Fassade und Fenster einer Werbefirma in der Kohlfurter Straße in Kreuzberg sind mit rosaroter Farbe geschmiert (Quelle: Morris Pudwell).
Morris Pudwell
Audio: rbb 88,8 | 08.11.2019 | Helena Daehler | Bild: Morris Pudwell

Berlin-Kreuzberg - Staatsschutz ermittelt nach mehreren Vandalismus-Attacken

Zerbrochene Fensterscheiben, rosarote Farbe, politische Schriftzüge: Bereits drei Mal in dieser Woche haben Vandalen in Berlin-Kreuzberg ihr Unwesen getrieben. Wegen des mutmaßlich politischen Motivs hat der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen.

Mehrfach habe Unbekannte in dieser Woche in Berlin-Kreuzberg Scheiben zerstört und Hausfassaden mit Farbe beschmiert. Da die Täter jeweils politische Botschaften hinterließen, hat der Polizeiliche Staatsschutz die Ermittlungen übernommen.

Aufgrund der Vorgehensweise und des Inhalts der Schriftzüge liegt die Vermutung nahe, dass es sich um eine Serie handelt. Das wollte die Polizei am Freitag auf Anfrage von rbb|24 nicht bestätigen. Eine Sprecherin sagte nur, es werde – wie immer in solchen Fällen – geprüft, ob zwischen den Taten ein Zusammenhang besteht.

"Kämpfe für Rojava"

Erstes Ziel war am Dienstagabend ein Mercedes-Autohaus in der Prinzessinnenstraße in Kreuzberg: Vermummte zerstörten 26 Glasscheiben, warfen mit Farbe gefüllten Glasflaschen gegen die Front und brachten den Schriftzug "Fight for Rojava", also "Kämpfe für Rojava" an. Rojava entspricht in etwa den überwiegend kurdisch bewohnten Regionen im Norden Syriens entlang der Grenze zur Türkei, wo derzeit eine Militäroffensive der Türkei läuft.

Mutmaßlich in der Nacht zu Donnerstag waren zwei Reisebüros in der Kottbusser Straße Ziel der Attacken. Wie die Polizei mitteilte, entdeckten die Inhaber der Reisebüros am Donnerstagvormittag den Schaden an Schaufenstern und Türen und informierten die Polizei. Unbekannte hatten über die Scheiben Schriftzüge mit roter Farbe gesprüht und die Schlösser in den Eingangstüren mit einer unbekannten Substanz manipuliert, so dass diese sich nicht mehr schließen ließen. Ob auch in diesem Fall eine politische Botschaft hinterlassen wurde, ist nicht bekannt.

Bekennerschreiben auf linker Internet-Plattform

Ebenfalls in der Nacht zu Donnerstag kam es zu einer weiteren Attacke auf eine Werbeagentur in der Kohlfurter Straße. Die Täter beschädigten auch hier Fensterscheiben und bewarfen und beschmierten die Fassade mit rosaroter Farbe. Ein Einfahrtstor wurde mit dem Schriftzug "No War" besprüht, darüber hing ein Zettel mit der Ankündigung einer Protestaktion. Demnach ruft die Stadtteil-Initiative Kreuzberg 36 für den 13. Dezember zu einer Kundgebung unter dem Motto "Bundeswehr abschaffen - weg mit Crossmedia" auf. Die Agentur ist bekannt für ihre Bundeswehrkampagne "Mach, was wirklich zählt". Die Aktivisten schreiben in ihrer Ankündigung: "Wir finden: Werbung fürs Töten und Sterben für deutsche Interessen und Konzern-Profite darf sich nicht lohnen."

Auf einem Tor in der Kohlfurter Straße in Kreuzberg steht in rosaroter Farbe der Schriftzug "No War" (Quelle: Morris Pudwell).

Bekennerschreiben für die Attacken auf die Werbeagentur sowie auf die Mercedes-Niederlassung in der Prinzessinnenstraße wurden auf der linken Internet-Plattform "Indymedia" veröffentlicht. Demnach sei Mercedes ein "kapitalistisches Großunternehmen, das mit seiner Militärsparte zu den Kriegsprofiteuren gehöre". Crossmedia wird in einem anderen Eintrag auf dem Portal als "Stückchen Heimatfront der Bundeswehr" in Kreuzberg bezeichnet. In beiden Fällen solidarisieren sich die Täter mit den Kurden in Nord-Syrien. "Mit der rosa Fassade und den eingeschlagenen Scheiben des Kriegsprofiteurs und wichtigen Bausteins der Heimatfront senden wir solidarische Grüße nach Rojava!", heißt es in dem Eintrag.

Die Authentizität der Bekennerschreiben wird nun von der Polizei geprüft.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

13 Kommentare

  1. 13.

    Das kann gar nicht sein. Die Linken sind doch die Guten.
    In Leipzig hat die Polizei eine SoKo LinX gegründet - spät aber nicht zu spät - um dem linken Terror Herr zu werden.
    Wann passiert das hier in Berlin?
    Es gab es im Jahr 2018 nach der Statistik des Bundesinnenministeriums 108 Brandstiftungen von linksextremer Seite (11 von rechtsextremer), 48 Fälle von gefährlichem Eingriff in den Bahn- und Luftverkehr von Linksextremisten (12 von rechts), 376 linksextreme Widerstandsdelikte gegen die Polizei (74 rechtsextreme), und 2.219 Fälle von Sachbeschädigungen durch linke Täter (905 durch rechte).  Bei Körperverletzungen lagen 2018 Rechtsextremisten weit vorn: 938 zu 363.

  2. 12.

    @
    Berliner (15:06 Uhr)

    Auch wenn Ihr Beispiel für "brutal" (aus meiner Sicht) durchaus stimmt, so betreiben Sie (aus meiner Sicht) im Kontext zu dem im Artikel beschriebenen Ereignis derailling der feinsten Sorte.

    Und um Ihrem Beispiel mal gleich zu folgen. Gemäß dem Slogan "no nation, no border, fight law and order!" (Zitat: Multple Quellen). Warum solte sich dann eine "Investorin", ein "Investor" an irgendwelche Gesetze halten und seien es auch nur die (derzeitigen, ungeschriebenen moralischen)Gesetze eines Teils der Bevölkerung (der Welt)? Selbst dann, wenn Sie mit der Problematik des ursprünglichen Auslöses einer Kausalkette konntern könnten.

  3. 11.

    Für manche ist es zu lange her, dass solcher Vandalismus in Deutschland schon einmal üblich war. Wohin das führte, wissen Anfang November hoffentlich noch viele.

  4. 10.

    Rechtfertigung nein. Motivation ja. Die betroffenen Firmen werden diese Schmierereien, Reparaturen und sonstige Schäden aus der Portokasse bezahlen. Denn das Geschäft lohnt sich. Da sind auch "politische Widerstände" von Anfang an mit einkalkuliert.

  5. 8.

    @Berliner ich sehe in deiner Nachricht trotzdem keine Rechtfertigung darin andere Häuser zu verunstalten!

  6. 7.

    Brutal ist wenn ein "Investor" alte Mieter rauswirft weil die ihre Miete nach Erhöhungen nicht mehr zahlen können oder ein "Investor" Mieter mit gefälschten Eigenbedarfskündigungen rauswirft.

  7. 6.

    Angesichts des Umgangs unserer Regierung und ´breiten´ Teilen der ´Wirtschaft´ mit dem Erdogan Regime,empfinde ich diese Aktionen doch eher harmlos. Im Vergleich zu den vorgeheuchelten Europäischen Werten und deren Opfer, auf jeden Fall!
    Terror sieht anders aus! @Graubär -siehe Türkei!

  8. 5.

    Äußerst seltsamer Humor und leider kein bisschen lustig...
    Die Opfer der Sachbeschädigung und Bedrohung werden wohl kaum darüber lachen können.

  9. 4.

    Einfach lesen. Bekennerschreiben auf der linksradikalen Internet-Plattform "Indymedia" liegen vor.

    Indymedia ist "eigentlich" verboten.

  10. 3.

    Merkwürdig, dass diese Linksterroristen auch hier nie beim Namen genannt werden. Da ist in allen Beiträgen nur von Vandalen die Rede. In Leipzig Millionenschäden
    durch Anschläge auf Baufirmen und ein brutaler Überfall auf eine Immobilienmaklerin, in Berlin täglich
    Anschläge aber in der Politik hört man nur vom Kampf gegen rechts.
    Im Übrigen, ohne die Hilfe der Bundeswehr bei den Hochwasserka -
    trophen hätte es viele Tote und Verletzte gegeben. Ist schon geisteskrank wenn man mit Gewalt
    gegen Gewalt protestiert!

  11. 2.

    Linke Chaoten?
    Ich sehe hinter den Anschlägen den Rechten Mob.

  12. 1.

    Schade das die Politik eine NoGo Area in der Rigaer Straße zulässt. Wenn man Steine vom Dach auf Polizisten schmeißt sollte das als versuchter Mord verurteilt werden

Das könnte Sie auch interessieren