Christian Stäblein, der neue Bischof der Evangelischen Kirche in Berlin, Brandenburg und der schlesischen Oberlausitz (EKBO) beim Festgottesdienst zu seiner Amtseinführung in Berlin (Quelle: dpa/epd/Christian Ditsch)
Video: Abendschau | 16.11.2019 | Arndt Breitfeld | Bild: dpa/epd/Christian Ditsch

Festgottesdienst in Berlin - Christian Stäblein ist neuer evangelischer Landesbischof

Die Evangelische Kirche in Berlin, Brandenburg und der schlesischen Oberlausitz hat ein neues Oberhaupt: Am Samstag ist Christian Stäblein bei einem Festgottesdienst in sein Amt eingeführt worden. Er folgt auf den bisherigen Bischof Markus Dröge.

Der Theologe Christian Stäblein ist neuer Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO). Der 52-Jährige wurde am Samstag bei einem Festgottesdienst in der St. Marienkirche in Berlin in sein Amt eingeführt. Zu der Feier waren rund 700 Gäste eingeladen, darunter zahlreiche Bischöfe anderer Landeskirchen, Gemeindemitglieder sowie der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (beide SPD).

An den Feierlichkeiten nahmen auch die Frauenrechtlerin und muslimische Imamin Seyran Ates, der Rabbiner Andreas Nachama, der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime, Aiman Mazyek, und die Präsidentin der Berliner Humboldt-Universität, Sabine Kunst, teil.

Experte für theologische Grundsatzfragen

Stäblein folgt auf Markus Dröge, der in den Ruhestand geht. Bisher war Stäblein als Berliner Propst unter anderem für theologische Grundsatzfragen zuständig. Im April war er vom Kirchenparlament der EKBO gewählt worden. Der Landeskirche gehören rund 1.250 Gemeinden in Berlin, Brandenburg und der sächsischen Region Görlitz an.

Zu den Herausforderungen im neuen Amt gehört die Suche nach neuen Formen von Kirchenarbeit angesichts des demografischen und gesellschaftlichen Wandels. Nach einer von der EKD in Auftrag gegebenen Studie wird sich bis 2060 die Mitgliederzahl der evangelischen Kirche halbieren. Im Bereich von Berlin, Brandenburg und der Oberlausitz lag die Mitgliederzahl Ende Dezember 2018 bei rund 940.000 Mitgliedern, 2,2 Prozent weniger als im Vorjahr.

Verurteilung von Antisemitismus und Missbrauch

"Gerechtigkeit und Frieden ohne Halt von Prignitz bis Görlitz bis Oderbruch, von ökumenisch bis weit über den eigenen Glauben" hinaus, seien das Ziel, betonte Stäblein und wandte sich damit an die Vertreter von Judentum und Islam, die ebenfalls an dem Gottesdienst teilnehmen: "Für eine Gesellschaft in Frieden, für Gerechtigkeit, auf die man sich verlassen kann." Zugleich mahnte Stäblein mit Blick auf den Antisemitismus: "Müde dürfen wir nicht werden, dagegen zu stehen, das laut zu machen." Missbrauch an Kindern in Raum der Kirche verurteilte der Bischof als "unendlich unerträglichen Verrat".

Lob und Dank - von der Politik und von Erzbischof Koch

In einem Grußwort würdigte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) Dröge und seinen Nachfolger als bedeutende Persönlichkeiten in der Hauptstadt. Beide hätten "in ihren bisherigen Ämtern große Verantwortung und aus dem christlichen Glauben kommendes Engagement für die Zivilgesellschaft bewiesen".

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hob die Verdienste Dröges auch für sein Bundesland hervor. "Er stand und steht in der ersten Reihe, wenn Demokratie, Rechtsstaat und Menschlichkeit verteidigt werden müssen. Dröges Nachfolger versicherte er seiner "besonderen Wertschätzung für die Arbeit der Landeskirche in und für Brandenburg".

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, gratulierte Bischof Stäblein zum Amtsantritt und würdigte den 52-Jährigen in seinem Grußwort als "einen intellektuell tiefgängigen, lebenszugewandten und eine große Zuversicht ausstrahlenden Theologen", der alle Voraussetzungen dafür habe, seine Kirche in die Zukunft zu führen.

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch dankte Dröge für dessen "verlässlichen ökumenischen Einsatz". Er würdigte auch Dröges Frau Susanne für deren Engagement in der Malteser Migranten Medizin, die Menschen ohne Krankenversicherung hilft. "Ihr ökumenisch verbindender karitativer Dienst für die Ärmsten der Armen in einem unserer Krankenhäuser war und ist ein großes ökumenisches Zeichen", betonte das Oberhaupt der Berliner Katholiken.

Aus Bad Pyrmont, verheiratet, vier Kinder

Der 1967 in Bad Pyrmont geborene Stäblein ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Als Hobbys nennt er das Musizieren mit dem Kontrabass und Tischtennis. In jungen Jahren habe er im Uni-Orchester gespielt. Nach dem Theologiestudium in Göttingen, Berlin und Jerusalem promovierte Stäblein an der Universität Göttingen. Nach der Ordination war er Gemeindepfarrer, zunächst in Lengede, später in Nienburg/Weser und 2008 dann Studiendirektor im Kloster Loccum.

Sendung: Abendschau, 16.11.2019, 19.30 Uhr

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5 Kommentare

  1. 5.

    Ich nehme an, Sie engagieren sich lautstark gegen jede Form von Diskriminierung, sozialer Ungerechtigkeit und Turbokapitalismus, vielleicht in einer ähnlich einflussreichen Institution wie die evangelische Kirche. Ansonsten ist Ihre und KBs Genörgel nichts als heiße Luft.

  2. 4.

    .. leider kann in unserem sekulären Staat die Kirche , mit staatlicher Unterstützung, sich darzustellen mehr zu sein als sie tatsächlich ist.. Religion ist halt Opium für das Volk...

  3. 3.

    Dass die Kirche eine Körperschaft des öffentlichen Rechts ist, weiß ich selbstverständlich. Darum geht es auch gar nicht. Skandalös finde ich, das sie Sendezeit im gebührenfinanzierten Fernsehen erhält!

  4. 2.

    1. Die ev. Kirche ist kein Verein, sondern eine Körperschaft des öffentlichen Rechts
    2. Auch wenn es weniger Menschen in den Kirchen/Glaubengsemeinschaften gibt, haben diese immer noch mehr Mitglieder als manche "Vereine".
    3. Wenn es Sie nicht interessiert, lesen Sie es doch einfach nicht.

  5. 1.

    Ein Verein hat einen neuen Vorsitzenden. Schön. Aber was hat das im Fernsehen zu suchen? Für (u.a.) mein Geld? Wenn demnächst irgendein Karnickelzüchterverein einen neuen Vorsitzenden wählt, übertragen Sie das dann auch? Wieso überhaupt hat der RBB eine Kirchenredaktion?

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