Einsatzkräfte der Polizei stehen neben einem Polizeifahrzeug am Tatort in Berlin-Moabit (Quelle: dpa/Zinken)
Bild: dpa/Paul Zinken

Mord an Georgier in Berlin-Moabit - Russische Diplomaten besuchten Tatverdächtigen im Gefängnis

Im Fall des Mordes an einem Georgier in Berlin gibt es offenbar weitere Hinweise auf eine Beteiligung Russlands. Einem Zeitungsbericht zufolge sollen russische Diplomaten den mutmaßlichen Mörder kurz nach der Tat im Gefängnis besucht haben.  

Nach dem Mord an einem Georgier in Berlin-Moabit im August sind offenbar neue Indizien aufgetaucht, die darauf hindeuten, dass der russische Geheimdienst in die Tat verwickelt ist. Nach einem Bericht der Wochenzeitung "Die Zeit" [zeit.de, €] wurde der mutmaßliche Mörder kurz nach der Tat von zwei russischen Diplomaten im Gefängnis besucht. Die beiden Russen sollen sich ausführlich mit dem Verdächtigen unterhalten haben. Das Gespräch fand auf Russisch und ohne Aufsicht statt. Nach dem Übereinkommen über diplomatische Beziehungen ist diese Betreuung erlaubt. Eine so schnelle und intensive Reaktion gilt aber als ungewöhnlich.

Opfer soll gegen Russland gekämpft haben

Die Ermittlungen zur Tatwaffe ergaben nach Informationen der "Zeit", dass die Pistole der Marke Glock 1986 von Österreich nach Estland verkauft wurde, in den Einflussbereich der damaligen Sowjetunion. Später wurde der Lauf der Waffe ausgetauscht, womöglich, um Spuren zu verwischen. Die Polizei soll davon ausgehen, dass dem Verdächtigen die Waffe auf dem Weg von Warschau nach Berlin übergeben wurde. Die Berliner Staatsanwaltschaft äußerte sich zunächst nicht.

Der Russe wird dringend verdächtigt, am 23. August den 40-jährigen Tschetschenen mit georgischer Staatsangehörigkeit in einem kleinen Park in Berlin-Moabit erschossen zu haben. Das Opfer soll Anfang der 2000er-Jahre gegen Russland gekämpft haben.

Bundestags-Innenausschuss soll sich mit Fall beschäftigen

Das Nachrichtenmagazin "Spiegel" [spiegel.de] hatte berichtet, dass russische Behörden aktiv bei der Schaffung der falschen Identität des mutmaßlichen Mörders mitgewirkt haben sollen. Darauf sollen Sperrvermerke in der Datenbank für nationale russische Ausweispapiere hindeuten. Die Nummer des falschen Reisepasses soll zu einer Abteilung im russischen Innenministerium führen, die in der Vergangenheit Dokumente für den Militärgeheimdienst GRU ausstellte.

Ein russischer Regierungssprecher sagte: "Dieser Fall hat natürlich nichts mit dem russischen Staat und seinen Behörden zu tun." Deutsche Politiker hatten zuletzt Konsequenzen gefordert. Die FDP beantragte, dass der Bundestags-Innenausschuss sich am 16. Oktober mit dem Fall beschäftigen soll. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe verfolgt die Ermittlungen nach eigenen Angaben seit Wochen. Nach der gesetzlichen Grundlage ist die Bundesanwaltschaft dann zuständig, wenn es den konkreten Verdacht gibt, dass hinter einer Tat der Geheimdienst einer fremden Macht stehen könnte.

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10 Kommentare

  1. 10.

    Der VERMEINTLICHE Mörder war wie jeder Beschuldigte in seiner Vernehmung verpflichtet, seine Personalien anzugeben. Zum Tatvorwurf darf ein Beschuldigter schweigen. Wie er sich verhalten hat, wissen wahrscheinlich weder Sie noch ich. Wenn man mir im Ausland eine Straftat von solcher (auch politischen) Tragweite vorwerfen würde, bestünde ich auf alle Fälle auf mein Recht auf den diplomatischen Beistand Deutschlands.

  2. 7.

    Der böse, böse Russe, wie kann man nur. Der kann sich bewegen oder still sein, wie er will - er ist immer schuldig. Er macht einfach nicht, was er soll - so ein Sturrkopf aber auch.

  3. 6.

    Der böse, böse Russe, wie kann man nur. Der kann sich bewegen oder still sein, wie er will - er ist immer schuldig. Er macht einfach nicht, was er soll - so ein Sturrkopf aber auch.

  4. 5.

    Hier möchte man doch einen schönen Krimi daraus zaubern, weil Deutschland so etwas ab und zu braucht! So viel Quatsch kennt man aus amerikanischen Filmen, wo der Zuschauer nicht lange überlegen muss, wie das Ende aussieht!

  5. 4.

    Passt Ihnen gar nicht, das Mütterchen Russland und ihre Mannen vom Geheimdienst (seiner Majestät Putin) die Hände im Spiel haben. Darauf läuft es doch hinaus. Setzen Sie mal Ihre Scheuklappen ab und schauen auch mal nach links und rechts.

  6. 3.

    1. Hat der mutmaßliche Mörder gegenüber der Polizei angegeben, Russischer Staatsbürger zu sein und dies belegt?
    2. Hat die Russische Föderation diese Person als ihren Staatsbürger anerkannt?

    Zu eins ist mir nichts bekannt. Zu zwei meine ich, Gegenteiliges gelesen zu haben. Haben Sie Informationen hierzu, die Sie verlinken können?

    Wenn Beides zum Zeitpunkt des Besuchs der russischen Diplomaten nicht der Fall war, sehe ich nicht ein, warum man ihnen den Besuch des Tatverdächtigen ermöglicht hat.

  7. 2.

    Ihre Stellungnahme zu dem überaus prompten Besuch der beiden Botschaftsmitarbeiter ist, ohne dass Sie es wollten, Realsatire.
    Gut gebrüllt Löwe, wer hat sie beauftragt?

  8. 1.

    Jeder Beschuldigte wird bei der Verkündung des Haftbefehls darüber belehrt, dass er das Recht hat, dass seine Botschaft über seine Inhaftierung informiert wird, wenn diese nicht sowieso von Amts wegen informiert werden muss. Das bedeutet, dass er einen Anspruch auf die Unterstützung seitens seines Landes hat. Da dieser Fall international hohe Wellen geschlagen hat, ist es nicht verwunderlich, dass dieser Beschuldigte Besuch von seiner Vertretung bekam. Das bedeutet doch noch lange nicht, dass der russische Geheimdienst dahinter steckt.

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