An der DHL-Paketstation in der Potsdamer Kantstraße wurde im Herbst 2017 eine Paketbombe aufgegeben (Quelle: DPA/Maurizio Gambarini)
Bild: dpa

Zwei Jahre lange Ermittlungen ohne Ergebnis - Polizei hat keine konkrete Spur zu DHL-Erpresser

Im Herbst 2017 wurden in Berlin und Brandenburg Sprengsätze in Paketstationen platziert oder an Geschäfte verschickt. Wer dahinter steckte, ist auch zwei Jahre später noch unklar. Die Polizei ist bis heute ratlos und sieht den Fall als "ausermittelt".

Die Ermittlungen gegen einen Unbekannten, der den Paketzusteller DHL mit dem Versand gefährlicher Briefbomben um einen Millionenbetrag erpressen wollte, sind auch nach zwei Jahren ohne konkretes Ergebnis. Das Landeskriminalamt sei in dem Verfahren mehr als 1.000 Spuren und Hinweisen nachgegangen, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidium am Mittwoch in Potsdam, Torsten Herbst. "Bis heute konnte ein dringender Tatverdacht gegen eine oder mehrere Personen nicht erhärtet werden." Der Fall gelte als "ausermittelt". 

Am Morgen hatte die dpa Torsten Herbst noch damit zitiert, das LKA erarbeite derzeit einen Vorschlag mit dem Inhalt die Ermittlungen einzustellen. Der wäre für die Staatsanwaltschaft gedacht, denn nur diese kann über ein solches Ende von Ermittlungen entscheiden. Kurz darauf stellte Herbst noch einmal klar: Es gehe in dem Vorschlag um die "Ausrichtung der weiteren Ermittlungsmaßnahmen". Das Verfahren einzustellen, sei "aktuell nicht vorgesehen".

Sonderkommission wurde aufgelöst

Doch wie herum man es auch formuliert: Dass bei diesem Verfahren noch einmal etwas herauskommt ist mehr als unwahrscheinlich. Die Sonderkommission "Quer", die mit bis zu 50 Beamten gegen den oder die Erpresser ermittelt hatte, ist bereits im August 2019 aufgelöst worden, der Fall hat keine Priorität mehr. "Die weiteren Ermittlungen werden seitdem durch Ermittler der Abteilung Organisierte Kriminalität am Landeskriminalamt Brandenburg geführt", sagte Herbst.

Mit welchem Aufwand das künftig noch geschieht, erklärte er am Mittwoch nicht. Dass der Polizei in diesen knapp zwei Jahren trotz aller Anstrengungen und trotz des öffentlichen Drucks kein Ermittlungserfolg gelungen ist, macht diesen Fall außergewöhnlich.

Apotheker entdeckte Drähte beim Öffnen

Am 1. Dezember 2017 war in einer Apotheke am Rande des Potsdamer Weihnachtsmarkts eine Paketbombe entdeckt worden, in der sich eine Sprengvorrichtung und Nägel befanden. Darin wurde auch ein als QR-Code verschlüsseltes Schreiben entdeckt, mit dem DHL zur Zahlung einer Millionensumme in Bitcoins gebracht werden sollte.

Der Umsicht des Apothekers, der das Päckchen erhielt, war es mit zu verdanken, dass keine Menschen verletzt wurden. Er habe beim Öffnen ein Zischen gehört und bemerkt, "dass da so komische Drähte rausguckten", berichtete der Apotheker später. Daraufhin alarmierte er die Polizei.

Ermittler hoffen auf neue Hinweise

Später stellte sich heraus, dass schon Anfang November 2017 eine erste explosive Sendung des DHL-Erpressers im Postzentrum Frankfurt (Oder) eingegangen war. Diese geriet beim Öffnen in Brand, wodurch auch das Erpresserschreiben zerstört wurde. Weitere explosive Sendungen gingen im Januar bei einer Berliner Bankfiliale und im April bei der Handwerkskammer in Berlin ein. Danach herrschte Ruhe. Wenigstens einen Erfolg sieht der Sprecher des Polizeiministeriums in dem Fall: "Wegen des hohen Fahndungsdrucks wurden keine weiteren hochgefährlichen Pakte, die Menschenleben gefährdet hätten, verschickt." 

Sendung: Brandenburg aktuell 13.11.2019, 19:30 Uhr

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5 Kommentare

  1. 5.

    Das die rbb24 Redaktion sich von solch unsinnigen Kommentar provoziert fühlt, ist ein Armutszeugnis. Da ich meinen ehem. Arbeitgeber Post gut kenne, weiß ich aus Erfahrung, das die Hausinternen Detektive weiter an den Fall dran bleiben. Wer glaubt die Post AG legt nun die Hände in den Schoß, der irrt gewaltig. Manchmal braucht es seine Zeit um solch Straftäter dingfest zu machen.

  2. 4.

    Der rbb hat nicht exklusiv über die ergebnislosen Ermittlungen berichtet, wie Sie in der Meldung lesen können. Eine Google-Suche wird Ihnen das darüberhinaus bestätigen.

    Insofern hat unsere Meldung auch wenig damit zu tun, ob sich der oder die Täter nun sicherer fühlt / fühlen oder nicht.

    Beste Grüße.

  3. 3.

    dito

  4. 2.

    Dass Straftäter in Deutschland generell nicht an Schlamangel leiden dürften, ist bereits durch die Legislative, spätestens aber durch die Judikative garantiert.
    Eine solche Meldung (die nicht unbedingt wahr sein muss) macht da kaum einen Unterschied.

  5. 1.

    Der Erpresser feiert heute sicher die öffentliche Bekanntgabe durch den RBB ... nun kann er wieder gut schlafen und der Fahndungsdruck ist auch weg ...

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