Polizeieinsatz am U-Bahnhof Kottbusser Tor in der Nacht vom 29.11.2019 nach einem tödlichen Vorfall. (Bild: Morris Pudwell)
Video: Abendschau | 30.10.2019 | K. Breinig | Bild: Morris Pudwell

U-Bahnhof Kottbusser Tor - Mann wird nach Stoß von U-Bahn erfasst und tödlich verletzt

Auf dem U-Bahnhof Kottbusser Tor ist ein Mann in der Nacht zu Mittwoch von einer U-Bahn erfasst und tödlich verletzt worden. Zuvor soll es einen Streit gegeben haben. Ob der Mann gezielt vor die U-Bahn gestoßen wurde, ist derzeit noch unklar.

Auf dem U-Bahnhof Kottbusser Tor ist ein Mann in der Nacht zu Mittwoch von einem Zug erfasst und tödlich verletzt worden. Die Polizei geht davon aus, dass es zuvor zu einem Streit zwischen mehreren Personen gekommen war und dass der Mann dabei einen Stoß erhalten hatte.

Ob der Mann nur geschubst wurde oder gezielt vor die einfahrende U-Bahn gestoßen wurde, sei derzeit noch unklar, sagte eine Sprecherin der Polizei auf Nachfrage von rbb|24. 

Streit zwischen zwei Personengruppen

Wie Polizei und Generalstaatsanwaltschaft mitteilten, waren gegen Mitternacht eine Personengruppe und zwei Männer auf dem Bahnsteig der U8 in Streit geraten. Was der Grund dafür war, sei derzeit noch unklar, sagte die Sprecherin am Mittwochmittag. Sie könne aber bestätigen, dass das spätere Opfer einen Rollstuhlfahrer begleitet hatte.

Eine Notärztin und Rettungssanitäter hätten versucht, den Mann zu reanimieren, jedoch ohne Erfolg. Der Tatverdächtige flüchtete, so Polizei und Generalstaatsanwaltschaft. Eine Mordkommission des LKA habe die Ermittlungen übernommen. Den Angaben zufolge wird wegen des Verdachts des Totschlags ermittelt.

Polizei wertet auch Videoaufnahmen aus

Derzeit würden Zeugen befragt und "beweiskräftige Aufnahmen" ausgewertet, sagte die Polizeisprecherin. Dabei gehe es unter anderem um Aufnahmen der auf dem Bahnsteig installierten Überwachungskameras.

Laut Staatsanwaltschaft ist der Tote 30 Jahre alt gewesen. Zunächst war sein Alter mit 22 Jahren angegeben worden. Die Obduktion der Leiche habe ergeben, dass der Tod durch die erlittenen Verletzungen verursacht wurde - und nicht etwa durch andere Ursachen. Eine offizielle Erklärung wollten Staatsanwaltschaft und Polizei am Nachmittag herausgeben.

Der U-Bahnhof Kottbusser Tor ist Umsteigebahnhof zwischen den beiden U-Bahn-Linien U8 und U1. Immer wieder kommt es dort zu Straftaten, wie zum Beispiel Gewalttaten und Drogendelikten. Ob die Tat in der vergangenen Nacht einen Drogenhintergrund habe, werde ebenfalls geprüft, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Das Opfer sei polizeibekannt wegen Betäubungsmitteldelikten, sagte eine Polizeisprecherin.

BVG plant keine weiteren Sicherheitsmaßnahmen

Die BVG zeigte sich am Mittwoch entsetzt über den Vorfall am Kottbusser Tor. "Als ich heute Nacht deswegen angerufen wurde, war das ein ganz furchtbarer Moment", sagte BVG-Sprecherin Petra Nelken rbb|24. Zugleich warnte sie davor, Fälle wie diesen als Beleg für eine angeblich mangelnde Sicherheit der U-Bahn heranzuziehen. Die U-Bahn transportiere jeden Tag rund 1,5 Millionen Menschen, und wer einen anderen dermaßen in Gefahr oder gar umbringen wolle, könne dies auch an anderen Orten tun.

Sicherheitssysteme wie in Tokio, Kopenhagen oder anderen Städten würden sich in Berlin nicht realisieren lassen. Eine Abtrennung des Gleisbetts, beispielsweise durch Glaswände mit fest definierten Einstiegspunkten, sei nur möglich, wenn im gesamten Netz einheitliche Züge zum Einsatz kämen. Berlin habe aber eines der ältesten U-Bahn-Systeme der Welt und verwende ganz unterschiedliche Zugtypen, sagte Nelken. Zudem stünden zwei Drittel der Bahnhöfe unter Denkmalschutz.

Fahrgäste sollen im Notfall Informationssäulen nutzen

Fahrgästen riet sie, bei gefährlichen Situationen die Informationssäulen zu nutzen, von denen es zwei auf jedem Bahnhof gebe. Über diese Säulen könne man innerhalb von Sekunden einen Ansprechpartner erreichen. Im Notfall könne dieser aus der Ferne "alle Signale auf Rot stellen und dem Fahrstrom abschalten", sagte die BVG-Sprecherin. Wer einen Streit auf dem U-Bahnhof beobachte, sollte daher diese Möglichkeit nutzen.

Sendung: Inforadio, 30.10.2019, 8.00 Uhr

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61 Kommentare

  1. 61.

    Notrufsäulen, von denen man Mitarbeiter erreicht, die die Signale auf Rot stellen können, werden wohl nur mit einer gewissen Vorlaufzeit Sicherheit bringen.

    In Wien gibt es auf jedem Bahnsteig zwei Nothalteinrichtungen, ähnlich Notbremsen in Zügen, die nach Aktivierung durch einen Fahrgast sofort die Einfahrt in die Station verhindern. Effektiv und sofort Sicheit bringend, so lange von den Fahrgästen nicht gewartet wird, bis sie den Ubahnzug hören oder sehen - dann ist es zu spät.

  2. 60.

    Wie wäre es schlicht mit mehr Ordnungskräften auf geöffneten Bahnhöfen?!
    Inzwischen gibt es nicht mal mehr das zugabfertigungspersonal auf den Bahnhöfen.
    Kameras können eine Tat bildlich festhalten, aber sie können niemanden helfen. Sie können nur unterstützend für spätere Prozesse sein.
    Ich habe dieses Jahr beruflich einige Aufenthalte in Kopenhagen gehabt, dort schwärmen die meisten von der berliner U-Bahn. Viele mit denen ich sprach bemängelten durch die Automatisierung im Ablauf bevormundet zu werden. Und sie haben Recht, genau so fühlte es sich an.
    News Yorck kommt übrigens auch ohne diesen Quatsch aus.

    Da wittert doch wieder jemand ein großes Geschäft. Der Flughafen könnte ja doch bald fertig sein, da müssen eben neue Langzeizprojekte her.
    Fragen wir doch den Herrn Müller nach Ideen, an Steuergelder zu gelangen...

  3. 59.

    Mein ausländischer Mitbewohner fragte mich gestern, warum wir nicht wie "überall auf der Welt" die Gleise mit extra Türen gesichert haben. Ich erklärte ihm dann Geld !

    Wegen einem epileptischen Anfall machen wir 30er Zonen. Und dies war nicht der erste und auch nicht der letzte U und S-Bahnunfall. Wo bleiben da die 30er Zonen. Wer A sagt, muss auch B sagen.

  4. 58.

    Es gibt keine Schaffner mehr. Ansonsten haben Sie so gesehen mit dem was Sie schreiben nicht ganz unrecht. Jedoch würde es die Sicherheit auf den Bahnhöfen erhöhen wenn mehr Personal vor Ort wäre. Es braucht nicht dazwischen gegangen werden, aber es könnte wesentlich schneller reagiert werden und Kontakt mit der Leitstelle aufgenommen werden, um Polizei oder Feuerwehr anzufordern, als über die Notrufsäulen oder über das Handy.

  5. 56.

    Warum spielt die Nationalität so eine große Rolle? Und es darauf zu schieben das kein Schaffner vor Ort war, dann lesen Sie meinen Kommentar richtig und falls Sie es verstanden haben, können Sie sich gerne noch einmal melden.
    Schaffner gab es in den 80er und 90er nur noch in den Verkaufsstellen....mal nur so zur Info:-)

  6. 55.

    Glauben Sie ernsthaft, mit Personal am Bahnsteig wären solche Taten verhinderbar? Der arme Schaffner wird sich in diesen Fällen, wo hormongeschwängerte Männergruppen sich gegenseitig an die Gurgel gehen, in seinem Häuschen verbarrikadieren und das ist dann auch richtig so. Der wäre sonst nämlich das nächste Opfer. Es ist nicht die BVG, die hier etwas ändern muss, zumal das Unmengen an Geld kostet, das ohnehin wieder niemand bezahlen will - weder die Fahrgäste noch unser Senat. Es geht letztlich darum, dass Staat und Gesellschaft endlich mal wieder klare Kante gegen jegliche Gewalt setzen müssen und zwar so, dass es Tätern auch wirklich weh tut. Wem Leben du Gesundheit Anderer so egal sind, wie in diesen Fällen, der steht außerhalb unserer Gesellschaft und muss das auch zu spüren bekommen.

  7. 53.

    Ein merkwürdiger Kommentar. Wenn Dir die Nationalität der am "Unglück" beteiligten egal ist, bitte sehr. Mir ist es das nicht. Jeder wie er will. Aber das nun darauf zu schieben, dass es daran liegt, dass kein livrierter Schaffner wie zu Kaisers Zeiten im Häuschen sitzt, halte ich für abstrus.

  8. 52.

    O.k. Dann bestellen wir die mal - gib's, glaub ich, auch bei einem bekannten Internetversandhaus, das mit "A" beginnt. Die 1500 Stück werden dann in den nächsten Tagen geliefert, dann fummeln wir nur noch das Netz etwas um, bauen ca. 400 Bahnsteigkanten um, lernen das Personal an und spätestens zu Weihnachten wird die Berliner U-Bahn sowas von sicher sein. Möchten Sie die Leitung dieser Arbeiten übernehmen? Sie scheinen sich doch supi auszukennen.

  9. 51.

    Was gibt es denn hier noch zu relativieren? Schubsen, schmeißen, werfen...für mich ist das Mord!

  10. 50.

    Ja nee, ist klar, weil es früher keine Tötungsverbrechen gegeben hat... da haben sich nachts im Wedding oder in Neukölln alle lieb gehabt und sich Blumen überreicht. Ironie beiseite und mal was anderes, nach der Nationalität des Täters wurde (natürlich) hier schon gefragt - aber warum fragen diese Fragesteller eigentlich nie nach der Nationalität oder Herkunft des Opfers? Der war laut "B.Z." nämlich Iraner. Das Opfer ist diesen Fragestellern doch völlig egal, die wollen nur Munition um irgendeine Nationalität anzuschwärzen.

  11. 49.

    ja es ist nicht einfach, Sarkasmus, Witz, Ernst oder sonstige Emotionen über Text zu vermitteln :D

    Bezüglich U-Bahnstationen, S-Bahnstationen oder Bahnhöfe muss ich sagen, das ich mich dort seit vielen Jahrzehnten nicht mehr wohl oder sicher fühle. Urin Gestank, unfreundliche Raucher, die keine Rücksicht nehmen, mutwillig werden Rolltreppen oder Aufzüge manipuliert oder beschädigt sodass kranke oder behinderte Mitmenschen mehr oder weniger auf dem Bahnsteig stranden und nicht hoch auf die Straßen kommen, keine Möglichkeit Hilfe oder Unterstützung zu holen.
    Überfüllte Fahrzeuge, mittlerweile immer unfreundlichere Mitbürger und dann solche Aktionen, das Menschen auf die Gleise gestoßen werden, das Menschen unerwartet in den Rücken die Treppe herunter getreten werden - wie schon vorgekommen ist...

    ist ÖPNV nicht sehr verlockend in Deutschland.

  12. 48.

    Weil die Nationalität an sich keine Aussagekraft über die Kriminalität hat, die Nennung der Nationalität dies aber implizieren würde. Auch wenn es eine Korellation zwischen Nationalitäten und Kriminalitäten gibt, führt ein kausaler Rückschluss in die Irre. Spätestens, wenn man statt Nationalitäten soziale Faktoren betrachtet (Bildung, Einkommen, Milieu etc.), unterscheiden sich die Nationalitäten nämlich bei weitem weniger. Und genau deswegen ist die Nationalität eines Täters unerheblich.

  13. 47.

    Wäre gut, wenn das alle Fahrgäste tun. Dann würde die BVG vielleicht an manchen Bahnhöfen über mehr Personal nachdenken. "Fahrgästen riet sie, bei gefährlichen Situationen die Informationssäulen zu nutzen ... Wer einen Streit auf dem U-Bahnhof beobachte, sollte daher diese Möglichkeit nutzen."
    @rbb Bezieht die Polizei die Bahnhöfe an den "Brennpunkten" in ihre neue Strategie mit ein und läuft da auch Streife?

  14. 46.

    Sorry, aber mein Kommentar war ironisch gemeint, ich würde in Berlin auf keinen Fall bei einsetzender Dunkelheit mit U oder S Bahn fahren, da bin ich im Auto in Sicherheit. Tut mir leid das Sie mich falsch verstanden haben.

  15. 45.

    Ist doch völlig unwichtig welche Nationalität. Ich finde das besser so weil es sonst doch nur wieder in den Medien breitgetreten wird.
    Aber wenn Sie so scharf darauf sind das zu erfahren lesen Sie täglich beim rbb24 die werden es bestimmt schreiben . Oder Abendschau schauen oder wenden Sie sich vertrauensvoll an die Polizei Berlin

  16. 44.

    Berlin hat sich nicht zu seinem Vorteil verändert. Das lässt sich nicht bestreiten. Es sollten langsam ernstgemeinte Lösungen her, sonst endet es im Abgrund.

  17. 43.

    Ich vermute mal, er will wissen, ob er einen deutschen Täter als bedauerlichen Einzelfall abhaken muss, oder für einen ausländischen Täter alle Ausländer in Sippenhaftung nehmen kann?

  18. 42.

    trotzdem liebe Bürger lasst das Auto stehen und fahrt lieber U & S Bahn.

    An vielen Park&Ride Plätzen werden an Fahrzeugen Spiegel abgetreten, Scheiben eingeschlagen, Felgen, Scheinwerfer oder Airbags entwendet. Navis oder Radios werden oft mit mit der Brechstange entfernt (Cockpit zerstört) und Kabelbaum halb raus gerissen und dann durchtrennt. Höhe Schäden im 4 stelligen Bereich.
    Türen eingetreten, Reifen zerstochen, Lack zerkratzt und Tankinhalt geplündert.
    Das passiert recht oft in Kölns Randbezirke aber auch in Brandenburg, wo Park&Ride recht unbeobachtet und nicht überwacht werden. Einem Bekannten haben die riesen Hakenkreuze in den Lack gekratzt. So fahren durfte er von der Polizei aus nicht mehr. Musste erst alles angeklebt werden.

    Und da fordern Sie die Leute auf, das Auto dort stehen zu lassen und sich vor die Bahn schupsen zu lassen? Oder Treppe runter treten lassen? Ist ja leider kein Einzelfall in Berlin!

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