Prozess am Berliner Landgericht gegen einen ehemaligen Geschäftsführer eines großen Textildiscounters wegen versuchter Anstiftung zu zwei Morden (Bild: rbb/Morling)
Video: Abendschau | 12.11.2019 | Beate Ostermann | Bild: rbb/Morling

Ex-Topmanager unter Verdacht auf Mordanstiftung - "Natürlich ging es immer ums Geld"

Ein ehemaliger Top-Manager eines großen Textildiscounters muss sich wegen zwei mutmaßlich geplanten Mordanschlägen verantworten. Er sitzt bereits wegen millionenschwerer Untreue und der geplanten Entführung eines Richters im Gefängnis. Von Ulf Morling

Neun Jahre muss der frühere Shootingstar der deutschen Jung-Manager bereits absitzen - nach den Urteilen des Landgerichts in Hof von zuletzt 2015.

Nachdem sich der 43-jährige Norbert A.* in ein Berliner Gefängnis verlegen ließ, weil er "Angst vor noch schlimmeren Misshandlungen" hatte, soll der frühere Top-Manager laut Anklage versucht haben, im Juli 2016 in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Moabit einen Mithäftling dazu zu bringen, einen Belastungszeugen aus einem früheren Prozess  durch einen Auftragsmörder umbringen zu lassen.

Als dieser sich der Sicherheitsabteilung der JVA anvertraute, soll Ex-Manager A. versucht haben, auch einen Killer für diesen Gefangenen zu finden, behauptet die Staatsanwaltschaft. Hauptbelastungszeugen: die beiden Mitgefangenen von A., die angeblich einen Auftragskiller besorgen sollten.

"Nie gedacht oder getan"

Umrahmt von insgesamt drei Verteidigern verliest Norbert A. zum Prozessauftakt im Berliner Landgericht eine umfangreiche Erklärung: "Ich muss zur Kenntnis nehmen, dass ich rechtskräftig verurteilt wurde!", sagt er und spielt auf seine millionenschwere Untreue an. 3,7 Millionen Euro hatte er als Geschäftsführer eines Textildiscounters veruntreut und mutmaßlich ins Ausland transferiert.

Noch während seines Prozesses hatte er aus der Untersuchungshaft heraus versucht, den vorsitzenden Richter entführen und möglicherweise töten zu lassen, um freigesprochen zu werden.

Das habe er "nie gedacht oder getan", erklärt Ex-Manager A. am ersten Prozesstag heute, obwohl beide Urteile wegen Untreue und Anstiftung zur Geiselnahme rechtskräftig sind und zu einer Gesamtstrafe von neun Jahren im September 2016 zusammengezogen wurden.

Zweifelhafte Mitgefangene als Kronzeugen?

"Ich habe das Geschehen nicht gepusht, sondern versucht, es zu verzögern", versucht A. die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, für mindestens zwei Mordaufträge Unterstützer gesucht zu haben, zu entkräften. 

Der Ex-Manager räumt ein, nach seiner "Verschubung" im Gefangenentransporter aus Bayern nach Berlin bereits in der JVA Moabit im Juli 2016 den Mitgefangenen W. kennengelernt zu haben. "Kannst Du mir finanziell unter die Arme greifen?", soll der Mitgefangene gefragt haben. Er habe es abgelehnt, aber von anderen Gefangenen das "Angebot" erhalten, seine zahlreichen Immobilien verwalten zu wollen. "Natürlich ging es immer ums Geld!", sagt A. im Prozess.

Eine Immobilie für einen Mord

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der frühere Geschäftsführer A. dem Mitgefangenen W. eine Beteiligung an seinen Immobilien angeboten hatte, damit der sich um einen Auftragsmörder kümmere. Der Killer sollte den ebenfalls im Gefängnis einsitzenden K. mittels einer Überdosis Rauschgift töten, nachdem er seine Aussage vor Gericht schriftlich widerrufen hätte. Das ausgesuchte Opfer K. hatte A. in seinen früheren Verfahren belastet. A. bestreitet den Auftrag zum Mord an ihm.

Der zweite Hauptbelastungszeuge  ist ebenfalls ein Mitgefangener, den A. nach seiner Verlegung in die JVA Tegel kennenlernte. Im Männerknast in Tegel soll A. erfahren habe, dass sein Moabiter Haftgenosse ihn bei der Justiz inzwischen wegen seines angeblich geplanten Mordauftrags anschwärzte.

Dem in der JVA Tegel einsitzenden Freund aus Haus V soll A. beauftragt haben,  den Moabiter Häftling W. "beim Duschen eine Verletzung beizufügen", so die Anklage. Die Tötung könne ja wie ein Unfall aussehen.

Der erste Belastungszeuge kippt

Der frühere Mithäftling W., der auch einer der Hauptbelastungszeugen ist und inzwischen in Bautzen einsitzt, schrieb jetzt an das  Berliner Gericht einen Brief. Was er bei der Polizei zu einem angeblichen Mordauftrag gesagt habe, der ihm von A. erteilt worden sei, stimme alles nicht. Alles sei Lüge. Er verweigere zukünftig seine Aussage.

Wie der zweite Kronzeuge sich verhält, der laut Staatsanwaltschaft im Auftrag von A. einen Killer finden sollte, muss wohl die Vernehmung im Prozess zeigen.

Der Prozess gegen den früheren Top-Manager, der zum Verbrecher wurde, ist auf  insgesamt sechs Verhandlungstage terminiert. Urteil: voraussichtlich am 10. Dezember.

*Name geändert

Sendung: Abendschau, 12.11.2019, 19.30 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Wenn sich das so zugetragen hat, gehört er schon wegen Unübersichtlichkeit verurteilt! OMG, was für eine wirre Story! Weiss er selber noch, ob er A., XY oder wen auch immer wie auch immer geschmiert oder zu was auch immer angestiftet hat? Wissen das die anderen? Soll das ein Richter hinterfragen? In manchen Lebensverhältnisse möchte man gar nicht schauen. Das ist so wie den Film

    Über sich selber hat er mal gesagt, er sei nach oben (gespült worden) gekommen, denn "Selbstbewusstsein, hart arbeiten und der Wunsch, schnell Verantwortung zu übernehmen", seien wichtig.

    Irgendwie ist das aber so: oben BLEIBEN ist der wahre Erfolg, und das geht nur mit Charakter, Ethik, Moral und Glaubwürdigkeit. Hoppla - wo ist das in seinen Prinzipien?

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