Eine Wasser-Fledermaus (Myotis daubentoni) jagt in der Nacht an der Wasseroberfläche. (Quelle: imago-images/AGAMI/T. Douma)
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Baubeginn erst im Mai 2020 - Fledermäuse bringen Zeitplan für "Einheitswippe" durcheinander

Erst haderte der Bundestag mit dem Einheitsdenkmal, dann kamen denkmalgeschützte Mosaiken in die Quere und nun sind es die Fledermäuse, die für eine erneute Verschiebung des Baubeginns sorgen. Laut einem Medienbericht kann es erst im Mai 2020 losgehen.

Der Bau des geplanten Freiheits- und Einheitsdenkmals in Berlin-Mitte wird sich erneut verschieben. Das berichtet der Berliner "Tagesspiegel" in seiner Sonntagausgabe und beruft sich dabei auf Angaben von Naturschutz-Experten. Demnach halten sich im Sockel des Denkmals weiterhin geschützte Fledermäuse auf. Ein Baubeginn ist damit frühestens am 1. Mai 2020 möglich - nach dem Winterschlaf der Tiere.

Schreie von Wasserfledermäusen

Dem Bericht zufolge hatte die Diplom-Biologin und Fledermaus-Expertin Susanne Rosenau am 21., 24. und am 26. Oktober im Sockelbereich des geplanten Denkmals Rufe von Wasserfledermäusen festgestellt - mit Hilfe von elektronischen Aufnahmegeräten.

Damit war klar: Den Fledermäusen, darunter auch zwei Exemplare von Zwerg- und Rauhaut-Fledermäusen, war es gelungen, noch vor Baubeginn ihr Winterquartier zu beziehen - obwohl es die Senatsumweltverwaltung dem Architekturbüro "Milla und Partner" Anfang Oktober zur Auflage gemacht hatte, den Sockel fledermausfrei zu halten. Dazu waren am Sockel Planen angebracht worden. Doch laut "Tagesspiegel" waren diese Planen unzureichend angebracht.

Tiere befinden sich bereits im Winterschlaf

Inzwischen ist es nun zu spät, denn bei Außentemperaturen um den Gefrierpunkt haben die Tiere in ihren geschützten Nischen längst mit dem Winterschlaf begonnen. Nach Angaben des NABU senken sie ihre Körpertemperatur von Anfang November bis Ende März auf drei bis fünf Grad Celsius herab. Atmung und Herzschlag können sich in dieser Zeit um das Vierzigfache verringern.

"Wenn man die Tiere jetzt weckte, verbrauchten sie Energie, die ihnen am Ende des Winters fehlt", zitiert die Zeitung einen Experten. Dann würden die Fledermäuse sterben. Als oberste Naturschutzbehörde könnte die Senatsumweltverwaltung den Baubeginn zwar dennoch genehmigen, aber wegen der zuletzt gemachten strengen Auflagen ist das mehr als unwahrscheinlich.

Laut NABU noch immer keine Ausgleichsmaßnahmen

Anfang Oktober hatte die Behörde grünes Licht für den Baubeginn der Einheitswippe gegeben - aber nur unter strengen Natur- und Artenschutzauflagen. Dabei geht es um Ausgleichsmaßnahmen für die im Gewölbe lebenden Fledermäuse. Ende Oktober hatte der NABU Berlin dann Klage gegen die zuvor erteilte Genehmigung der Senatsbauverwaltung erhoben.

Denn laut NABU hat die Behörde bisher weder ein ausreichendes Ersatzquartier noch alternative Brutplätze für die seltenen Wasserfledermäuse geschaffen. Alternativen seien nicht geprüft worden. Ohne einen Ersatz sei der für diesen Winter vorgesehene Baubeginn der "Einheitswippe" nicht möglich. Die Bauverwaltung müsse das bereits geschlossene Fledermausquartier an der Baustelle sofort wieder öffnen, hieß es.

Denkmal sollte am 9. November eingeweiht werden

Für das seit Jahren umstrittene Projekt hatte der Bundestag im vergangenen Jahr 17 Millionen Euro freigegeben. Auf dem Sockel des früheren Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals vor dem künftigen Humboldt Forum soll eine riesige begehbare Waage an die friedliche Wiedergewinnung der Deutschen Einheit erinnern. Ursprünglich war die Eröffnung für den 9. November dieses Jahres geplant, zum 30. Jahrestag des Mauerfalls.

Doch immer wieder verzögerte sich der Baubeginn des Denkmals, unter anderem wegen des Erhalts denkmalgeschützter Mosaiken des ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals, das an dieser Stelle stand, und wegen der verspäteten Freigabe der Baugelder.

Sendung: Abendschau, 03.11.2019, 19.30 Uhr

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15 Kommentare

  1. 15.

    Eine enttäuschende Bilanz für die Einheit der Freiheit, sich mit der Verdrängung anderer zu schmücken.

  2. 14.

    Hoffentlich bleiben die Fledermäuse noch recht lange.

  3. 13.

    Nochmal die Frage an jemanden der sich auskennt: Wie ist der Unsinn zu verhindern?

  4. 12.

    Dieses Kunstwerk brauchen bestimmt nur ein paar Politiker, um sich ein Denkmal für die Ewigkeit zu setzen. Die Meinung der Mehrzahl der Bürger, die sowieso keine Ahnung von Kunstwerken haben, interessiert unsere Volksvertreter nicht. So ist das in unserem sog. demokratischen Rechtsstaat. Die Millionen Euro spielen da keine Rolle .

  5. 11.

    Der Platz wird bestimmt irgendwann von Obdachlosen und Drogenjunkies genutzt, weil keiner zu dieser Wippe will. Für 17 Millionen hätte man auch Häuser bauen können. Hat mehr nutzen

  6. 10.

    Ich verzichte mehr als gerne auf dieses sog. Denkmal an diesem Ort.
    Danke den Fledermäusen und Dank dem NABU!

  7. 9.

    Ich bin für Mäuse! Besonders gern wenn sie fledern. Die Wippe jedenfalls ist Mist.

  8. 8.

    Ich kann ihnen nur zustimmen. Heute im Garten - vier, fünf Fledermäuse in der Dämmerung. Wundervoll anzusehen. Da kann man die Zeit vergessen.
    <OT>
    Schlappt 'ne Mausefamile durch das Gras und "Babymaus" sieht nach oben und sagt zu "Mamamaus": "Wenn ich groß bin gehe ich auch zur Luftwaffe".

  9. 7.

    1. Es ist sehr schade, daß der Juchtenkäfer nicht in diesem Sockel siedelt.
    2. Aber es gibt ja noch die Steinlaus, deren Nagerei an den Fundamenten noch für Probleme sorgen wird.

  10. 6.

    Wer braucht dieses teure, hässliche Ding.
    Vielen Dank den Fledermäusen.

  11. 5.

    Die "Einheitswippe" brauche ich nicht, es ist nur Geldverschwendung. Die Fledermäuse sollen da bleiben wo sie sind, auch nach dem 1.Mai 2020, gebt das Geld für den Naturschutz aus.

  12. 4.

    Ein großes Dankeschön an die Fledermäuse. Sicher werden sie nicht verhindern können, das dieses Verschaukel-Denkmal überhaupt gebaut wird. Man sollte einen Volksentscheid starten, wer dieses Teil überhaupt will. Das Geld kann man auch sinnvoll nutzen.

  13. 3.

    Ein Hoch auf die auf die Tierchen. Die Wippe ist eine Verschauklung der Politiker auf die Einheit. Außer ihnen braucht keiner dieses Monster.

  14. 2.

    Also ich freue mich im konkreten Fall sehr über die Tiere, die neben uns in der Stadt leben;-) Nein, ganz im Ernst: Ich kenne keinen der der Meinung ist, dass man diese Wippe wirklich für irgendwas braucht.
    Ich hoffe noch immer, dass dieser Unsinn verhindert wird.

  15. 1.

    Das Geld sollte man lieber in das Vollziehen einer wirklichen Einheit investieren. Eine Einheit in der es keinen Unterschied mehr gibt in der Bezahlung, den Sozialleistungen und Rentenansprüchen zb. Auch nach 30 Jahren hat sich da nichts Erhebliches getan. Da kann ich auf eine Einheitswippe als Symbol des nicht vorhandenen sehr gut verzichten.

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