Blühende Robinie (Quelle: imago images/Waldemar Boegel)
Bild: imago images/Waldemar Boegel

Hoffnungsträger im Klimawandel - Invasive Baumart Robinie ist "Baum des Jahres 2020"

Sie verdrängt die heimische Flora und ist stark giftig - andererseits ist sie wunderschön anzusehen und gilt durch ihre Anspruchslosigkeit und ihr hartes Holz als Hoffnungsträger in Sachen Klimawandel: Die Robinie ist jetzt Baum des Jahres 2020 geworden.

Die Gewöhnliche Robinie (Robinia pseudoacacia), auch Scheinakazie genannt, ist der Baum des Jahres 2020. Die Baumart sei einerseits Hoffnungsträger im klimabedingten Waldumbau, andererseits auch eine invasive Baumart, die durch ihre immense Ausbreitungsfähigkeit die hiesige Flora bedrohe, hieß es von der "Stiftung Baum des Jahres" am Donnerstag in Berlin.

Mit ihren zarten Fliederblättern und duftend weißen Blüten sei die Baumart ein schöner Farbtupfer in Deutschlands Parks, Gärten und Wäldern und zudem sei sie ungewöhnlich widerstandsfähig, so die Stiftung weiter.

Ein Baum, der die Gemüter in Wallung bringt

Die Robinie, die von Carl von Linnè nach dem französischen Hofgärtner Jean Robin benannt wurde, bringe die Gemüter von Naturschützern, Städteplanern und Forstleuten "in Wallung", hieß es. Der Baum steht auf der Liste der invasiven Baumarten und in Konkurrenz zur heimischen Flora, denn er ist ein Meister im Besiedeln der unwirtlichsten Lebensräume.

Forschungen zufolge könnte die Robinie daher auch eine Rolle dabei spielen, klimasstabile Wälder zu schaffen. Sie gilt als Baumart, die Trockenheit und Hitze gut aushalten kann. Da sie auch Salz- und immissionstolerant sei, komme sie gut mit städtischem Klima und schwierigen Bodenverhältnissen zurecht, hieß es von der Stiftung. Zudem stelle ihr hartes Holz eine Alternative zu Tropenhölzern dar: Es wird zum Bau von Brücken, Spielplatzgeräten und Terrassenmöbeln verwendet.

Verbreitung durch Wind und Wurzelschösslinge

Die häufig mit der Akazie – die in Europa jedoch gar nicht gedeiht -  verwechselte Robinie wird seit über 300 Jahren überall in Europa in Parks und Gärten gepflanzt und hat sich auch wild verbreitet. Die Verbreitung findet zum einen statt über die Samenverbreitung durch Wind, zum anderen über die Vermehrung durch Wurzelschösslinge.

Ursprünglich war die bis zu 30 Meter in die Höhe wachsende Robinie nur in Nordamerika beheimatet. Heute ist sie neben Europa auch in Nordafrika, West- und Ostasien verbreitet.

In Berlin konnte sich die Robinie vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg auf Trümmerschuttflächen stark verbreiten, da sie auf Störungen wie Brände oder Rodungen mit einer verstärkten Vermehrung reagiert.

Stark giftig für Mensch und Tier

Die Robinie gilt als stark giftig. Das gilt vor allem für Rinde und Früchte. Die Blüten sind nicht giftig. Bereits 150 Gramm Rinde können für Weidetiere wie Pferde eine tödliche Dosis darstellen.

Baum des Jahres 2019 ist die Flatter-Ulme.

Sendung: Antenne Brandenburg, 24.10.2019, 12:30 Uhr

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10 Kommentare

  1. 10.

    Wie wärs mit Maulbeere, Cornelkirsche, Wildapfel und Birne, Mispel, Essigbaum, Felsenbirne- auch widerständig und dazu noch essbar.

  2. 9.

    Am invasivsten ist ja auch überhaupt der Mensch an sich...

  3. 8.

    Ich lach mich immer wieder scheckig bei der Diskussion über "invasive Arten". Nach der letzten Eiszeit vor ca. 12 000 Jahren sind die Urahnen fast aller unserer Obstbäume aus ANATOLIEN eingewandert... selbst Bäume "gehen" dahin, wo es ihnen gefällt. hihihi hihihihihihihihihihihi

  4. 7.

    Also nicht bei Weidetieren anpflanzen. In der Stadt aber gut möglich. Zu warm ist es hier ja fast immer. Und gießen kriegt die Stadtverwaltung ja auch nicht hin.

  5. 6.

    Eiben sind einheimische Bäume und viel giftiger. Kastanien wiederum sind in Deutschland nicht heimisch und trotzdem mag sie jeder. ;-)
    Und da unsere heimischen Baumarten durch immer neue eingeschleppte Schädlinge bedroht werden (Ulmensterben, Eschensterben, Miniermotte usw.), während ihnen das trocken-heiße Klima zusetzt, richten sich die Hoffnungen eben auf die Robinie, obwohl sie die meiste Zeit des Jahres stockhässlich aussieht. Da werden wir uns noch ganz anders umstellen müssen, nicht nur bei der Wahl des „Baums des Jahres“.

  6. 4.

    Weshalb bitte wird eine invasive Baumart, die nicht nur nicht ins Ökosysetm passt, sondern dazu auch noch giftig ist, Baum des Jahres?

  7. 3.

    Akazien gedeihen hier gar nicht? Was wächst denn dann in der Akazienstraße?

  8. 2.

    Wenn man sich also nicht 150 Gramm Rinde und / oder Früchte dieses Baumes einverleibt, passiert gar nichts. So schlecht sehen diese Bäume auch nicht aus meine ich - nicht ohne Grund werden sie seit hunderten Jahren zur Gestaltung von Parks und Gärten verwendet und dann liefern sie auch noch einen soliden Rohstoff. M.E sind das nur Vorteile.

  9. 1.

    Stark giftig für den Menschen, das klingt ja vielversprechend.

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