Obdachlose in Berlin am Bahnhof Zoo (Bild: imago images/Rolf Kremming)
Video: Abendschau | 24.11.2019 | Projektleiter Klaus-Peter Licht im Gespräch | Bild: imago images/Rolf Kremming

Mehr als 1.500 Helfer angemeldet - Interesse an Obdachlosenzählung in Berlin steigt deutlich an

Noch vor wenigen Tagen wurden mindestens 1.000 freiwillige Helfer für die Obdachlosenzählung gesucht, die Anfang nächsten Jahres durchgeführt werden soll. Jetzt präsentieren die Organisatoren im rbb ermutigende Zahlen.  

Für die Ende Januar geplante Obdachlosenzählung in Berlin haben sich bislang insgesamt 1.553 freiwillige Helfer angemeldet. Diese Zahl nannte Projektleiter Klaus-Peter Licht am Sonntagabend im rbb. Damit haben sich innerhalb von vier Tagen mehr als 500 neue Interessenten bei der Initiative angemeldet. Am 20. November hatte die Senatsverwaltung für Soziales einen neuen Aufruf zur Teilnahme gestartet und dabei von bisher 1.000 Anmeldungen gesprochen.

Von den jetzt mehr als 1.500 freiwilligen Helfern hätten sich 483 bereit erklärt, bei den Zählungen als Teamleiter mitzumachen, so Licht. Jeder, der sich angemeldet habe oder das noch tun werde, bekomme immer freitags eine Erinnerungsmail. Alle Helfer würden regelmäßig informiert, so Licht. Er sei zuversichtlich, dass die insgesamt 2.000 benötigten Personen erreicht würden.

"Unsere Zahlen werden akkurat sein"

Bislang stammen seinen Angaben zufolge die meisten Interessenten aus den Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte. Randbezirke wie Spandau und Reinickendorf hätten noch großen Nachholbedarf. "Am Rand Berlins benötigen wir noch mehr Helfer. Wir wollen und können auch die These widerlegen, dass dort weniger Obdachlose leben. Viele von ihnen werden zunehmend in Randbezirke gedrängt, auch dort müssen wir Angebote schaffen", betonte Licht.

Freiwillige Helfer würden vor dem Einsatz, der am späten Abend des 29. Januar 2020 laufen soll, intensiv geschult. Die Teams würden dabei von Teamleitern angeführt, so Projektleiter Licht. "Wir haben einen Verhaltenskodex, der vorsieht: Privatsphäre der Obdachlosen achten, keine Fotos machen, niemanden wecken, wir respektieren einfach die Menschen." Gleichzeitig gelte: Die Sicherheit für die Teams gehe vor. "Falls wir auf alkoholisierte und aggressive Obdachlose treffen, dann zählen wir aus der Entfernung." Sicher könne man nicht in allen Bereichen Berlins zählen und nach Obdachlosen schauen, "gleichwohl werden unsere Zahlen akkurat sein – und bestimmt genauer als die, die wir jetzt haben", so Licht.

Zählungen sollen etwa drei Stunden dauern

Ziel der "Nacht der Solidarität" vom 29. zum 30. Januar 2020 ist es, erstmals Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie viele Obdachlose in Berlin tatsächlich leben. Bisher weiß das niemand. Fachleute gehen davon aus, dass es mehrere Tausend sind und ihre Zahl zuletzt stetig stieg. Die Zählung findet in Gruppen aus jeweils mindestens drei Personen statt.

Rund 500 Teams sollen ausschwärmen - angeleitet von Teamleitern. Die Zählung wird in der Zeit von 22 bis etwa 1 Uhr stattfinden. Die Teilnehmer müssen mindestens 18 Jahre alt sein und sollten drei Stunden zu Fuß unterwegs sein können. Anmeldungen sind im Internet [freinet-online.de] möglich.

Sendung: Abendschau, 24.11.2019, 19:30 Uhr

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4 Kommentare

  1. 4.

    Ja, sie haben schon nicht mal Geld und Leute für so eine Zählung !?
    Ich bin auch sehr gespannt, was sie dann da nachher für “Angebote“ für die Obdachlosen haben !

  2. 3.

    Warum macht Berlin das mit Freiwilligen? Ich finde das hat ein gewisses Geschmäckle!

  3. 2.

    Merkwürdigerweise habe ich noch keine "Erinnerungsmail" bekommen trotz Anmeldung vor Wochen. Wäre für die Aktion Ende Januar vielleicht auch etwas verfrüht. Falls zu Werbezwecken gibts einen Fehler im System?!

  4. 1.

    Man will in Randbezirken Angebote schaffen? Keine neuen Unterkünfte. Niemand muss auf der Straße leben. Ziel muss sein die Leute von der Straße zu bekommen und nicht das Leben auf der Straße versuchen so bequem wie möglich zu machen.
    Verstehe ich nicht.

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