E-Tretroller in Berlin Potsdamer Platz (Bild: imago images/Snapshot)
Audio: Inforadio | 12.11.2019 | Bettina Meier | Bild: imago images/Snapshot

ADAC-Test veröffentlicht - Auch teure E-Tretroller haben Mängel

Qualität hat ihren Preis - das gilt auch für E-Tretroller, die seit Monaten auf Berlins Straßen stehen. Ein ADAC-Test zeigt jetzt: Auch wer viel Geld ausgibt, muss zum Teil Abstriche bei der Sicherheit machen. Experten raten vom Kauf ab. Von Bettina Meier

Je teurer, desto mehr Sicherheit, Fahrkomfort und Ausstattung: Zu diesem Ergebnis kommt der ADAC in einem Test mit acht E-Tretroller mit Preisen zwischen 550 und 2.400 Euro. Die drei teuersten Modelle von BMW, Egret und Metz schnitten am besten ab. Sie haben große Räder und sind dadurch besser steuerbar.

"Qualität kostet eben", sagt Fahrradverkäufer Timo Preis, der für einen großen Händler in Berlin-Charlottenburg arbeitet. "Da kann keiner zaubern und da wird auch keiner zaubern können. Wenn ich ein Produkt für 300 oder 400 Euro kaufe, gibt es eben schon einen riesigen Unterschied von der Qualität."

Mängel auch beim Testsieger

Preis führt den ADAC-Testsieger vor: Ein "BMW X2 City" mit solidem Rahmen, 21 Kilogramm schwer, Hydraulikbremsen. Auffallend sind die großen Räder. Der rote E-Tretroller bekam im ADAC-Test die Note 1,9, hat aber auch einen stolzen Preis: Etwa 2.300 Euro muss der Kunde dafür hier im Laden bezahlen.

Dennoch fand der ADAC auch beim Testsieger Mängel: das hohe Eigengewicht und eine gewöhnungsbedürftige Antriebssteuerung durch ein Fußpedal.

E-Tretroller bei Zweirad Stadler in Berlin-Charlottenburg (Bild: rbb/Bettina Meier)
Der Testsieger: BMW X2 City | Bild: rbb/Bettina Meier

ADAC warnt vor günstigem Modell

Vor einem der günstigen Modelle, einem Roller der Firma Moovi für etwa 800 Euro, warnt der ADAC sogar wegen der schwer steuerbaren Trommel-Bremse. "Da ist die Gefahr eines Überschlags über den Lenker wirklich enorm", sagt ADAC-Sprecher Johannes Boos und fügt hinzu: "Die Vollgummireifen sind recht klein. Gerade auf Kopfsteinpflaster lässt er sich fast nicht fahren. Er kommt auch bei Steigungen schlecht voran." Es kommt noch schlimmer: Beim Dauer-Belastungstest sei beim "Moovi ES145 StVo" die Feder am Vorderraddämpfer gebrochen. Als der Tester über eine Schwelle fuhr, sei der Roller zusammengeklappt. Als Note gab es deshalb nur "mangelhaft".

Fehlende Blinker trotz Straßenzulassung

Ein echtes Sicherheitsrisiko sei auch, dass keiner der getesteten Roller über einen Blinker verfügt - und das, obwohl jedes getestete Modell für die Straße zugelassen ist. Das sei auch gar nicht vorgeschrieben, deshalb hätten die Hersteller auch keine vorgesehen, kritisiert der ADAC.

Auch für Fahrradverkäufer Timo Preis ist das ein echtes Manko beim Thema Sicherheit. "Da haben die einfach nicht drüber nachgedacht. Die haben wahrscheinlich gedacht, Richtungsanzeige mach ich mit der Hand." Aber auch nur eine Hand während der Fahrt vom Lenker zu nehmen, davon rät Preis dringend ab. "Da reicht eine Bodenwelle aus. Das hält keiner", so der Verkäufer.

Die Krux: Blinker nachrüsten geht auch nicht. Weil die E-Roller Fahrzeugpapiere haben, sei es nicht erlaubt, Bauteile zu verändern oder hinzuzufügen. Deshalb könne man auch die Klingel - sie ist bei den Rollermodellen relativ leise - nicht wie beim Fahrrad einfach austauschen.

Radlobbyisten kritisieren Zulassung von E-Tretrollern

Für Berliner Fahrradlobbyisten sind die für die Straße zugelassenen E-Tretroller ein Ärgernis. Vor allem, weil in Berlin die Straßen schon voll sind und Fahrradfahrer auch nicht genügend Platz auf den Fahrradwegen haben, moniert der Verein "Changing Cities". "Die E-Tretroller sind so etwas wie ein Wirtschaftsförderprogramm für ein paar Start Ups", sagt Sprecherin Ragnhild Sorensen. "Da gibt man einfach eine Zulassung, ohne genau hinzugucken: Sind die recycelbar, wie lange halten die, haben die Blinker? Ohne dass Berlin überlegt, was wollen wir eigentlich?"

Radgröße ist das A und O

Wer sich dennoch für einen E-Tretroller entscheidet, der sollte unbedingt auf große Räder achten, rät der ADAC. Zu kleine Räder und der Klappmechanismus mit viel Spiel ließen nur eine instabile Fahrweise zu, das Unfallrisiko sei dadurch höher, warnt der Automobilclub. Verkäufer Timo Preis erklärt das so: "Je kleiner ein Rad ist, desto vorsichtiger muss man einlenken." Bei einem bestimmten Lenkwinkel stelle sich das Vorderrad quer, das komme einer Vollbremsung gleich und es komme zum Sturz. Deshalb sei die Radgröße "das A und O".

Herstellerangaben weichen drastisch von tatsächlichen Werten ab

Besonders enttäuscht hat im ADAC-Test auch die Reichweite der Akkus. Hier weichen die Herstellerangaben - zwischen 20 und 50 Kilometern - teils drastisch von den tatsächlichen Werten ab. Dabei komme es allerdings auch auf das Gewicht während der Fahrt an.

Fazit: Weil man für die teuren und etwas sicheren Modelle im Test auch schon verlässliche E-Fahrräder bekommt, raten ADAC und Fahrradverkäufer derzeit dazu, einem E-Fahrrad den Vorzug zu geben.

Sendung: Inforadio, 12.11.2019, 8:35 Uhr

Beitrag von Bettina Meier

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3 Kommentare

  1. 3.

    Das Kraftfahrt-Bundesamt hat diese e-Roller zugelassen. ADAC hin oder her.
    Ob diese e-Roller mehr Mängel haben als Fahrräder wage ich zu bezweifeln.

  2. 2.

    ""Qualität kostet eben", sagt Fahrradverkäufer Timo Preis, der für einen großen Händler in Berlin-Charlottenburg arbeitet. "Da kann keiner zaubern und da wird auch keiner zaubern können. ""

    ein nicht ausrottbares Vorurteil- auch wenn es hier einmal ausnahmsweise zutreffen sollte. Dass das beileibe nicht immer (und eher sehr selten) der Fall ist, zeigen tausende von seriösen Tests von Verbraucherschutzorganisationen.

    "Fazit: Weil man für die teuren und etwas sicheren Modelle im Test auch schon verlässliche E-Fahrräder bekommt, raten ADAC und Fahrradverkäufer derzeit dazu, einem E-Fahrrad den Vorzug zu geben"

    das sind zwei völlig unterschiedliche Fahrzeugtypen mit unterschiedlichen Einsatzszenarien. Kann man ja mal versuchen, ein Pedelec (wie die richtig heißen) tagsüber mit in den Bus zu nehmen.

    Leider sind die E-Tretrollern mittlerweile IMHO aber generell nicht einsetzbar durch die vielen unverantwortlichen Mietnutzer- man würde sich ja nur noch schämen.

  3. 1.

    Obwohl ich durchaus ein Befürworter der E-Mobilität (einfach nur aufgrund der sich daraus ergebenden Freiheiten, mit Klimaschutz hat das nichts zu tun) und der Meinung bin, dass Privat-PKWs innerstädtisch eine Bedarfsprüfung bräuchten (Mann, wird DAS ein Shitstorm!):
    An diesen Spielzeugen kann ich nichts finden. Entweder man bewegt sich aus eigener Kraft fort oder nicht.
    Aber E-Tretroller sind nicht Fisch noch Fleisch, langsam, unsicher und ziemlich albern anzuschauen.

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