Neu angelegter Radweg auf der Joachim-Friedrich-Straße in Berlin-Halensee am 18.11.2019. (Quelle: rbb/Matthias Bartsch)
Audio: Inforadio | 18.11.2019 | Matthias Bartsch | Bild: rbb/Matthias Bartsch

Fahrradstreifen in Halensee - Wenn das Grüne nicht bleibt, wo es hingehört

Das Grün hat Signalcharakter: Achtung, diese Streifen sind für Fahrradfahrer gedacht! Beschichtet werden sie mit Quarzsand - doch immer wieder kommt es vor, dass sich dieser über die gesamte Fahrbahn verteilt, wie jetzt wieder in Berlin-Halensee. Von Daniel Marschke

Mit dem Fahrrad sicherer durch Berlin - dafür sollen grün abgetrennte Fahrbahnstreifen sorgen, wie es sie inzwischen in einer Länge von insgesamt fast 25 Kilometern gibt. Doch die Sache hat ihre Tücken, denn die verwendeten Baustoffe bleiben nicht immer da, wo sie hingehören.

Bereits im vergangenen August wurden sie nahezu komplett weggespült. Damals traf es bei Starkregen die Greifswalder Straße in Prenzlauer Berg, die neue Radschnellverbindung Nr. 4. In der Nähe der Tram-Haltestelle Am Friedrichshain färbte sich das Regenwasser grün, buntes Wasser ergoss sich in den Gulli und auch die benachbarte Autospur wurde eingefärbt.

Grüner Quarzsand auf der gesamten Fahrbahn

Ganz genauso sieht es nun in der Joachim-Friedrich-Straße in Berlin-Halensee aus. Um dort neue Fahrradstreifen anzulegen, war der nördliche Straßenabschnitt zwischen Kurfürstendamm und Damaschkestraße am Wochenende komplett gesperrt worden - dennoch ist inzwischen die ganze Straße grün.

Allerdings: "Was sich auf der Straße verteilt hat, ist keine Farbe, sondern überschüssiger, grün gefärbter Quarzsand", sagt Jan Thomsen, Sprecher der Senatsverkehrsverwaltung. Auch von einer Baupanne, so Thomsen am Montagabend gegenüber rbb|24, könne keine Rede sein. Vielmehr sei der Sand durch Autos verteilt worden - obwohl die Straße seit Freitagabend gesperrt war.

Fahrrradstreifen haben angeblich nicht gelitten

Dass überhaupt so viel Sand zum Einsatz kommt, hänge mit der speziellen Arbeitsweise bei der Anlage solcher Radstreifen zusammen, erklärt Thomsen. Zuerst werde eine Schicht Epoxidharz aufgetragen, eine Art Kleber, der den Untergrund für den dann aufgetragenen Quarzsand bildet. Damit dieser auf der gesamten Fläche gut deckt und auch in einer ausreichenden Stärke haften bleibt, werde immer viel mehr Sand verwendet als eigentlich benötigt. Der überschüssige Sand werde nach Abschluss der Arbeiten zusammengefegt, abtransportiert und an anderer Stelle wiederverwendet.

Warum in der Joachim-Friedrich-Straße am Wochenende - trotz Absperrung - so viele Autos unterwegs waren, vermag Thomsen auch nicht zu sagen. Allerdings hat er eine Vermutung: Irgendjemand habe die Absperrgitter zur Seite geschoben, "möglicherweise, um einen Parkplatz zu suchen". Die Fahrradstreifen selbst hätten dadurch nicht gelitten.

Greifswalder Straße: Schäden durch Wasserbetriebe

Einen ähnlichen Effekt habe es im Sommer in der Greifswalder Straße gegeben, dort habe der starke Regen die überschüssigen Sandanteile "weggespült", sagt der Sprecher der Verkehrsverwaltung.

Dass der Fahrradstreifen dort auf rund 200 Metern Länge später beschädigt wurde, liege an Arbeiten der Berliner Wasserbetriebe, die dort neue Leitungen verlegen mussten. Die schadhaften Stellen zwischen der Heinrich-Roller- und der Immanuelkirchstraße könnten nun erst im Frühjahr repariert werden, sagte Thomsen. "Bei den Minusgraden, die jetzt anstehen, kann das Epoxidharz nicht richtig austrocknen."

Nach Angaben der Senatsverkehrsverwaltung sind bisher rund 25 Kilometer Fahrradstreifen mit grünem Belag versehen worden. Verantwortlich für die Arbeiten sei die landeseigene InfraVelo GmbH, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft von Grün Berlin.

Beitrag von Daniel Marschke

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19 Kommentare

  1. 19.

    Ich kenne diese Radstreifen aus den USA, nur dass hier wahrscheinlich die Idee geklaut wurde ohne Know-How. Selber schuld.

  2. 14.

    Dieser ganze Kram gehört einfach nicht auf die Straße. Keine Fahrerlaubnis, keine Straßenzulassung. Hat ja einen Grund, dass man eine Fahrerlaubnis haben muss.
    Das ausgerechnet die Gruppe keine Fahrerlaubnis haben braucht, die auch noch völlige Narrenfreiheit hat, ist unverantwortlich.

  3. 12.

    Da ist jetzt halt einfach die ganze Fahrbahn Radstreifen. Für Autofahrer macht das ja meist eh keinen Unterschied, gefahren wird eh wo Platz ist.

  4. 11.

    Wenn man sich das Titelbild ansieht, fällt auf, dass mindestens zwei der Farbspuren auffällig parallel zueinander verlaufen - auch da, wo sie in leichten Rundungen verlaufen.
    Dazwischen sieht die Straße frisch gefegt / gereinigt aus. Es drängt sich der Eindruck auf, dass nicht Autos oder Fahrräder die Farbe verteilt haben, sondern Kehrfahrzeuge der BSR - ganz bestimmt ungewollt, aber so sieht es nunmal aus... sehe Sie sich einfach mal das Titelbild oben an.

  5. 10.

    ... auch sie haben den Beitrag nicht komplett gelesen???
    Es wurde so oder so die falsche Farbe verwendet. Wenn das alles nicht so ernst wäre, könnte man sogar darüber lachen.

  6. 9.

    Vermutlich liegts an autofahrenden Politiker*innen aller Couleur. Denn in Kreuzberg warten wir schon seit 30 Jahren auf die Straßenbahn und Busspuren. Sogar in Charlottenburg schützen schon länger mehr Poller weiträumig die Gehwege ;)

  7. 8.

    "I'm walking" fällt mir dazu als Lied für einen Werbespot ein.

    Hat Günther sich eigentlich schon eine neue Farbe für die Busspuren überlegt? Daran klemmt deren großartig angekündigter Ausbau ja wahrscheinlich auch. Mein Vorschlag wäre gelb. ;-)

  8. 7.

    In Steglitz ist es genauso. Von der Senatsverwaltung wurde ich diesbezüglich ans Tiefbauamt des Bezirks verwiesen. Das würde angeblich wohl bauen, aber die Straßenverkehrsbehörde erteilt keine Genehmigung, mit der Begründung, dass Bus- und Lieferverkehr die Radfahrstreifen permanent überfahren müssten und quasi ohnehin blockieren würden. Mit dieser Argumentation dürfte es nirgendwo Fahrradstreifen geben, denn Bus- und Lieferverkehr gibt es in jeder größeren Straße. Man wird den Eindruck nicht los, dass in den Behörden zum Teil Leute sitzen, die das Gesetz mutwillig boykottieren.

  9. 5.

    Sie haben den Artikel gelesen? Der Sand wurde durch Autofahrer verteilt die die Absperrung missachtet haben. Was hat es mit einem E Auto zu tun?

  10. 4.

    Also das Foto sieht genau so aus wie nicht wenige "Pedalritter" fahren.

  11. 3.

    über diesen Artikel wird sich Mario Barth besonders freuen, hurra und der doofe Steuerzahler bezahlt wiedermal das Modellbauspiel eines sogenannten verantwortlichen Politiker

  12. 2.

    Da kann man als Autofahrer nur schmunzeln, genauso wenn ein E-Auto an der Autobahn steht und der Fahrer einen Stecker und ein Seil in der Hand hält!

  13. 1.

    Ich bin gespannt wann das Bezirksamt Reinickendorf mal damit anfangen möchte das Mobilitätsgesetz umzusetzen. In der ganzen Stadt geht es sichtbar voran nur die CDU im Nordwesten versucht die Entwicklung auszusitzen. Woran liegt‘s?

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