Ein umgekippter Feuerwehrwagen liegt am 05.09.2017 auf der Autobahn 2 kurz hinter der Ausfahrt Netzen (Brandenburg). (Quelle: dpa/ Zinken)
Video: rbb24 | 01.10.2019 | Nachrichten | Bild: dpa/ Zinken

Zwei Jahre Haft - Unfall mit zwei toten Feuerwehrleuten: Lkw-Fahrer verurteilt

Es war ein tragischer Unfall, der ganz Brandenburg bewegte: Im September 2017 waren zwei Feuerwehrleute im Einsatz gestorben, nachdem ein Lkw in eine Unfallstelle gerast war. Nun wurde der Fahrer final zu zwei Jahren Haft verurteilt. Er war am Steuer eingeschlafen.

Weil er den Tod von zwei Feuerwehrleuten verursacht hat, ist ein LKW-Fahrer im Berufungsprozess vor dem Landgericht Potsdam zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Die Strafe hat das Gericht am Dienstag nicht zur Bewährung ausgesetzt. In ihrem Plädoyer hatte die Staatsanwaltschaft eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten gefordert, die Verteidigung hatte auf Bewährung plädiert.

"Der Angeklagte hat infolge von Fahrlässigkeit einen schrecklichen Unfall verursacht, bei dem zwei Menschen starben", sagte Richterin Ulrike Phieler-Morbach. Er habe sich unter anderem wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung sowie fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung strafbar gemacht. Das Gericht ist davon überzeugt, dass der 58-Jährige am Steuer eingeschlafen ist.

Unfallstelle war taghell ausgeleuchtet

Damit setzte das Gericht die im ersten Urteil vom Amtsgericht Brandenburg/Havel verhängte Strafe von zweieinhalb Jahren herab. Laut Gutachten war der Lkw-Fahrer am frühen Morgen des 5. September 2017 auf der A2 bei Lehnin (Potsdam-Mittelmark) mit seinem Sattelzug und überhöhter Geschwindigkeit in eine Unfallstelle gerast und hat dadurch den Tod der beiden Retter verursacht.

Nach Zeugenaussagen war die Unfallstelle am frühen Morgen des 5. September 2017 taghell ausgeleuchtet. Die Müdigkeit habe sich durch Anzeichen angekündigt, die der 58-Jährige hätte ernst nehmen und anhalten müssen, hatte der Staatsanwalt beim ersten Prozess betont. Die Feuerwehrleute hatten eine Unfallstelle auf der A2 gesichert, als der tonnenschwere Laster ungebremst zunächst ein Polizei- und dann ein Feuerwehrauto rammte. Das Fahrzeug kippte und begrub die beiden Männer unter sich.

Bessere Absicherung der freiwilligen Helfer

Der Tod der beiden Feuerwehrmänner hatte große Betroffenheit und eine Diskussion über die finanzielle Absicherung der Helfer in den Freiwilligen Feuerwehren ausgelöst. Die Witwen und Kinder der Opfer erhielten zunächst kein Sterbegeld, obwohl die Männer im Einsatz gestorben waren.

Ein halbes Jahr nach dem Unglück beschloss das Kabinett in Potsdam eine Änderung: Seither sind Familien von ehrenamtlichen Helfern bei der Hinterbliebenenversorgung mit Familien von Berufsfeuerwehrleuten gleichgestellt. Sie können bis zu 60.000 Euro erhalten. Die Verordnung gilt rückwirkend ab dem 1. Januar 2017.

A2 ist ein Unfallschwerpunkt

Die Freiwillige Feuerwehr in Kloster Lehnin rückt pro Jahr zu rund hundert Einsätzen aus. Also etwa an jedem dritten Tag. Meist geht es, wie in dem Fall der verstorbenen Feuerwehrleute, um Unfälle auf der Autobahn, denn die A2 ist eine der am meistbefahrenen Strecken Europas. Seit langem gilt sie als Unfallschwerpunkt.

Sendung: Inforadio, 01.10.2019, 10.30 Uhr

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8 Kommentare

  1. 8.

    Sehen Sie das auch noch so, wenn Sie sich bewusst sind, dass in diesem Fall der Verurteilte vor dem Unfall mehrfach aufgefallen und auch ohne Fahrerlaubnis, die ihm entzogen war, zur ersten Verhandlung gefahren ist? Das wurde ebenfalls hier im RBB berichtet.
    Man muss schon differenzieren - aber in diesem Fall finde ich, dass die zweite Strafe noch sehr milde ausgefallen ist, mit dem Register an Verfehlungen dieses Menschen, der nunmehr zwei Menschenleben auf dem Gewissen hat und gegen das erste Urteil Revision eingelegt hat - nennen Sie das reflektiert und reumütig?
    Ich nenne es so nicht sondern vielmehr überzogenes Ego und zum Teil gewissenlos.

  2. 7.

    Tragisch! Tragisch für alle Beteiligten ("Täter", Opfer, Familien). Es zeigt wieder, wie wichtig es ist, sich klar zu machen, dass jede Unachtsamkeit im Verkehr aus Fahrzeugen tödliche Waffen macht. Hier war es Fahrlässigkeit, in anderen Fällen ist es Vorsatz (Handys am Steuer, verbotene Rennen). Viel öfter sollte jeder darüber nachdenken, wie schnell er Täter oder Opfer werden kann. Leider lernen viele erst aus Schaden. Die Zeit lässt sich leider nicht zurückdrehen, dass sollte man immer bedenken und dass man mit seinen (Fehl)-Einschätzungen leben muss.

  3. 6.

    Genau so sehe ich das auch.
    Mein Mitleid gilt immer allen Opfern. Und dies sind auch die "Täter", die unbeabsichtigt einen schweren Fehler gemacht haben.
    Wir sind alle Menschen und so unerklärlich es für die Hinterbliebenen ist, so erklärlich ist menschliches Versagen.

  4. 5.

    Jeder Mensch trägt für sich und sein Handeln Verantwortung. Jeder Mensch hat immer eine Wahl. Ich kann eine Arbeit annehmen und ablehnen. Habe ich sie angenommen, kann ich den Druck, den ich erfahre, an andere abgeben (Unfallopfer) oder schauen, wie weit ich mich dagegen stämme.

  5. 4.

    Danke für diesen Kommentar. Viel zu oft liest man ja nur hysterischen Schwachsinn.

  6. 3.

    Einerseits stimme ich Ihnen zu.
    Andererseits muss man sich fragen, ob wirklich die Fahrer an der Situation Schuld sind oder doch unsere konsumorientierte Gesellschaft.

  7. 2.

    Natürlich ist eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren für zwei Menschenleben gefühlt zu gering. Objektiv geht es aber in Ordnung, denn der Fahrer hat ja nicht absichtlich zwei Menschenleben ausgelöscht. Wenn wir jeden Fehler eines Menschen so hart wie oft gefordert bestrafen würden, würde die Gesellschaft uns in kürzester Zeit um die Ohren fliegen. Wir können doch nicht einen Einzelnen, dem ein schwerer und leider extrem schwerwiegender Fehler unterlaufen ist, für die Fehler und Versäumnisse einer ganzen Branche und der gesamten Verkehrspolitik bestrafen! Wir sollten, bei aller Aufregung und Anteilnahme für die Opfer doch nicht die Verhältnismäßigkeit verlieren.

  8. 1.

    Ist der Herr diesmal wieder mit dem Auto vorgefahren obwohl er keinen Führerschein hat??? Ich finde das Urteil zu milde. Denn man sieht der LKW- Wahnsinn geht täglich weiter.

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