Friedrichstraße damals wohl nicht, der Feinstaubgehalt und der Geruch der Luft eher nicht besser als heute. Dann kam der böse Kapitalismus, und Dolce Vita war vorbei ...

  8. 34.

    Früher haben wir dort gern unsere Broiler genossen.
    Bevor der Kapitalismus alles zerstört hat.
    Schön war die Zeit.

  9. 33.

    Ich kann keinen Mehrwert erkennen, wenn man sich innerhalb Berlins nach dem Vorbild der Veranstaltung auf Friedrichstrasse nur noch mit dem SPNV oder zu Fuß fortbewegen dürfte. Dieser Schritt geht in die falsche Richtung. Die Akzeptanz sehr vieler Fahrzeugführer für solche Maßnahmen als Dauerlösung ist zudem gering. Das sieht man am Alex.

  10. 32.

    Bin ein individueller Automobilist und Konservativer sowie Vertreter von Recht und Ordnung im öffentlichen Raum. Daher kein Angänger von Grünen und Linken.
    Aber:
    Staus, Schadstoffbelastung sowie begrenzter Fahr- und Parkraum bewegen die gewählten Volksvertreter zum Handeln.
    Es wird doch einmal möglich sein einen Straßenzug im Innenstadtbereich räumlich und zeitlich befristet zu Testzwecken für den Autoverkehr zu sperren. Vor allem am Sonntag wird kaum geliefert und aus dem Umland kommen kaum Pendler mit dem Auto zur Arbeit.
    Daher laßt es einmal ausprobieren und dann wird man Erfahrungen sammeln.

  11. 31.

    mal abgesehen von diesem autofreiem Schwachsinn, wer will da überhaupt flanieren in dieser hässlichen Gegend?

  12. 30.

    Dann fahre ich nicht in die Innenstadt - wozu auch. Gibt alles im Internet - keine Tüten (Papier) schleppen, keine überfüllten Läden und vor allem kein Geschupse und Gedränge, irgendwelche Rucksäcke im Gesicht, rücksichtslose Radfahrer, die sich noch reindrängeln müssen (da frage ich mich, wozu sie das Fahrrad haben und dann doch Bahn fahren).

  13. 29.

    Das übliche "Alle-Autos-raus"-Geschreie lässt wieder einmal höchst intolerante, ja autoritäre Züge erkennen.
    In einer Demokratie sollte man sich um Kompromisse bemühen, das scheinen einige völlig vergessen zu haben (s. Klima-Proteste).
    Warum kann man nicht versuchen, einen Konsens zu finden, der keinem Verkehrsmittel seine Daseinsberechtigung abspricht?
    Die Friedrichsstraße ist tatsächlich mit dem vielen Autoverkehr unattraktiv und für eine Fußgängerzone hundertmal besser geeignet als Unter den Linden.
    Aber dann soll man bitte ein sinnvolles Gesamtkonzept erarbeiten: U6 im Zwei-Minuten Takt, bessere Beschilderung und grüne Wellen auf Umgehungsstraßen, die Wilhelmstraße endlich wieder öffnen etc.

  14. 28.

    Was ist nun daran Besonders? Straßenfeste gibt es überall in der Stadt, die Straße wird übers Wochenende gesperrt und ein paar Buden stehen da. Verstehe die Diskussion nicht.

  15. 27.

    Sicherlich nur ein winziger Schritt; und auch ein fragwürdiger Anlass (den KOnsum zu fördern), Aber trotzdem erfreulich, dass die Politik endlich erkannt hat (und auch reagiert), dass die autogerechte Stadt eine gescheiterte bzw. überholte Ideologie ist. Für uns Bürger ein Mehrwert.

  16. 26.

    ".. und dafür shoppen, shoppen, shoppen. Wo bleibt das der Gewinn für die zB Umwelt?
    PS: "Foodtrucks" könnte man übrigens auch als "Imbisswagen" bezeichnen. Noch sind wir eine deutsche Hauptstadt. "

    PS: "shoppen" könnte man übrigens auch als "einkaufen" bezeichnen. Noch sind wir....

  17. 25.

    @rbb24: "Am Samstag und Sonntag ist sie teilweise für Autos gesperrt" Im Video sind bereitstehende Schilder 250 ohne Zusatzzeichen zu sehen. Es gilt deshalb ein Verkehrsverbot für Fahrzeuge aller Art. Würde es nur für Autos gelten, müsste z.B. das Schild 251 aufgestellt werden.

  18. 24.

    (Teil2) woher wollen SIE wissen, wie das "private" Fahrzeug auf den Straßen genutzt wird? Wie wollen SIE das beurteilen?

    Man stellt es ja schon bald so hin, das jeder Autofahrer in der Stadt nichts besseres zu tun hat, als 24/7 privat ohne Sinn und Verstand die Straßen rauf und runter zu fahren und nichts anderes mehr machen!
    Als ob es eine Freude ist, kollektiv im Stau, an roten Ampeln oder im Schleichtempo auf Berlins Straßen unterwegs zu sein!

    Juhuu... wie geil! Stau... ich freu mich...
    glauben Sie echt, das jeder Autofahrer in seinem Auto so denkt???

    Wenn es um Umweltschutz oder nun Klima geht, soll mal der Staat und alles im öffentlichen Raum anfangen und "Vorbild" sein! Sollen die doch mal ihre komplette Fahrzeugflotten umstellen. Ohne wenn und aber. Viele Fahrzeuge erfüllen noch nicht mal Euro 1 oder 2 und fahren ohne Plakette im Ernstfall durch Berlin!
    UND DANN ERST kann man an den "kleinen Bürger" Vorderungen stellen!

  19. 23.

    (Teil1)Macht es also ein Fahrzeug "sauberer", wenn es im Nutzen der Allgemeinheit eingesetzt wird?
    Unabhängig davon, wieviele Personen darin aktuell befördert werden / könnten? Es gibt von hoffnungslos überfüllt bis komplett leer alles.

    Ich denke mal nicht!
    Ansonsten könnte ich ja irgend nen "Hansel" vom Straßenrand 5 Meter mit nehmen und dort raus werfen und den nächsten "Seppel" einladen um den 5 Meter weiter wieder an die Luft zu setzen... - denn anderes ist der ÖPNV in Berlin ja auch nicht. Also würde ich dann ja in diesem Zeitraum nicht privat fahren sondern für die Allgemeinheit da sein.
    (sorry, das ich nur 1 Person mitnehmen kann, da der Rest vom Fahrzeug mit Material und Waren voll ist)

    Vielleicht sollte man mal hinterfragen, WARUM "private" Fahrzeuge (oder nicht gekennzeichnete Firmenfahrzeuge) auf den Straßen unterwegs sind? Warum man mit dem ÖPNV NICHT zur Arbeit oder wieder nach Hause kommt? Oder ohne "privaten Gebrauch" seine Arbeit nicht ausüben kann???

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