Die Moderatorinnen Jessy Wellmer (li.) und Eva-Maria Lemke | rbb/Thomas Ernst
Video: Abendschau | 01.10.2019 | Antje Tiemeyer | Bild: rbb/Thomas Ernst

Interview | Jessy Wellmer und Eva-Maria Lemke - "Hier spricht Berlin wird kein weiterer Polit-Talk"

Fürs Erste aus der Hauptstadt: Am Dienstag ist der rbb-Talk "Hier spricht Berlin" mit Eva-Maria Lemke und Jessy Wellmer gestartet. Auch wenn es zum Auftakt um 30 Jahre Mauerfall ging, betont Wellmer: "Das wird ausdrücklich kein weiterer Polit-Talk."

Am Dienstagabend um 23 Uhr startete der rbb im Ersten seine neue Talk-Sendung "Hier spricht Berlin", moderiert von Jessy Wellmer und Eva-Maria Lemke. In der 90-minütigen Auftaktsendung ging es um 30 Jahre Mauerfall. Gäste waren Günther Jauch, Sido, Petra Schmidt-Schaller, Thomas Quasthoff und Else Buschheuer. Eva-Maria Lemke und Jessy Wellmer sprachen mit ihnen über wichtige persönliche Wegmarken und Erfahrungen mit der Wende.

rbb|24 hat mit den beiden Moderatorinnen gesprochen.

rbb|24: Im Ersten laufen ja schon einige Talk-Formate, deshalb gleich zu Beginn die Frage: Was ist neu bei "Hier spricht Berlin"?

Jessy Wellmer: Neu wird zu allererst mal sein, dass die anderen Talkshows nicht von Lemke und Wellmer moderiert werden. Aber im Ernst: Wir werden versuchen, eine Sendung zu machen, die die Zuschauer gerne sehen und über die sie sagen: Das war interessant, da habe ich gerne zugehört.

Eva-Maria Lemke: Berlin ist die Stadt, in der sich alle treffen - und die meisten Musiker, Filmleute und Theatertiere leben. Berlin ist ehrlich und direkt und wenn's gut läuft, ist davon in der Sendung auch was davon zu spüren. 

Einer ihrer ersten Gäste ist Günther Jauch: Wie wollen Sie diesen Routinier des Fernsehens aus der Reserve locken?

Jessy Wellmer: Günther Jauch sitzt ja nicht oft in Talkshows – jedenfalls nicht in solchen, die er nicht selber moderiert. Wir sind auch gespannt, wie er sich als Gast macht. Aber ich mache mir da keine Sorgen: Wenn jemand im Fernsehen quatschen kann, dann ist es Jauch.

Musiker Sido kommt auch - welche Mischung ist Ihnen bei den Gästen wichtig?

Eva-Maria Lemke: In Berlin muss man im Grunde nur einmal mit dem Schmetterlingsnetz durch einen Partyflur laufen und hat die Gästeliste voll. Wir wollen zu den Themen, die wir besprechen, die richtigen Gäste finden – Leute, die was zu erzählen haben. Und dann ist es mir im Grunde wurscht, ob Männchen oder Weibchen, Ost oder West, Potsdamer Kurfürst oder König des Märkischen Viertels.

Die Themen bei "Hier spricht Berlin" grundsätzlich: Eher harte Politik oder Buntes?

Jessy Wellmer: Der Termin dienstags im Ersten ist ausdrücklich kein weiterer Polit-Talk. Das heißt nicht, dass Politik keine Rolle spielt. Wenn wir in der ersten Sendung über das Ende der DDR und den Mauerfall sprechen, geht es natürlich auch um Politik. Aber wir werden hier niemanden einladen, weil er Repräsentant einer bestimmten Partei ist, sondern weil er oder sie ein Mensch ist, der etwas Interessantes zu erzählen hat.

Frau Wellmer, Sie sind bekannt als ein Gesicht der Sportschau – dieser Talk ist jetzt ein ganz anderes Format. Was reizt Sie daran?

Jessy Wellmer: "Ganz anders" ist vielleicht zu viel gesagt. Für den rbb moderiere ich ja auch zusammen mit Sascha Hingst das "Mittagsmagazin" und ich bin Gastgeberin von "Sportschau Thema." Das ist auch eine Talk-Sendung, in der es allerdings um Themen aus dem Sport geht. An "Hier spricht Berlin" reizt mich vor allem die Möglichkeit, mit Menschen ins Gespräch zu kommen und nicht in eine Form gepresst zu sein, wo für jeden nur zwei, drei Minuten Zeit sind. Es geht einem ja auch als Zuschauer oft so, dass man denkt: Das hätte ich jetzt gerne noch genauer gewusst. Und diesen Wunsch würde ich gerne erfüllen.  

Frau Lemke, Sie moderieren sonst eine Nachrichtensendung, die Abendschau. Worauf freuen Sie sich jetzt mit "Hier spricht Berlin" ganz besonders?

Eva-Maria Lemke: Wir kriegen in diesem neuen Talk neue Gesprächssituationen, verglichen mit dem, was ich sonst vor der Kamera mache – "Kontraste" und "Abendschau". Und wir wollen unsere Gäste nicht nur abfragen, abfeiern oder bestaunen, sondern wirklich mit ihnen ins Gespräch kommen.

Sie beide kennen sich ja schon länger. Haben Sie in ihrer neuen gemeinsamen Sendung eine Rollenverteilung?

Eva-Maria Lemke: Jessy und ich haben vor vielen Jahren zusammen das ZDF-"Morgenmagazin" gemacht. Und wir wollten schon immer etwas Neues zusammen machen. Das ist vielleicht etwas Besonderes, weil man sonst bei Talkshows eher auf Gegenpole achtet.

Jessy Wellmer: Die Lemke wird immer ganz böse sein und ich immer ganz lieb! Nein, im Ernst, wir haben keine besondere Rollenverteilung. Die Spannung in unserer Sendung soll nicht aus dem Gastgeberpaar kommen, sondern von den Gästen und dem, was sie zu sagen haben.

Sendung: ARD, 01.10.2019, 23:00 Uhr

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21 Kommentare

  1. 21.

    Wieso macht das nicht der MDR? Stellt doch selbst mal was auf die Beine, anstatt gleich wieder zu kritisieren.

  2. 18.

    Das war jetzt aber doch ziemlich peinlich und zum Teil sogar ordinär.
    Jedenfalls nicht in meinem Namen gesprochen ... wenig wertschätzend, wenig zuhörend, so führt man doch keine ernstzunehmenden Gespräche ....
    Die Gäste wurden zu Stichwortgebern für die krawalligen Moderatorinnen, die sich in ihrem "Sosein wie se sind" gefielen ...

  3. 17.

    auch für günther jauch sollte gelten, dass die konzentrationslager geschlossen sind und gedenkstätten daran besucht werden können und sollten.

    für das entsetzten gegenüber der naiven haltung des herrn sido habe ich verständnis, aber dass alle jugendlichen im laufe der schulzeit ein kz besuchen sollten - das geht gar nicht, öffentlich so zu sagen. sorry

  4. 16.

    Sehr schön ! Bin ganz begeistert.

  5. 15.

    Liebe andere Kommentierende dieser Kommentarfunktion,

    alle, denen die Sendezeit zu spät ist, kann ich nur die Mediathek der ARD wärmstens empfehlen. Da kann man sich herauspicken, was einen wirklich interessiert. Wenn man Lust (und Zeit :-)hat, kann man DREI NACH NEUN, die NDR TALKSHOW und HIER SPRICHT BERLIN direkt nacheinander, an einem einzigen Abend gucken.

    Und wer sehen möchte, wie schlagfertig und lustig Eva-Maria Lemke agiert, sollte ihr dringend auf instagram folgen. Jessy Wellmer wird ihr da in nichts nachstehen, ...

    Ick freu mir auf HIER SPRICHT BERLIN!

  6. 13.

    @Paula
    Das sind für Sie sicherlich interessante Sendungen die zu spät kommen. Auf andere trifft das nicht zu. Die freuen sich, dass solche Sendungen nicht zur Prime Time kommen. So ist das halt. Irgendwann kommt für jeden mal ein Sendeformat zu spät. Ich hätte beispielsweise gerne mal ein vernünftiges Fernsehspiel oder eine Theateraufzeichnung etwas früher gesehen. Da bleibt dann halt nur die Sendung aufzunehmen oder die Mediathek. So ist das heutzutage. Da braucht man dann auch nicht zuhause zu sitzen und kann fleißig arbeiten ;-)

  7. 11.

    Zitat: "Im Ernst: Fortsetzungen von "Chez Krömer" wären die bessere Wahl gewesen."
    Damit sprechense mir aus der Seele!
    Nüscht jejen die beeden schnafte ModeratorInnen aber um sich uff ne Sendung zu freuen, wennde abends mal obenrum durchlüften willst, brauche ick sowat wie "Chéz Krömer" oder "Schulz & Böhmermann", denn die ham (Wort)witz, Esprit und zum Teil och mal echt krasse Gäste! Dafür würdick wach bleiben; aber die zwee beede wünschenwa viel Glück....

  8. 9.

    Würde ich mir ja gerne ansehen aber nicht um diese Uhrzeit. Mein Wecker klingelt um 5, es gibt tatsächlich Leute die früh zur Arbeit müssen ind die wirklich interessanten Sendungen kommen auf allen Sendern sehr spät. Ist schade, wir sitzen nun mal nicht alle zuhause.

  9. 8.

    Weil es die meisten Menschen nicht interessiert. Das ist um 20 Uhr zu früh. Die Konkurrenz ist um 20 Uhr (Champions League etc.) einfach zu groß.

  10. 7.

    Warum immer diese penetrante Berlin-Zentrierung? Warum nicht mal Neues wagen mit "Hier spricht Cottbus" oder aber "Hier spricht Senftenberg"? Vermutlich zu dicht an der gesellschaftlichen Realität dran, oder?

  11. 6.

    Noch ein Portal für Schwätzer, Selbstdarsteller, Mahnende, Wissenden, Langweiler, Belehrende, Dummschätzende ....
    Gibt es nicht schon genug Anne Will, Magrita Illner, Hart aber Fair .... und wie das ganze Zeug heißt ?
    Man muss ja schon froh sein, dass das nicht Hauptprogramm läuft.

  12. 5.

    soll wahrscheinlich das Berliner Pendant zu "NDR Talkshow" oder "Kölner Treff" werden ...
    Juchuuh ... noch 'ne Talkshow in einem dritten Programm.

    Gibt's auch Programmmacher mit NEUEN Ideen?

  13. 4.

    Wissta wat? Jeht doch beede zu Krömer und lasst Euch mal uff'n Schwätzchen ein. Interviewta den halt, bissa kotzt.

    Im Ernst: Fortsetzungen von "Chez Krömer" wären die bessere Wahl gewesen - an dieser Stelle einen "schönen" Gruß an die Intendantin. Sorry, Lemke und Wellmer, aber narzisstische, sich anbiedernde Talk Shows ohne Anspruch oder Ziel gibt es schon genug im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Natürlich könnte man jetzt sagen: "Naja, es gibt so viele Talk-Sendungen, weil so viele Menschen neugierig sind bzgl. anderer Menschen." Stimmt, aber da wären Pflegekräfte oder Pflegende von Angehörigen, Reinigungspersonal, Erzieher*innen, Taxi-Fahrer*innen, Handwerksmeister*innen, Uni-Dozen*innen, Hebammen, Wohnungslose, Sozialrichter*innen, Teilzeitarbeitende dabei. Ach blöd. Das ist ja dann politisch und hätte Sinn. Naja. Weiterträumen von sinnvoll besetzten Rundfunkräten und bis dahin gibt es ja diese neue Erfindung: Man kann umschalten oder gar nicht erst einschalten.

  14. 3.

    soll wahrscheinlich das Berliner Pendant zu "NDR Talkshow" oder "Kölner Treff" werden ...
    Juchuuh ... noch 'ne Talkshow in einem dritten Programm.

    Gibt's auch Programmmacher mit NEUEN Ideen?

  15. 2.

    Leider kommen anspruchsvolle Feuilleton-Formate immer sehr spät - auf allen Sendern. Schade.
    Dennoch freue ich mich auf den Talk und bin schon sehr gespannt.

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