ARCHIV - ILLUSTRATION - Das gestellte Foto zeigt, wie mit einem zu einem Röhrchen gerollten Geldschein (100 Euro) ein weißes Pulver - ähnlich dem Kokain - eingezogen wird (Symbolfoto zum Thema Kokakin, Rauschgift, aufgenommen am 31.01.2008) (Quelle: dpa).
Bild: dpa-Zentralbild

Sechs Festnahmen, drei Haftbefehle in Berlin - Polizei nimmt mutmaßliche Kokain-Lieferbande fest

Seit Monaten hat die Polizei in Berlin verstärkt Kriminelle im Blick, die Drogen nach Bestellung per SMS oder Anruf zum Kunden fahren. Jetzt sind 170 Beamte ausgerückt: Und haben eine Gruppe von sechs Männern festgenommen und drei Haftbefehle erlassen.

Die Berliner Polizei hat am Mittwoch nach monatelanger Vorarbeit gegen eine mutmaßliche Bande von Kokain-Dealern zugeschlagen und sechs Tatverdächtige festgenommen. Das teilte ein Sprecher am Donnerstagnachmittag mit. Gegen drei der sechs Männer wurde am Abend Haftbefehl erlassen. Sie sollen die Organisatoren des illegalen Lieferhandels sein. Die drei anderen Verdächtigen wurden wieder entlassen. Sie sollen als Fahrer tätig gewesen sein oder das Kokain gelagert haben, diese Vorwürfe wertete der Haftrichter als geringere Tatbeteiligung. 

Am Mittwochmorgen durchsuchten Polizisten ab sechs Uhr insgesamt 17 Wohnungen, Gewerberäume, Autos und ein Laubengrundstück. An dem Großeinsatz in Neukölln, Hellersdorf, Marzahn, Wedding, Lichtenberg, Reinickendorf, Weißensee, Ahrensfelde und Blankenfelde-Mahlow waren 170 Beamte beteiligt, darunter auch Finanzermittler. Bei den Durchsuchungen seien unter anderem Drogen, eine scharfe und geladene Schusswaffe, eine Waffenattrappe, Munition und eine fünfstellige Geldsumme gefunden und beschlagnahmt worden.

Die Verdächtigen im Alter von 18, 19, 26, 29 und 39 Jahren sind alle in Berlin gemeldet. Ihnen werden gemeinschaftlicher, bandenmäßiger Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vorgeworfen. Darauf stehen mindestens fünf Jahre Freiheitsstrafe [gesetze-im-internet.de]. Vom Standort in einer Bar aus sollen die Verdächtigen arbeitsteilig an dem Lieferservice mitgewirkt haben, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Nach Bestellung per Handy seien die Drogen zu den Kunden gefahren worden. Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft hatten eigenen Angaben zufolge seit Juli 2019 intensiv gegen die mutmaßliche Bande ermittelt.

Interpol: 95 Prozent der Lieferungen bleiben unentdeckt

Die Menge des verkauften Kokains ist in den vergangenen Jahren laut der EU-Drogenbeobachtungsstelle und des Bundeskriminalamts dramatisch gestiegen. In den Hauptanbauländern Kolumbien, Peru und Bolivien ist die Fläche der Kokafelder deutlich angewachsen, zugleich habe die Nachfrage unter anderem in Deutschland stark angezogen, zitiert der "Spiegel" [Artikel hinter Bezahlschranke] den drogenpolitischen Sprecher der Linkspartei im Bundestag.

Auch in Berlin steigt der Konsum. Darauf deuten Untersuchungen der Berliner Abwässer hin, die von der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht veröffentlicht wurden. Die Menge der nachgewiesenen Kokain-Rückstände hat sich in Berlin von 2014 bis 2018 fast verdoppelt.

"Wir können die Anzahl der Services gar nicht überblicken"

Für das Jahr 2018 wurden durch eine nachträgliche Auswertung der Berliner Polizei elf Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit sogenannten "Koks-Taxis", also illegalen Lieferdiensten, festgestellt. Seit Mai 2019 werden solche Fälle nun gesondert erfasst, bis Anfang Oktober waren es bereits 35 Vorgänge. "Wir können die Anzahl der Services gar nicht überblicken. Wir wissen aber aus Ermittlungsverfahren, dass bei solchen Handynummern pro Tag dreistellige Anrufe eingehen", so der Chef der Berliner Drogenfahnder im Gespräch mit dem rbb. 

Im Jahr 2016 starben in Berlin 21 Menschen nach dem Konsum von Kokain, 2018 waren es 35 und im laufenden Jahr kamen allein bis einschließlich Juli bereits 25 Menschen wegen der Droge ums Leben. 

Es gibt keine illegale Droge mit einer derart hohen Rendite: In Südamerika liegt der Preis für ein Kilogramm laut "Spiegel" bei 1.000 US-Dollar, im Straßenverkauf in Europa ist es bereits 70.000 Dollar wert. Interpol geht davon aus, dass 95 Prozent der Lieferungen von den Ermittlungsbehörden unentdeckt bleiben.

Sendung: Abendschau, 14.11.19, 19:30 Uhr

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3 Kommentare

  1. 2.

    Koks ist auch als Heizmittel ungesund.

  2. 1.

    Gut für die Berliner Luft wenn weniger Koks-Taxis unterwegs sind. Kann man jetzt nur noch im Görlitzer Park das weiße Pulver kaufen?

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