Wachturm der Gedenkstaette Berlin-Hohenschoenhausen (Quelle: imago-images/Stefan Boness)
Audio: Inforadio | 13.11.2019 | Kirsten Buchmann | Bild: imago-images/Stefan Boness

Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen - Kündigung von Gedenkstätten-Vize Frauendorfer ist rechtens

Die Kündigung von Helmuth Frauendorfer ist rechtens. Das hat das Berliner Arbeitsgericht entschieden. Dabei bezieht sich das Urteil gar nicht auf die massiven Vorwürfe von Mitarbeiterinnen gegen den Ex-Vize-Direktor der Gedenkstätte Hohenschönhausen.

Die Kündigung des früheren Vize-Direktors der Stasi-Opfer-Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen, Helmuth Frauendorfer, war rechtens. Das hat das Berliner Arbeitsgericht am Mittwoch entschieden.

Zur Begründung hieß es, der frühere Vize-Chef habe sich in vielen Situationen wie etwa in Bewerbungsgesprächen nicht korrekt verhalten, weil er diese im privaten Rahmen abgehalten habe. Dieses Verhalten habe er auch nach einer Ermahnung durch seinen Vorgesetzten nicht geändert, erklärte der Richter.

Keine Feststellung traf das Gericht wegen der Vorwürfe sexueller Belästigung. Zwar könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Belästigungen möglicherweise stattgefunden haben. Dieser Vorwurf sei aber nicht geprüft worden.

Schwere Vorwürfe gegen Frauendorfer

Der heute 60-Jährige hatte Klage gegen die Gedenkstätten-Stiftung eingereicht, nachdem diese ihm gekündigt hatte. Ein erster Gütetermin scheiterte bereits im Februar. Seinem Mandanten gehe es nicht um eine Abfindung. Vielmehr wolle er in sein Arbeitsverhältnis zurück, hatte Frauenforders Anwalt Michael Steiner damals gesagt.  

Mehrere Volontärinnen, Mitarbeiterinnen und Praktikantinnen hatten der Führungsetage der Gedenkstätte jahrelang praktiziertes sexistisches Verhalten vorgeworfen. Während der #MeToo-Debatte beschwerten sich im Sommer 2018 mehrere Frauen bei Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und dem Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Linke), der zugleich Vorsitzender des Stiftungsrates ist.

Der einstige Vize der Gedenkstätte sagte Anfang Oktober vor Gericht aus, er habe keine jungen Frauen sexuell belästigt. Zugleich sei aber eine Praktikantin im Juni 2016 nach dem Dienst bei ihm zu Hause gewesen. "Ich habe meine Rolle als Beichtvater empfunden", so Frauendorfer. Die Frau habe über ihre schwierige Kindheit gesprochen. "Es gab keinerlei Annäherung", so Frauendorfer.

Knabe-Rechtsstreit mit Vergleich beigelegt

Das Gremium beschloss damals die Kündigung des Stellvertreters sowie des Gedenkstätten-Direktors Hubertus Knabe. Dieser sei nicht entschlossen genug gegen seinen Vize vorgegangen. Der Rechtsstreit um die Abberufung Knabes, der die Vorwürfe zurückwies, wurde mit einem Vergleich beendet.

Der Chefposten in Hohenschönhausen wurde inzwischen wieder neu besetzt. Knabes Nachfolger ist der Historiker Helge Heidemeyer.

Sendung: Abendschau, 13.10.2019, 19:30 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Junge Frauen zu belästigen ist das letzte!

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