Archivbild: Das Holzmarktbad in der Holzmarktstraße in Berlin-Friedrichshain. (Quelle: imago images/M. Elsässer)
Audio: Inforadio | 31.10.2019 | Ute Schuhmacher | Bild: imago images/M. Elsässer

Schwimmbad in Berlin-Friedrichshain - Über neuem Holzmarktbad könnten Wohnungen entstehen

In Friedrichshain gibt es derzeit kein nutzbares Hallenbad. Das Bad in der Holzmarktstraße ist marode und zu. Die Bäderbetriebe würden gerne ein neues bauen - und obendrauf noch Wohnungen und Büros. Doch so einfach ist das nicht. Von Ute Schuhmacher

Es ist 43 Jahre her: Im Jahr 1976 wurde die Schwimmhalle Holzmarktstraße gebaut. Im vergangenen Jahr allerdings musste das Bad schließen, weil die Bausubstanz und die technischen Anlagen des Gebäudes in der Nähe des Berliner S-Bahnhofs Jannowitzbrücke sehr marode sind. Seitdem gibt es im Bezirk Friedrichshain kein öffentliches Hallenbad mehr. Freizeitschwimmer, genauso wie Schulen und Vereine, müssen auf Nachbarbezirke ausweichen. Aber auch die sind nicht gerade reich gesegnet mit Schwimmhallen. Deshalb soll eine neue Halle her. Und noch dazu: Wohn- und Gewerbehäuser.

Bäderbetriebe wollen nicht sanieren, sondern neu bauen

Nun könnte die Schwimmhalle Holzmarkstraße zwar auch saniert werden, doch halten die Berliner Bäderbetriebe davon nichts. In einer Vorlage an das Abgeordnetenhaus rechnen sie vor, dass eine Sanierung rund sieben Millionen Euro kosten würde und man damit immer noch nur ein einziges 25-Meter-Schwimmbecken hätte - viel zu wenig für das Einzugsgebiet.

Die Bäderbetriebe wollen lieber das alte Bad abreißen und ein ganz neues hinstellen, das dann zwei 25-Meter-Becken hätte. Eines der beiden könnte dann von Vereinen und Schulen genutzt werden, das zweite von den Freizeitschwimmern. Zusätzlich zu den 25-Meter-Becken soll es ein Nichtschwimmerbecken sowie ein Sonderbecken geben, das dann für Kurse  genutzt werden könnte - etwa für Aquafitness oder Babyschwimmen.

Wieviel das kosten würde, könne noch nicht gesagt werden, steht in der Vorlage an das Abgeordnetenhaus. Das hänge auch davon ab, ob man Geld darüber einnehmen kann, dass man einen Teil des Grundstücks verkauft.

Hybridnutzung birgt Probleme

Verkauft werden sollte ein Teil des Grundstücks nach dem Vorschlag der Berliner Bäderbetriebe an die dem Land Berlin gehörende Berlinovo, die auf dem Gelände ebenfalls bauen könnte: Rund um und über der Schwimmhalle könnten bis zu 600 Studentenwohnungen, normale Apartments, Büro- und Gewerberäume entstehen. Mit so einer Mischkalkulation ließe sich das Projekt für 120 bis 132 Millionen Euro finanzieren, so steht es zumindest in der Vorlage an das Abgeordnetenhaus. Die finanzielle Spanne erklärt sich demnach so: Je nachdem, was tatsächlich gebaut wird, wird es billiger oder teurer.

Es liegt nahe, den freien Luftraum über einem Schwimmbad für Wohnungen zu nutzen - und das auch noch mitten in der begehrten Innenstadt. Aber was logisch klingt, ist gar nicht so leicht umzusetzen, denn das Grundstück, auf dem das Schwimmbad steht, ist eine Sportfläche. Auf ausgewiesenen Sportflächen darf jedoch nichts anderes stehen als Sportstätten - auch dann nicht, wenn es die Sportstätte an sich gar nicht beeinträchtigt.

Unter anderem deshalb ist hier das Abgeordnetenhaus gefragt: Die Abgeordneten müssten das Grundstück aus der Sportbindung entlassen, was Sportpolitiker jedoch normalerweise mehr als ungern machen. Entsprechend viel Überzeugungskraft dürften die Berliner Bäderbetriebe und die Berlinovo brauchen. Am Freitag stellten sie ihr Vorhaben im Sportausschuss des Abgeordnetenhauses vor.

Beitrag von Ute Schuhmacher

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6 Kommentare

  1. 6.

    Oder anders gesagt: es gibt überhaupt noch keine solide Planung für das Bad (das inzwischen schon geschlossen ist) und wir sind in der Luftschlossphase.

    Was hier besonders schade ist. Das ist der älteste Bau dieses Typs den es weltweit noch gibt. Ein echtes Denkmal für den Schwimmbadbau der DDR und das vielleicht prototypischste Gebäude für die DDR-Schwimmbäder überhaupt. Während es beim Ahornblatt und dem Palast immerhin noch eine Diskussion gab, geht das hier sang- und klanglos (und ohne absehbaren Nachfolger) unter.

  2. 5.

    » Es liegt nahe, den freien Luftraum über einem Schwimmbad für Wohnungen zu nutzen - und das auch noch mitten in der begehrten Innenstadt. Aber was logisch klingt, ist gar nicht so leicht umzusetzen, denn das Grundstück, auf dem das Schwimmbad steht, ist eine Sportfläche. Auf ausgewiesenen Sportflächen darf jedoch nichts anderes stehen als Sportstätten - auch dann nicht, wenn es die Sportstätte an sich gar nicht beeinträchtigt. «

    Welch ein Irrsinn in dieser Stadt! Mir als Laie erscheint diese Idee der Überbauung gut.

  3. 4.

    Bürokratie und gesunder Menschenverstand sind nicht immer identisch.

  4. 3.

    Vielleicht sollte man die Sportbindung lieber entsprechend abändern dass Mischnutzung auch erlaubt ist. So wird verhindert dass die Sportstätte ganz verschwindet wenn man das Grundstück aus der Bindung entlässt und trotzdem können Wohnungen enstehen.

  5. 2.

    Das ist doch mal eine sinnvolle Idee. Wenn die zuständigen Abgeordneten dieses Grundstück nicht aus der Sportbindung nehmen, dann kann man nur mit dem Kopf schütteln.

  6. 1.

    Wohnungen sind wichtig-------da sollten die "Sport"-Aggeordneten mal über ihren Schatten springen

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