Die Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, Maja Smoltczyk. Quelle: dpa/Britta Pedersen
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Nach Bußgeld gegen Deutsche Wohnen - Berlins Datenschutzbeauftragte hat weitere Firmen im Visier

14,5 Millionen Euro Bußgeld muss die Deutsche Wohnen zahlen, weil sie zu viele Mieter-Daten gespeichert hat. Kein Einzelfall, sagt Berlins Datenschutzbeauftragte Maja Smoltczyk - auch andere Firmen würden auffällig viele private Kundendaten speichern.

Nach Einschätzung der Berliner Datenschutzbeauftragten Maja Smoltczyk ist der Verstoß des Immobilienkonzerns Deutsche Wohnen gegen die Datenschutz-Grundverordnung kein Einzelfall. "Es gibt Indizien dafür, dass ähnliche Probleme auch in vielen anderen Bereichen auftauchen, das ist nichts, was sich nur auf eine Branche bezieht", sagte Smoltczyk am Mittwoch der Nachrichtenagentur DPA. Das gelte etwa auch für die Hotellerie oder für Mietwagenverleiher. "Es gibt überall die Tendenz, das Datensammeln zu intensivieren und zu erweitern."

Smoltczyk hat einen Bußgeldbescheid in Höhe von 14,5 Millionen Euro gegen die Deutsche Wohnen erlassen, wie die Behörde am Dienstag mitgeteilt hatte. Im Archiv des Konzerns seien zum Teil jahrealte persönliche Mieterdaten wie Sozial- und Krankenversicherungsdaten, Arbeitsverträge oder Informationen über ihre finanziellen Verhältnisse gespeichert gewesen.

Datenschutz: "Wohnungsbesichtigungen oft zweifelhaft"

"Es dürfen aber nur die Daten erhoben und verarbeitet werden, die wirklich erforderlich sind und für die es eine gesetzliche oder vertragliche Grundlage oder ein freies Einverständnis gibt", sagte Smoltczyk. "Und es müsste auch im Interesse der Unternehmen und aller datensammelnden Stellen sein, das auf ein Minimum zu reduzieren, weil sie dann nicht Gefahr laufen, in Schwierigkeiten zu kommen." 

In der Wohnungswirtschaft würden aber regelmäßig sehr viele personenbezogene Daten gesammelt. "Insofern haben wir in dem Bereich konstant hohe Eingabezahlen. Dadurch ist die Immobilienwirtschaft in gewisser Weise eine anfällige Branche", sagte Smoltczyk. "Schon zu Wohnungsbesichtiungsterminen werden oft Daten von den Interessentinnen und Interessenten verlangt, die datenschutzrechtlich zweifelhaft sind."

Verstoß bei Deutsche Wohnen nur durch "Zufall" aufgefallen

Wenn dann Mietverträge geschlossen würden und diese Daten in den Archiven landeten, ohne dass geprüft werde, ob sie für die laufende Verwaltung des jeweiligen Mietvertrags wirklich nötig seien, liege ein fortdauernder Datenschutzverstoß vor. 

"Die Deutsche Wohnen ist ein besonderer Fall, weil das Unternehmen eine besondere Größe und einen besonders hohen Jahresumsatz hat. Da geht es um sehr viele Mieterinnen und Mieter und deshalb auch um sehr viele Daten", sagte Smoltczyk. "Wir haben aufgrund einer Eingabe eine Prüfung durchgeführt, und dabei ist aufgefallen, dass das Archiv der Deutsche Wohnen nicht den datenschutzrechtlichen Anforderungen entspricht. Es ist Zufall gewesen, dass wir darauf gestoßen sind, was nicht heißt, dass es ein Einzelfall ist."

14 Mal mehr Datenpannen gemeldet

Durch die Datenschutzgrundverordnung ist das Bewusstsein für den Datenschutz nach Smoltczyks Einschätzung insgesamt deutlich gestiegen. "Die Regeln haben vorher weitgehend schon gegolten. Aber dadurch, dass sie mit sehr hohen Bußgelddrohungen hinterlegt worden sind, ist ein größerer Respekt entstanden für den Datenschutz."

Auch die Zahl der Beschwerden hätte exorbitant zugenommen. "Eineinhalb Jahre nach Inkrafttreten der Verordnung haben wir immer noch eine Verdreifachung der Eingabenzahl im Vergleich zu vorher", sagte die Datenschützerin. "Und das sind nur Eingaben von Betroffenen. Die Eingaben von Meldungen zu Datenpannen haben sich mindestens vervierzehnfacht - Tendenz steigend. Wir müssten sehr viel mehr Personal bekommen, um noch mehr prüfen zu können", sagte Smoltczyk. "Wir haben nicht die Kapazitäten, allen Hinweisen so nachzugehen, wie wir das müssten und uns das wünschen würden."

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2 Kommentare

  1. 2.

    Von Kesy und der Telekom Tochter T Mobil ganz zu schweigen. Doch an deren Datensammelwut hat die Dame nichts auszusetzen.

  2. 1.

    Gratulation
    In Brandenburg sieht es schlechter aus ( Krankenkasse, Nachweis kann erbracht werden )

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