Ein Mann sieht sich den neuen Film im Homosexuellen-Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen. Quelle: dpa/Jörg Carstensen
Bild: dpa/Jörg Carstensen

Vandalismus in Berlin-Tiergarten - Homosexuellen-Denkmal wird mit Kamera überwacht

Mehrmals haben Unbekannte das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen in Berlin-Tiergarten beschädigt. Nun zieht die Stiftung "Denkmal für die ermordeten Juden Europas" Konsequenzen aus dem andauernden Vandalismus.

Nach einer Reihe von Beschädigungen wird das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen in Berlin-Tiergarten jetzt mit einer Videokamera überwacht. Damit wolle man weiteren Schäden vorbeugen und potenzielle Täter von Angriffen abhalten, teilte die zuständige Stiftung "Denkmal für die ermordeten Juden Europas" am Mittwoch mit.

Seit Juni fünfmal geschändet

Zuletzt sei das Fenster im Denkmal am 9. September mit Farbe beschmiert worden, davor auch am 4. und 18. August sowie am 9. und 30. Juni.

Mit der Installation der Kamera durch eine Sicherheitsfirma sei am 17. Oktober 2019 begonnen worden, erklärte die Stiftung in einer Mitteilung. Am Mittwoch sei das Gerät technisch abgenommen worden.

Film mit Kussszenen gleichgeschlechtlicher Partner

Die Kosten für die Installation der Kamera werden den Angaben zufolge von der Stiftung getragen. Bis zum Ende des Jahres laufe zunächst eine Testphase, um eventuelle Anpassungen vornehmen zu können. Die Kamera werde an einem Mast angebracht und solle ausschließlich den Bereich des Denkmals überwachen, in dem ein Film mit Kussszenen von gleichgeschlechtlichen Partnern gezeigt wird. Bis zum Jahresende solle zunächst eine Testphase laufen.

54.000 Homosexuelle von Nazis verurteilt, davon 7.000 getötet

Schätzungen zufolge wurden in der NS-Zeit rund 54.000 Homosexuelle verurteilt. Etwa 7.000 von ihnen, darunter mehrheitlich schwule Männer, kamen in Konzentrationslagern aufgrund von Hunger oder Krankheiten, durch Misshandlungen oder gezielte Mordaktionen um.

Die Stele war 2008 errichtet worden. Nach den wiederholten Schmierereien in den vergangenen Monaten hatte der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg bereits im August gefordert, eine Videokamera zur Überwachung des Denkmals zu installieren.  

Sendung: Inforadio, 06.11.2019, 15 Uhr

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3 Kommentare

  1. 3.

    Ja, sehr traurig, was da immer wieder passiert. Immer wenn ich Denkmale für Menschen sehe, die umgebracht wurden, stellt sich bei mir eine gewisse Ehrfurcht (?) mit Bedrücktheit ein. Ich kann nicht verstehen, dass andere Menschen sich anscheinend davon provoziert fühlen. Das geht mir übrigens bei Stolpersteinen auch so. Wenn ich mir vorstelle, dass mein Bruder, der schwul ist, in der damaligen Zeit geboren worden wäre, überkommt mich nur das kalte Grausen....

  2. 2.

    Entsetzlich und überhaupt nicht nachvollziehbar, dass es erforderlich ist Denkmale/Mahnmale, etc. zu bewachen oder zu videoüberwachen! Was läuft schief in unserer Gesellschaft, dass das notwendig zu sein scheint? Was sind das für Patienten, die jeglichen Respekt und Menschlichkeit vermissen lassen und das Andenken an Opfer bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit Füßen treten? Vorschlag: Perspektivewechsel und die Welt stellte sich Tätern plötzlich anders dar....

  3. 1.

    Ich begreife einfach nicht, warum derartige Schändlichkeiten in den letzten Jahren so explodieren.
    Was sind das bloß für Menschen.

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