Besucherzentrum beim BND (Quelle: rbb/Stephan Ozsváth)
Audio: Inforadio | 06.11.2019 | Stephan Ozsvath | Bild: rbb/Stephan Ozsváth

Ausstelllung im Besucherzentrum - BND lässt sich (ein kleines bisschen) in die Karten schauen

In seinem riesigen Neubau in Berlin-Mitte zeigt der BND als erster Nachrichtendienst weltweit Exponate aus seiner Geschichte. Der Geheimdienst will mehr Transparenz wagen - ohne allzu viel über seine derzeitige Arbeit zu verraten. Von Stephan Ozsvath

In mehreren Vitrinen des neuen BND-Besucherzentrums ist gleichsam die James-Bond-Abteilung ausgestellt: Mini-Kameras, versteckt in Schirmen oder Handtaschen, abschraubbare Absätze zum Schmuggeln geheimer Informationen, Chiffriermaschinen - ein historischer Blick hinter die Kulissen der Schlapphut-Arbeit.  

"Aktuelle Exponate kann man natürlich jetzt nicht zeigen, also wie man heute zum Beispiel verschlüsselt", sagt Ausstellungsmacher Jan Wünsche. "Unsere Exponate sind aus den 50er, 60er Jahren - herrliche kleine Mini-Kameras, die in Zigarettenschachteln versteckt sind."

BND-Chef spricht von Gratwanderung

Der Bundesnachrichtendienst ist der deutsche Auslandsgeheimdienst. Mehr Transparenz wagen, das hat sich BND-Präsident Bruno Kahl vorgenommen. Auf 400 Quadratmeter Ausstellungsfläche zeigt die Ausstellung einige Aspekte der Arbeit der mehr als 6.000 Mitarbeiter - und lässt viele weg. Eine Gratwanderung, so der Behördenchef.

"Wir haben das Problem, dass wir zum Beispiel nie öffentlich darüber reden dürfen, wenn uns mal was gelungen ist", erläutert Kahl. "Wenn es mal geklappt hat, Anschläge zu verhindern, dann wären wir mit den Antworten auf Nachfragen immer sehr schnell dabei, unsere Methoden zu offenbaren - oder auch Dinge aus anderen Nachrichtendiensten zu übermitteln, die dieses nicht wollen."

4.11.2019, Berlin: ''Eine Sprengfalle wird in der Ausstellung des neuen Besucherzentrums des Bundesnachrichtendienstes gezeigt. Hier werden Asservate des Geheimdienstes ausgestellt, die bisher noch nie für die Öffentlichkeit zugänglich waren. (Quelle: dpa/Kay Nietfeld)

Der Kiez ist eingeladen

Mit dem Besucherzentrum ist der BND der erste Nachrichtendienst weltweit, der seine Pforten für die Öffentlichkeit öffnet, so der BND-Präsident. Schon jetzt kommen pro Jahr 15.000 Besucher, meist Besuchergruppen aus den Wahlkreisen von Bundestagsabgeordneten oder Schulklassen. Aber der Dienst will die Zielgruppe noch erweitern. "Ganz normale Stadttouristen" möchte Kahl ansprechen. "Oder auch die Leute hier aus dem Kiez, die sich bestimmt auch dafür interessieren, wer in ihre Nachbarschaft eingezogen ist."

Damit will der BND auch neue Mitarbeiter anlocken. Cyber-Krieg, internationaler Terrorismus - Herausforderungen, für die der BND qualifiziertes Personal brauche, so Kahl kürzlich in einer Anhörung vor dem Parlamentarischen Kontrollgremium.

Jahn: Demokratische Kontrolle wichtig

Unter den ersten Besuchern der Ausstellung ist auch Roland Jahn, Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen. Mit seiner DDR-Erfahrung sieht er die Ausstellung als guten Schritt in die richtige Richtung. "Darum geht's ja, dass wir den deutlichen Unterschied haben: ein Nachrichtendienst in einer Demokratie und eine Geheimpolizei in der Diktatur. Es ist wichtig, dass der Nachrichtendienst demokratisch kontrolliert ist und da hilft es schon für die gesellschaftliche Akzeptanz, eine Transparenz herzustellen."

In einer Vitrine der Ausstellung liegt Erich Honeckers BND-Akte. Sie vermerkt, seine Ehe sei schon zerrüttet. In einer Vitrine daneben hängt die Maschinenpistole von Reinhard Gehlen, der einst für die Wehrmacht im Osten spionierte. Der einstige Generalmajor in Hitlers Armee, auch das ist Teil der Geschichte des Bundesnachrichtendienstes, wurde sein erster Präsident.

Sendung: Inforadio, 06.11.2019, 08.00 Uhr

 

Der geheimste Umzug aller Zeiten

Beitrag von Stephan Ozsvath

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