Ein Polizist steht mit einer Maschinenpistole bewaffnet am Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz (Quelle: dpa/Kappeler)
Audio: Inforadio | 18.10.2019 | Nachrichten | Bild: dpa/Kappeler

Verloren oder gestohlen - Berliner Polizei vermisst noch sieben Waffen

Auf der Toilette vergessen, gestohlen oder sonstwie abhanden gekommen: Die Berliner Polizei hat seit 2010 zehn Schusswaffen aus den Augen verloren. Sieben sind immer noch verschwunden, darunter eine Maschinenpistole.

Der Berliner Polizei sind seit 2010 insgesamt zehn Waffen verloren gegangen. Drei davon konnten wieder aufgefunden werden, wie aus der Antwort der Innenverwaltung auf eine parlamentarische Anfrage hervorgeht [pardok.parlament-berlin.de]. Außerdem sind zahlreiche Einsatzmittel wie Schlagstöcke, Schutzwesten und Munition verschwunden, wie ein zweites Dokument zeigt [pardok.parlament-berlin.de].

Gestellt hatten die Anfragen die Grünen-Abgeordnete June Tomiak und Niklas Schrader von der Linken.

Neun Sig Sauer und eine MP7

Bei den verloren gegangenen Waffen handelt es sich in neun Fällen um Pistolen (SIG Sauer P6), einmal um ein Maschinengewehr (Heckler & Koch MP7). Über diese Waffe hatte auch rbb|24 berichtet.

Zwei Mal hatten Beamte ihre Waffe auf einer Toilette vergessen: einmal auf einer Tankstelle und einmal auf einem Polizeiabschnitt. Beide Waffen tauchten wieder auf. Im Fall der Tankstelle hatte eine "Person" sie gefunden. "Im Zuge der eingeleiteten Ermittlungen konnte diese Person namhaft gemacht und die Dienstwaffe wieder aufgefunden werden", heißt es in der Antwort der Senatsinnenverwaltung. Im zweiten Fall fand ein Kollege die Waffe und "sicherte" sie.

Die dritte später wieder aufgefundene Waffe befand sich zuvor in einem zivilen Dienstfahrzeug, das beschädigt wurde. Danach seien die "darin befindlichen Gegenstände (u.a. eine Dienstwaffe) in die Spree geworfen worden".

Die sieben weiterhin vermissten Waffen wurden bei Wohnungseinbrüchen (3x) oder Diebstahl (2x) entwendet. Zu einem Fall gibt es keine Details - hier läuft noch ein Ermittlungsverfahren. Und wie und wo die Maschinenpistole abhanden gekommen ist, ist der Innenverwaltung nicht bekannt.

Der Polizei wurden in den letzten fünf Jahren außerdem insgesamt 193 Schuss Munition, 708  Reizstoffsprühgeräte, 78 Schlagstöcke und 231 Mehrzweckstöcke als gestohlen oder verloren gemeldet. Außerdem sind 26 ballistische Schutzwesten nicht mehr auffindbar. [pardok.parlament-berlin.de]

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12 Kommentare

  1. 12.

    Mein Ex-mann ist Polizist und hat immer vermieden, in Uniform zur Arbeit und zurück zu fahren, weil er dann zwar den Nahverkehr kostenlos hätte nutzen können, aber eben die Dienstwaffe hätte mitnehmen müssen. Nach seiner Aussage hätte er dann auch zu Hause einen Safe einbauen müssen und Munition und Waffe getrennt und verschlossen lagern. Insofern frage ich mich schon, wie Waffen bei Wohnungseinbrüchen abhanden kommen können. Ich glaube kaum, dass die Vorschriften aufgeweicht wurden...

  2. 10.

    "Auf der Toilette vergessen ... oder sonstwie abhanden gekommen" wäre in meiner Militärzeit un-vor-stell-bar gewesen. Waffen wurden grundsätzlich nicht aus der Hand gelegt. Nicht mal beim... Und "gestohlen" hätte eine Welle ausgelöst, die man sich in den kühnsten Albträumen nicht vorstellen mag. Die Schlampigkeit, mit der hier mit Waffen umgegangen wird, läßt darauf schließen, wie die Truppe geführt wird.

  3. 9.

    Weder um den Hals, noch an der Kleidung - ans Holster - in einer händelbaren Länge. Es verhindert zumindest, das ich den "Ballermann" auf dem Klo oder sonstwo vergesse. Klappert eben beim aufstehen. Nimmt mir jemand meine Waffe ab, ist entweder besser oder ich habe gepennt. 100% Sicherheit gibt es nicht.

  4. 8.

    Verschwundene Ausrüstung und Dienstwaffen weisen ganz klar auf erhebliche Defiziete im Bereich Ausbildung, Verwaltung und Führung hin und sind ein Skandal. Nicht gerade verwunderlich bei der Berliner Polizei. Eine HK MP 7 in den Händen von Terrorristen wäre eine Katastrophe.

  5. 7.

    Eine Waffe an eine Schnur binden und dann an der Kleidung befestigen? Und wie wird verhindert, dass der Polizist eben an dieser Schnur durch die Gegend gezogen wird, ohne jede Chance auf selbstständige Befreiung? Die Waffe müsste ja an einer reißfesten Schnur, um den Rumpf verläuft - aber nicht den Hals erreichen kann - befestigt sein, damit wäre sie auch im Notfall nicht lösbar.
    Eine technische Lösung, welche den Verlust verhindert, bringt andere Probleme mit sich.

  6. 6.

    Sie waren leider schneller.
    @rbb-24-nutzer ... ein Link
    https://de.wikipedia.org/wiki/Tonfa
    Das ist, entsprechend benutzt, eine tödliche Waffe. Die verniedlichende Bezeichnung "Mehrzweckstock" passt zu dem Zeitgeist. Selbst ein Besenstil ist ein Mehrzweckstock - man denke an "Stockkampf".

  7. 4.

    Angesichts eines sich zunehmend militarisierenden Rechtsextremismus, inkl. Reichsideolog*innen, und in Anbetracht rechtsterroristischer Anschläge etc. sowie unter Berücksichtigung von Ausbildung und Ausrüstung einer "Schattenarmee" im Sinne des sog. "Hannibal-Netzwerks" wirken diese Verluste besorgniserregend, auch wenn es zahlenmäßig nicht überwältigend viele zu sein scheinen.

    Warum dürfen Polizist*innen Dienstwaffen mit nach Hause nehmen? Weil der Arbeitsweg als Dienstzeit zählt und sie währenddessen voll ausgerüstet sein sollen? Da wirken selbst Schützenvereine organisierter.

    Ich weiß nicht, was ein Mehrzweckstock der Polizei ist, Schlagstock ist ja selbstredend.

  8. 3.

    Tja... Abhilfe schafft eine Waffenkammer, so wie bei der Bundeswehr, wo die Waffen und Ausrüstung zu Dienstbeginn gegen Unterschrift in Empfang genommen wird und zu Dienstende wieder abgegeben wird.

    Das würde schon mal verlorene Waffen bei Wohnungseinbrüchen verhindern.
    Des weiteren würde jeder besser auf seine Ausrüstung acht geben.

    Damit Dienstwaffen nicht mehr irgendwo liegen gelassen werden, könnte man diese ja - hört sich doof an - an eine Schnur packen. Vorzustellen wie eine Hundeleine, die sich ein und ausrollen kann. Festgemacht an der Kleidung. Dann bleibt wenigstens auf dem WC nichts mehr liegen, wenn die Blase drückt.

    Nicht auszudenken, wenn mit diesen Waffen Verbrechen begangen würden - wie soll der Beamte, der die verloren hat, unter Umständen beweisen, das er damit nichts zu tun hat

  9. 2.

    Das scheint ja ein ganz schön unsortierter Haufen zu sein.

  10. 1.

    Irgendjemand wird sie schon gefunden haben.
    Es ist nicht nachvollziehbar. Was ist das für eine Ordnung oder Unordnung, gibt es keine Kontrollen?

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