Ein Berliner Mitglied der Rockergruppe "Hells Angels" (Archiv)
Bild: dpa/Steinberg

Acht Hells Angels zu Haftstrafen verurteilt - Sicherheitsbehörden sehen Rocker-Szene nach Urteil geschwächt

Das Urteil ist deutschlandweit einmalig: Acht Mitglieder der Hells Angels wurden in Berlin zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Mit dabei: einer der Anführer des Rocker-Clubs. Staatsanwaltschaft und Polizei feiern einen großen Erfolg - und warnen dennoch.

Die Verurteilung von acht Rockern der Hells Angels in Berlin zu lebenslanger Haft hat aus Sicht der Staatsanwaltschaft neue Maßstäbe gesetzt. Es sei bundesweit das erste Mal, dass mit dem Schuldspruch eine Gruppe samt Führungsriege "von der Straße genommen wurde", sagte Oberstaatsanwalt Sjors Kamstra am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur.

Am Dienstag hatte das Berliner Landgericht sieben Rocker wegen gemeinschaftlichen Mordes sowie deren Chef wegen Anstiftung zum Mord nach knapp fünfjährigem Prozess verurteilt. Ein 26-Jähriger wurde laut Urteil von einem "Überfallkommando" erschossen, um die "Ehre des Clubs" zu wahren. Die Entscheidung des Gerichts entspricht im Wesentlichen den Forderungen der anklagenden Staatsanwaltschaft.

Juristisch noch nicht endgültig entschieden

Einige Verteidiger kündigten bereits Revision an. Auch die Staatsanwaltschaft prüfe diesen Schritt, sagte Kamstra. Das Gericht gewährte den Männern einen Abschlag von etwa zwei Jahren, weil das Landeskriminalamt laut Urteil Fehler gemacht und das Opfer nicht gewarnt hatte, obwohl dessen Gefährdung bekannt gewesen sei. "Die Abschlagsentscheidung ist rechtlich absolutes Neuland", so Kamstra.

Ein Ermittler für Organisierte Kriminalität ging davon aus, dass andere Rocker nun versuchen dürften, die Geschäftsfelder der Verurteilten - in erster Linie den Drogenhandel - neu zu besetzen.

Der Berliner SPD-Innenexperte Tom Schreiber hat das Urteil gegen Mitglieder der Rockerbande Hells Angels begrüßt.

Schreiber sagte dem rbb-Inforadio am Mittwoch, die Staatsanwaltschaft habe gute Arbeit geleistet. Er warnte zugleich davor, man dürfe bei der Bekämpfung der Clan-Kriminalität die Rocker-Kriminalität nicht aus dem Blick verlieren.

Es sei zu erwarten, dass jetzt im Bereich der Organisierten Kriminalität die Gebiete neu aufgeteilt werden. Hier müsse die Polizei genau hinsehen.

Polizei warnt vor nächster Rocker-Generation

"Der Rechtsstaat hat sehr deutlich gemacht, dass der Deckmantel krimineller Strukturen nicht vor einer Verurteilung schützen kann", sagte Norbert Cioma, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Das "Prinzip der Outlaw Motorcycle Gangs" sei mit dem Urteil zwar nicht beendet, allerdings sei mit Kadir Padir ein Mann ins Gefängnis geschickt worden, "der die Hells Angels auf ein neues Machtniveau in der Stadt gehoben hat". Man müsse sich nun darauf einstellen, warnte Cioma, dass die entstandende Lücke durch andere gefüllt werde.

Sendung: Inforadio, 02.10.2019, 7.00 Uhr

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 4.

    Haha - "der Staat" denkt, die Rockerstruktur wäre geschwächt? Wer so denkt, der glaubt auch an den Weihnachtsmann, Klapperstorch und an die Macht des Guten.
    Sorry Leute - aber bleibt mal realistisch - damit hat das System einige Clubs, vornehmlich die Grellbunten noch mehr in den "Untergrund" gezwungen und weiter in die Halbwelt gedrängt - damit wird es für die Behörden noch schwieriger werden - tolle Leistung.
    Abgesehen davon gehen die Urteile in Ordnung und jeder weiß, worauf er sich einlässt, wenn er meint solche Kutten tragen zu müssen.

  2. 2.

    Da wird wohl eher der Wunsch der Vater des Gedankens sein.

  3. 1.

    In welchen Rahmen bewegen sich die "langjährigen Haftstrafen"? Kann da der RBB Aufklärung leisten?

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