Manfred Hild, Professor an der Beuth Hochschule für Technik in Berlin, untersucht eine Einheit des "Myon"-Roboter am 13.09.2016 (Quelle: dpa/Gregor Fischer)
dpa/Gregor Fischer
Audio: Radioeins | 09.10.2019 | Interview mit Manfred Hild | Bild: dpa/Gregor Fischer Download (mp3, 6 MB)

Interview | Robotik bei Talking Science - "Mit Robotern in die echte Welt zu gehen, ist völlig anders"

Drei prominente Wissenschaftler werden am Donnerstag beim rbb erklären, wie sie die Welt besser machen wollen. Mit dabei ist auch Manfred Hild, Professor für Robotik in Berlin. Seine Roboter, verrät er im Interview, will er auf jeden Fall mitbringen.

rbb: Herr Hild, sie referieren am Donnerstag bei Talking Science 14 Minuten lang über Robotik – ein höchst komplexes Thema. Warum lassen Sie sich darauf ein?

Manfred Hild: (Lacht) Na ja, im Gegensatz zu diesem Radiointerview ist es ein bewegtes Bild. Wir werden Roboter mitbringen und illustrieren, was man sich unter humanoider Robotik vorstellen muss. Da sehe ich zwar nicht die Chance, in 14 Minuten die Welt zu retten - aber zumindest in 14 Minuten darzulegen, was man besser machen kann. Und wie man vielleicht die Weichen so stellt, dass wir tatsächlich in 30, 40 Jahren noch da sind. 

Bislang denkt man bei Robotik eher an die Gefahren. Wenn wir nach China gucken, an die Überwachung, wird einem schon ein bisschen anders. Wie sehen Sie das?

Wir werden am Donnerstag erstmal gucken, was gerade passiert, wohin die Reise geht. Und KI, Künstliche Intelligenz und Robotik, ist eine zweischneidige Geschichte. Es gibt auch sehr pfiffige Algorithmen, die in der Medizin bei der Diagnosestellung oder dem Finden neuer Medikamente helfen. Wie bei allem kann es Fluch oder Segen sein. Aber es gibt natürlich auch Staaten, die solche Technologien einsetzen wollen, um die Bürger zu überwachen. Es geht um Macht und Geld. Das heißt zunächst wird es die Aufgabe sein, zu überlegen: Was sind die Chancen, was sind die Risiken, und warum ist das so?

Sie haben bei der Veranstaltung nur wenig Zeit und stehen vor einem Laienpublikum. Wie bereiten Sie sich vor?

Das Thema ist sehr vielschichtig. Ich habe einige Kernpunkte, die ich auf jeden Fall loswerden möchte, und die auch verständlich sind. Wir haben hier auch einen Studiengang, bilden Studierende aus und erziehen sie zu verantwortlichem Denken. Das zwingt einen immer –  zumindest im ersten Semester – nicht mit der Fachsprache rumzusimpeln. Das ist hoffentlich morgen kein großes Problem.

Nach Ihren Vorträgen stehen Sie gemeinsam mit Ihren beiden Kollegen an den Science-Bars dem Publikum Frage und Antwort. Wie wichtig ist ein Austausch mit Nichtforschern für Sie? 

Das ist aus verschiedenen Gründen enorm wichtig. Forschung macht viel Zeit im Labor aus, wo man kontrollierte Bedingungen hat. Mit den Robotern und Algorithmen in die echte Welt zu gehen, wo Licht und Ton völlig anders ist – da sieht man, ob das wirklich so funktioniert, wie man sich das überlegt hat. Das ist der eine Aspekt. Zweitens liefert gerade die Diskussion mit der Gesellschaft – auf Events, Podiumsdiskussionen, bei Vorträgen – wichtige Impulse. Man kann manchmal Bedenken ausräumen, aber oft wird man auch auf Dinge hingewiesen, die man vielleicht noch nicht bedacht hat. Das ist eine wechselseitige Geschichte und immer sehr spannend.

Es gibt natürlich Fragen, die immer wiederkommen, etwa: Wann gibt es Roboter, die für mich den Haushalt machen? Aber es gibt auch gesellschaftlich-philosophische Fragen – über die Existenz, den Umgang mit der Umwelt. Falls – was wahrscheinlich nicht passieren wird – ich Gefahr laufe, vor den 14 Minuten mit meinem Vortrag fertig zu sein, gibt es noch genügend Themen, die ich ergänzen kann. Ansonsten sieht man sich dann bei einem Kaltgetränk bei der Bar.

Vielen Dank für das Gespräch.

Mit Prof. Dr. Manfred Hild sprach Nancy Fischer für Radioeins. Dieses Gespräch ist eine gekürzte und leicht bearbeitete Version. Das Originalinterview können Sie mit Klick auf das Audiosymbol im Headerfoto des Artikels nachhören.

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