Feuerwehrleute, Polizisten und Mediziner stehen vor der Schlosspark-Klinik, in der Fritz von Weizsäcker bei einem Vortrag erstochen wurde.
Video: rbb24 | 19.11.2019 | Raiko Thal | Bild: dpa

Tatverdächtiger war der Polizei bislang unbekannt - Chefarzt Fritz von Weizsäcker erstochen

Die Nachricht von der tödlichen Attacke auf Fritz von Weizsäcker in einer Berliner Klinik erschüttert ganz Deutschland. Am Tag danach gibt es erste Informationen zum festgenommenen Tatverdächtigen. Polizeilich ist er noch nicht in Erscheinung getreten.

Hinweis, 20.11.2019, 12:10 Uhr: Dieser Beitrag wird nicht mehr aktualisiert. Alle neuen Entwicklungen zum Fall Fritz von Weizsäcker können Sie hier verfolgen.

Nach dem tödlichen Angriff auf den Arzt Fritz von Weizsäcker in Berlin dauern die Ermittlungen der Mordkommission an. Die Polizei teilte am Mittwochmorgen mit, dass der Tatverdächtige 57 Jahre alt ist und der Polizei bislang unbekannt war. "Das Tatmittel war ein Messer", sagte ein Polizeisprecher im Gespräch mit rbb|24. Der 57-Jährige soll demnach noch am Mittwoch einem Haftrichter vorgeführt werden. Weitere Angaben zum mutmaßlichen Täter und zum Tatmotiv machte der Sprecher nicht.

Der Tatverdächtige war nach der Tat am Dienstagabend in der Schlosspark-Klinik in Berlin-Charlottenburg noch vor Ort festgenommen worden. Er sollte laut Polizei in der Nacht verhört werden. Die Polizei will im Lauf des Mittwochs über neue Erkenntnisse informieren.

Polizist schwer verletzt

Der 59-jährige von Weizsäcker war am Dienstagabend erstochen worden. Der Chefarzt hielt gerade einen medizinischen Vortrag in der Klinik, als kurz vor 19 Uhr ein Mann aus dem Zuschauerraum auf ihn losging, wie eine Polizeisprecherin sagte. Von Weizsäcker starb noch vor Ort.

Ein 33-jähriger Polizist, der privat dem Vortrag beiwohnte, konnte am Dienstagabend den Tatverdächtigen überwältigen, zog sich dabei aber schwere Verletzungen zu. Mehrere von den etwa 20 Anwesenden im Publikum konnten den 57-jährigen Mann letztlich festhalten und der Polizei übergeben, wie die Berliner Polizei auf Twitter mitteilte.
 

Cousin: "Habe ihn ungewöhnlich lieb gehabt"

Der Umweltwissenschaftler Ernst Ulrich von Weizsäcker würdigte am Mittwoch seinen getöteten Cousin Fritz mit warmen Worten. "Ich fand ihn ganz wunderbar", sagte von Weizsäcker der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Ich habe ihn ungewöhnlich lieb gehabt."

Er habe keine Ahnung, was hinter dem Verbrechen stecken könnte, so Ernst Ulrich von Weizsäcker, der früher SPD-Bundestagsabgeordneter war. Er habe seinen Cousin noch kürzlich bei einer Familienfeier getroffen und sich sehr nett mit ihm unterhalten.

Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci bekundete ihr Beileid. "Ich bin bestürzt über die Nachricht vom tödlichen Angriff auf Fritz von Weizäcker. Meine Gedanken und mein Beileid sind bei seinen Angehörigen", erklärte die SPD-Politikerin am Mittwoch. Sie verurteile Gewalt gegen Ärztinnen und Ärzte und Pflegekräfte "aufs Äußerste". Dass Menschen, die anderen helfen und Leben retten, so etwas passiere, erschüttere sie besonders. "Mein Dank und Respekt gilt den Teilnehmenden der Veranstaltung, die Zivilcourage gezeigt haben", so Kalayci weiter.

Seit 2005 Chefarzt der Inneren Medizin

Von Weizsäcker war Sohn des früheren Bundespräsidenten und Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Richard von Weizsäcker (1920-2015), und dessen Frau Marianne. Nach mehreren Stationen als Facharzt für Innere Medizin und Hochschullehrer in Freiburg war er 2005 an die private Schlosspark-Klinik gewechselt.

Die Klinik hat nach eigenen Angaben rund 340 Betten. Es gibt Fachabteilungen unter anderem für Ästhetisch-Plastische Chirurgie, Innere Medizin (Gastroenterologie und Kardiologie), Neurologie, Orthopädie und Psychiatrie.

Regelmäßig gibt es Veranstaltungen, die sich in der Regel an interessierte medizinische Laien wenden. Auch von Weizsäcker hielt regelmäßig Vorträge. Am Dienstagabend wollte er über Leberprobleme sprechen. Er wurde 59 Jahre alt.

Kommentarfunktion am 20.11.2019, 15:10 Uhr geschlossen

Die Kommentare dienen zum Austausch der Nutzerinnen und Nutzer und der Redaktion über die berichteten Themen. Wir schließen die Kommentarfunktion unter anderem, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. 

Sendung: rbb24, 19.11.2019, 21.45 Uhr

Das könnte Sie auch interessieren