Kinderdemo zu 30 Jahre UN-Kinderrechtskonvention (Quelle: INA.KINDER.GARTEN GmbH)
Bild: INA.KINDER.GARTEN GmbH

UN-Kinderrechtskonvention - Kita-Demo legt Hauptstraße in Berlin-Schöneberg lahm

"Mehr Kuchen, kein Krieg". Für Ziele wie dieses gingen am Mittwoch 80 Kinder aus einer Schöneberger Kita auf die Straße - und legten diese als angemeldete Demo für eine Stunde lahm. Anlass war der 30. Geburtstag der UN-Kinderrechtskonvention.

Dass die Polizei Straßen wegen einer Demo absperrt, ist in Berlin Alltag - im Schnitt etwa zwölf Mal am Tag wird in der Hauptstadt demonstriert. Dass die Demonstranten den Polizisten bis zur Hüfte gehen, aber nicht. Doch am Mittwochmorgen hat der Schöneberger INA.KINDER.GARTEN einen Teil der Hauptstraße in Schöneberg lahmgelegt.

Etwa 80 Kinder zwischen einem und sechs Jahren gingen auf die Straße, um für ihre Rechte zu demonstrieren: Anlass war der 30. Geburtstag der UN-Kinderrechtskonvention [tagesschau.de].  

Start des Aufzugs war die Neue Steinmetzstraße. Die Demonstration führte dann auf einem Rundkurs über die Großgörschenstraße, Potsdamer Straße und Hauptstraße zum Kaiser-Wilhelm-Platz. Dort gab es vor dem Rückweg sogar eine kurze Kundgebung - die allerdings einer der Pädagogen hielt.

"Mehr Kuchen, kein Krieg"

Die 80 Kinder wurden nicht nur vom Kita-Personal begleitet, sondern auch von Elternteilen und Großeltern, die als Ordner fungierten - und, wie es sich für eine echte Demo gehört, von einigen Polizisten. Zwischenzeitlich wurden die Buslinien M48, M85 und 187 umgeleitet.

Nicht ganz eine Stunde - von kurz nach neun bis zehn Uhr - war der Demonstrationszug unterwegs.

Die Demo selbst sei eine Idee der Kinder gewesen, sagt Ute Römer im Gespräch mit rbb|24, eine der Leiterinnen des Kindergartens. Die Kita habe ein Kinderparlament, das regelmäßig tage. Das sei mit dem Thema "Kinderrechte" schon des Öfteren in Berührung gekommen. Deswegen haben sie das Jubiläum der Konvention zum Anlass für eine Demo nehmen wollen.

Die Kinder seien sogar selbst - wenn auch in Begleitung von Erziehern - zur Polizei gegangen, um die Demo anzumelden. Und auch um alles Weitere wie Schilder und laute Musikinstrumente hätten sich die Kinder selbst gekümmert. Auf den Schildern hielten sie Sprüche hoch wie "Mehr Kuchen, kein Krieg" und "Wir haben echte Rechte!".

"Die Jüngsten gehören hier dazu und können auch mitbestimmen"

Bei der Demo waren laut Römer alle Altersgruppen, die es in der Einrichtung gibt, vertreten. Damit wolle man ein Zeichen setzen: "Die Jüngsten gehören hier dazu und die Jüngsten können auch mitbestimmen", sagt Römer rbb|24.

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20 Kommentare

  1. 20.

    „Mehr Kuchen, kein Krieg“. Als wir das gelesen haben, waren wir begeistert.
    Wir sahen „Bildung“ verwirklicht, so wie wir sie uns vorstellen. Wir sahen gelebte Partizipation. Die Umsetzung unseres Auftrages zur Förderung der individuellen Entwicklung und „Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit“. Wir empfanden höchste Achtung für alle, die diese Aktion möglich gemacht hatten: die Kinder, die Eltern, die Fachkräfte.
    Als wir dann die Kommentare lasen, trübte sich unser Gemüt. Dort sahen wir Licht und Schatten: das Licht einer verwirklichten Erziehungspartnerschaft zwischen Eltern und Fachkräften und den Schatten einer Gesellschaft, die nach wie vor Angst vor einem Paradigmenwechsel hat. Angst, Kinder könnten den „Raum“ beanspruchen, der ihnen zusteht.
    Doch gerade in der heutigen Zeit brauchen wir eine Pädagogik des Mutes, nicht der Angst. Die Kinder zeigen uns den Weg, wir müssen sie nur ernst nehmen, ihnen zuhören und mutig begleiten.

  2. 19.

    Im Text wird ausführlich davon gesprochen, dass die Kinder diese Entscheidung selbst getroffen haben, dass nennt sich "politische Teilhabe aller Gruppen" oder auch Art. 12 der Kinderrechte: "...Zu diesem Zweck wird dem Kind insbesondere Gelegenheit gegeben, in allen das Kind berührenden Gerichts- oder Verwaltungsverfahren entweder unmittelbar oder durch einen Vertreter oder eine geeignete Stelle im Einklang mit den innerstaatlichen Verfahrensvorschriften gehört zu werden." sowie Art. 13 in der es um freie Meinungsäußerung geht.

    Die Begründung auf ein Kinderparlament finden Sie dann auch in Art. 15 "Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit:
    Die Vertragsstaaten erkennen das Recht des Kindes an, sich frei mit an anderen zusammenzuschließen und sich friedlich zu versammeln."

  3. 18.

    Vergleichen Sie grade das Kinderparlament (ohne "") mit Kinderarbeit? Ich bin ein Vater in dieser Kita und deswegen kann ich Ihnen versichern: Es sitzen schon einjährige in diesem Parlament, die Kinder stellen sich zu Wahl oder eben nicht und wer demokratisch gewählt wird, ist Vertreter*in seiner oder ihrer Gruppe. Legislaturperiode ist ein halbes Jahr, wer nicht mehr will tritt ab und es wird neu gewählt. Das ist gelebte Demokratie.
    Das ganze ist - wie alles in dieser Kita - durch kompetente Pädagog*innen begleitet und schafft eine echte Beteiligung der Kinder an allen Belangen, die sie betreffen. Das ist von Gesetzes wegen sogar vorgeschrieben (§ 8 SGB VIII Beteiligung von Kindern und Jugendlichen). Wie das jede Kita umsetzt ist Kita-/Trägeraufgabe und wird konzeptionell festgelegt. Unter anderem ist daran die Betriebserlaubnis gekoppelt. Ob Beteiligung von Kindern ermöglicht wird ist nicht die Frage, sondern wie.
    Und verwechseln Sie jetzt bitte nicht Beteiligung mit Wunschkonzert.

  4. 17.

    Bezüglich der Hauptforderung der UN Kinderrechtskonvention geht es nicht nur "dieser Kita" gut. In der Charta der Grundrechte der Europäischen Union ist nach Artikel 32 Kinderarbeit verboten.

    Die Liste der Altersstufen im deutschen Recht ist hier ganz gut dargestellt.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Altersstufen_im_deutschen_Recht

    Dreijährige in einem "Parlament" wäre da in der Tat ein neuer Ansatz, der wohl keine Aussicht auf Realisierung hätte.

  5. 16.

    Großartige Aktion!

    Kinder leben nun einmal nicht in einer Luftblase, sie sind ein Teil dieser Gesellschaft und dann sollen sie nicht demonstrieren dürfen? Dies widerspricht den Rechten dieser Kinder und dann können sie Kindern mit ihren negativen Meinungen gleich gar keine Kinderrechte einräumen!
    Instrumentalisierung???? Kinderrechte betreffen Kinder und sie sind für die Rechte, die viele Erwachsene ihnen nicht einräumen demonstrieren gegangen, was für eine großartige Erfahrung für Kinder!
    Ich wünschte es gäbe mehr Erwachsene, die Kinder und ihre Meinung ernstnehmen!
    Weiter so!!!

  6. 15.

    Wann überträgt der RBB mal eine Sitzung des "Parlaments" von Zwei- bis Vierjährigen?

  7. 14.

    @Thomas & Co: Genau wegen Meinungen wie der Ihren, sind diese Kinder auf die Straße gegangen: Kinder haben das Recht auf eine Meinung und das Recht diese Kund zu tun. Das Weltbild dieser Kinder ist weitaus mehr gefestigt als das von so manchem Erwachsenen, der sein Recht auf Demonstration wahr nimmt. Die Kinder haben sich selbst dazu entschieden das zu machen und sind dabei von Erwachsenen begleitet worden, die ihnen ihr Recht möglich gemacht haben. Danke dafür! Das ganze Projekt hat länger als ein halbes Jahr gedauert:
    Die Welt dieser Kinder wurde immer wieder mit FFF konfrontiert. Es kam nach einem Demobesuch der Wunsch auf, dass man selber auch einmal demonstrieren wolle. Dieser Wunsch wurde an die gesamte Kindergemeinschaft heran getragen, diskutiert und abgestimmt, Expert*innen von FFF eingeladen, die Polizei angeschrieben, die Demo angemeldet, das Thema festgelegt, die möglichen Routen abgelaufen, mit Polizei Fragen diskutiert, Aufgaben deligiert und dann demonstriert.

  8. 13.

    Traurig mit anzusehen wie unsere Kinder für politische Zwecke missbraucht werden.
    In diesem Alter sollten die Kinder auf dem Spielplatz und nicht auf der Straße sein.
    Kinder sollten selber in ihrem späteren Leben entscheiden können wann sie auf eine Demo gehen,
    wenn ihr Weltbild gefestigt ist. Natürlich ist es wichtig darauf hinzuweisen anderen Kindern in Not zu helfen, aber bitte nicht auf der Straße mit minderjährigen Kindern.

  9. 12.

    Es ist erstaunlich, wie abfällig sich manche hier über die Demo der Kinder äußern und wie wenig sie Kindern zutrauen...

    Mein Kind geht in die Kita, und ich kann bestätigen dass die Initiative für die Demo von den Kindern kam und sie auch (natürlich unterstützt von den Erziehern) von den Kindern geplant und umgesetzt wurde.

    Vermutlich hilft es, sich vorher einmal etwas mit dem Thema zu beschäftigen (zB auf wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/UN-Kinderrechtskonvention). In Bezug auf die Kommentare hier verweise ich einfach mal auf ein Grundrechte der Kinderrechtskonvention:

    "Das Recht, sich zu informieren, sich mitzuteilen, gehört zu werden und sich zu versammeln"

  10. 11.

    "Kinder zwischen einem und sechs Jahren..." Echt jetzt? Muss das sein? Einjährige Kinder .... Ich glaub, es hakt bei der Erziehern

  11. 10.

    So eine hohle Demo. Kinder werden leider immer mehr instrumentalisiert.
    PS: Kuchen ist aber ungesund.

  12. 9.

    Aha, sie schauen aber sehr über den Tellerrand. Nur weil es den Kindern, in dieser Kita gut geht, dürfen sie nicht für die Kinder auf die Straße gehen, denen es nicht gut geht? Genau darum ging es. Und darum, Kindern zu zeigen, dass sie Rechte haben.

    Was haben sie gegen das Kinderparlament? Und nur weil es keine Notwendigkeit gibt, darf es das nicht geben?

  13. 8.

    Die Kinder der Kita wollten das diesmal als 'Ihre' Demo veranstalten, nächstes Jahr können sich gern andere Kitas/Kinderläden anschließen!

  14. 7.

    Kuchen statt Krieg ... Man muss schon die ganze Botschaft sehen (und verstehen). Da gehts um mehr als Zahngesundheit oder Kalorien. Es geht darum, darauf aufmerksam zu machen, dass es weltweit Millionen Kinder gibt, die wegen ERWACHSENER Konflike Opfer von Gewalt und Hunger sind. Wie soll ein Kindergartenkind das besser ausdrücken als "Kuchen statt Krieg"? Ich gönne JEDEM Kind, das weltweit betroffen ist von unfassbarem Leid durch das Unvermögen Erwachsener, ihre Konflike zu lösen, ein dickes, fettes, großes Stück Torte. Und zwar für jeden verdammten Tag, an dem es leiden musste.

  15. 6.

    Sind Sie sicher, dass das keine Aktion der "Titanic" oder ihrer "Partei" war?

  16. 5.

    Das ist ja schade das die Aktion nicht etwas mehr publik gemacht wurde in der nahen Umgebung. Unsere Truppe hätte sich da locker mit angeschlossen. War auch Thema bei uns.
    Erneut beweisen mal wieder die Kinder, dass man Zeichen setzten kann ohne großen Streit, ohne Randale... Prima Aktion!

  17. 4.

    Eine überbreite Asphaltpiste, angelegt zum schnellen Fortkommen, nicht aber zum Verweilen, riesige Brandwände, die von den Resten an Bebauung zeugen, aber (darum) keinen baulichen Kontext ergeben und eine gleichförmige Ansammlung von Wohnwaben, in denen Menschen eher durchnummeriert erscheinen. Sehr treffend ins Bild gebracht - die Kinder: immerhin das einzige wirkliche ErLEBnis in dieser tristen Umgebung.

  18. 3.

    "Mehr Erzieher*innen - kein Stress!" wäre wohl auch gut gewesen. Immerhin, eine kultivierte Demo ohne Flaschenwürfe, Zerstörungen und Aggressionen gegenüber Polizeibeamte.

  19. 2.

    Schlimme Zustände da in Schöneberg?

    Denn wenn, von den ErzieherInnen angeleitet, da in der Schöneberger Steinmetzstaße die Kinder zwischen einem und sechs Jahren für die UN-Kinderrechtskonvention demonstrieren, werden sie denn wirtschaftlich ausgebeutet und zu Arbeiten herangezogen, die ihre Gesundheit beeinträchtigen, wie die UN Kinderrechtskonvention im Artikel 32 dies bekämpft?

    Von der Notwendigkeit eines Kinderparlaments von Dreijährigen habe ich allerdings selbst in den erläuternden Ergänzung der Bundesregierung dazu nichts gelesen.

  20. 1.

    Kuchen ist ja sehr gesund ! Gibt es auch kinderpflichten?

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