Marius Müller nimmt an dem Kurs "Finanzbuchhaltung" an der Volkshochschule Marzahn-Hellersdorf teil (Quelle: rbb/Thomas Rautenberg)
Audio: Inforadio | 12.11.2019 | Thomas Rautenberg | Bild: rbb/Thomas Rautenberg

ARD-Themenwoche "Bildung" | Besuch in der Volkshochschule - Nach Feierabend nochmal die Schulbank drücken

Ob Sprachkurs oder Qualifikation für den Job - nach wie vor sind die Angebote der Volkshochschulen gefragt. Was die Bildungsangebote so reizvoll macht, wollte Thomas Rautenberg bei einem Besuch der Volkshochschule in Marzahn-Hellersdorf wissen.

Es ist 17:30 Uhr in der Volkshochschule Marzahn-Hellersdorf. Für die Teilnehmer des Kurses "Business-Finanzbuchhaltung " beginnt an diesem Tag die zweite Schicht. Die erste Schicht haben sie im Joballtag bereits hinter sich. Nun drücken sie nach Feierabend freiwillig und auf eigene Kosten die Schulbank. Kursleiter Gerhard Döhl ist seit 25 Jahren Kursleiter.

Gerhard Döhl leitet den Kurs "Finanzbuchhaltung" an der Volkshochschule Marzahn-Hellersdorf (Quelle: rbb/Thomas Rautenberg)
Gerhard Döhl ist seit 25 Jahren Kursleiter an der Volkshochschule | Bild: rbb/Thomas Rautenberg

Die Zeiten und auch die Inhalte der Ausbildung hätten sich immer wieder verändert, sagte er. Die Zusammensetzung einer Studiengruppe funktioniere dagegen bis heute nach dem gleichen Muster: "Wir haben beispielsweise derzeit zwei Auszubildende, die sich ihr Wissen vervollständigen, weil sie es an der Berufsschule nicht verstanden haben. Wir haben Studenten, der Klassiker sind Arbeitnehmer, die sich hier weiterbilden. Oder aber auch Freiberufler, die ihre Buchführung selber machen", berichtet Döhl. Die Teilnehmer an der Volkshochschule sind zwischen 18 und 60 Jahre alt.

"Ich bilde mich weiter, weil ich kompetenter sein will"

Die 32-jährige Ksenia Kister ist tagsüber berufstätig und hat sich den Montagabend - im Moment - für den Volkshochschulkurs reserviert: "Ich bilde mich weiter, weil ich kompetenter sein will", sagt sie. Zurzeit arbeite sie in der Personalverwaltung, möchte aber in den Bereich Rechnungswesen und Buchhaltung umsteigen.

Für Marius Müller stand ein Kurs an der Volkshochschule eigentlich nicht auf dem Plan. Der 33-Jährige gehört zum Management eines Start-up-Unternehmens und hat dort alle Hände voll zu tun: "Unser kaufmännischer Geschäftsführer ist kurzfristig ausgeschieden. Deshalb musste ich mich mit Buchhaltung und solchen Sachen rumschlagen. So lag es nahe, dass ich mich in irgendeiner Form weiterbilde. Es ist ein recht gutes Preis-Leistungs-Verhältnis."

"Es macht Spaß, wieder in die Schule zu gehen"

Vor allem sei die Volkshochschule gleich bei ihm um die Ecke, und das bedeute für ihn: kurze Wege und wenig Zeitverlust. Und eine ganz besondere Erfahrung komme ganz persönlich noch hinzu, sagt Müller: "Ich hätte nicht gedacht, dass es mir so viel Spaß machen würde, wieder zur Schule zu gehen. Es bringt mir im Endeffekt 'was, und es hat tatsächlich meinen Alltag ein bisschen aufgelockert."

Leicht ist es dem 33-Jährigen nicht gefallen, mit "Soll und Haben" oder mit den endlosen Zahlenkolonnen in der Finanzbuchhaltung klar zu kommen. Dass es den anderen in der Gruppe nicht anders erging und dass man gemeinsam über manche Klippe hinweggekommen ist - auch das war für ihn eine wichtige Erfahrung.

Jährlich 12.000 Teilnehmer in Marzahn-Hellersdorf

Jährlich schreiben sich 12.000 Teilnehmer an der Volkshochschule Marzahn-Hellersdorf ein. Damit zählt die Einrichtung zu den kleineren in Berlin. Die soziale Bedeutung für den gesamten Stadtbezirk aber sei nicht zu unterschätzen, sagt Schulleiter Maik Neudorf.

"Hier treffen Leute aller Altersgruppen zusammen, die das Interesse haben, gemeinsam zu lernen, sich fortzubilden, den sozialen Aspekt sehr angenehm finden, sich mit anderen auszutauschen", sagt Maik Neudorf, Leiter der Volkshochschule Marzahn-Hellersdorf.

Hintergrund

Der Deutsche Volkshochschul-Verband (DVV) feiert in diesem Jahr "100 Jahre Volkshochschulen". Die Einrichtungen bekamen 1919 in der Weimarer Republik Verfassungsrang. Nach Verbandsangaben ist das Interesse an Kursen ungebrochen. Pro Jahr bieten die Volkshochschulen rund 700.000 Veranstaltungen mit 18 Millionen Unterrichtsstunden an und verzeichnen rund neun Millionen Kurs-Teilnahmen.

In Berlin gibt es zwölf Volkshochschulen. Nach Angaben des DVV bildeten sich 2018 in 21.743 Veranstaltungn mit 882.925 Unterrichtseinheiten 252.855 Teilnehmerinnen und Teilnehmer weiter. Die größte Nachfrage galt Kursen zur sprachlichen (55,2 Prozent) und zur gesundheitlichen (18,9 Prozent) Bildung.

In Brandenburg gibt es 20 Volkshochschulen. Nach Angaben des Brandenburgischen Volkshochschulverbands bildeten sich dort 2018 in rund 9.000 Veranstaltungen mit 233.312 Unterrichtseinheiten 79.808 Teilnehmerinnen und Teilnehmer weiter. Die größte Nachfrage galt auch dort Kursen zur sprachlichen (38 Prozent) und zur gesundheitlichen (32 Prozent) Bildung.

Sendung: Inforadio, 12.11.2019, 06:25 Uhr

Beitrag von Thomas Rautenberg

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2 Kommentare

  1. 2.

    So wäre es eigentlich richtig. Erst die Berufsausbildung, sich um Familie etc. kümmern, eine Existenz aufbauen und dann nach Feierabend studieren. Heute kommen sehr viele Doofköppe aus den Unis in die Firma, und die können (fast) nichts, ehrlich.

  2. 1.

    Ich selber habe auch Kurse an der Volkshochschule besucht. Schön das es noch Menschen gibt die sich auf diesem Weg weiterbilden. So etwas sollte man nie aus den Augen verlieren.

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